Stadtmission investiert in Beschichtungsanlage in Burgstädt

Für reichlich eine Million Euro wird eine Abteilung modernisiert. Dabei verbessern sich nicht nur die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter.

Burgstädt.

Neugierig blickt Christian Baumeyer auf die Monteure neben seinem Arbeitsplatz: Seit einigen Wochen entsteht neben seiner Werkstatt eine neue Pulverbeschichtungsanlage. "Ich bin schon gespannt", sagt der 34-jährige Hartmannsdorfer, der körperbehindert ist. Bisher hat er an der alten Anlage gearbeitet, die mit Eröffnung der Partner-Werkstätten 1996 im Burgstädter Gewerbegebiet in Betrieb ist.

Er freue sich auf die moderne Anlage, sei aber auch neugierig und ehrfürchtig, ob denn alle Arbeitsschritte weiterhin gut gelingen, sagt er. Denn an der alten Anlage gingen ihm die Griffe flott von der Hand. "Christian hat sich gut entwickelt, seitdem er hier ist", so Gruppenleiterin Bärbel Irmscher.

Automobilhersteller, Maschinenbaufirmen, kleine und mittelständische Unternehmen lassen in der Einrichtung für Behinderte ihre Teile bearbeiten. Die Einrichtung der Stadtmission betreut 174 Menschen mit Handicap, die keine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt erhalten können, sagt Heike Beck, die den Sozialen Dienst in den Partner-Werkstätten leitet. Die Stadtmission beschäftigt an vier Standorten 550 Mitarbeiter, so Kaufmännischer Direktor Johannes Härtel.

Nachdem vor drei Jahren eine neue Halle für rund 800.000 Euro gebaut und die Produktion erweitert wurde, wird nun eine weitere Investition verwirklicht, sagt Werkstattleiter Andreas Petzold. Der 20 Jahre alte Maschinenpark in der Abteilung Pulverbeschichtung werde durch eine neue, energieeffiziente Anlage ersetzt. Dann verbesserten sich nicht nur die Arbeitsbedingungen, fügt er hinzu. Die Mitarbeiterzahl verdopple sich von 12 auf 24. Die Anlage, die sich jetzt auf einer Fläche von 350 Quadratmetern befindet, werde auf das Doppelte erweitert. Erneuert werde die Vorbehandlungsanlage, das gesamte Transfersystem und der alte Ofen wird durch einen energieeffizienten Einbrennofen ersetzt, erklärt Petzold. Damit könne die Abwärme wieder als Energiequelle für den Komplex genutzt werden.

Zurzeit erfolge die Montage der Waschmaschine und eines sogenannten Haftwassertrockners. Insgesamt investiert die Stadtmission reichlich eine Million Euro, sagt Härtel. Dank Fördermitteln von der Sächsischen Aufbaubank, des Landkreises Mittelsachsen und der Bundesagentur für Arbeit sei die Neuanschaffung möglich geworden, fügt er hinzu. Ab Mitte Oktober erfolge die Montage des zweiten Teils der Anlage, Ende Januar 2020 soll der Produktionsprozess wieder aufgenommen werden. In der Abteilung Pulverbeschichtung werden Metallteile - so Gurtgestelle für Wohnmobile, Federn, Ofenbleche oder Ofenrohre - für verschiedene Kunden beschichtet. "Aber auch ein Schmied lässt bei uns Zäune beschichten", erläutert Werkstattleiter Petzold. Das Pulverbeschichten oder Pulverlackieren ist ein Beschichtungsverfahren, bei dem ein elektrisch leitfähiger Werkstoff mit Pulverlack beschichtet wird.

Seit reichlich 40 Jahren ermöglicht es die Diakonie, dass Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung einer Arbeit nachgehen können. "Das ist je nach Schwere der Behinderung möglich", ergänzt Beck. So montieren die Werkstattmitarbeiter für die Leuchtenbau-Firma Regiolux LED-Leuchten. Für die Automobilindustrie verpacken die Werkstatt-Mitarbeiter Injektoren. Sie werden von der Arbeitsagentur und dem Kommunalen Sozialverband Sachsen an die Partner-Werkstätten verwiesen, weil sie für den ersten Arbeitsmarkt im Moment nicht infrage kommen, erklärt Beck.

Häufig seien das junge Menschen, die schon mehrere Arbeitsmaßnahmen ausprobiert hätten, so Beck. Dabei werde es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden. Früher seien Mitarbeiter mit geistigen Behinderungen in die Einrichtung gekommen. Die Anzahl gehe zurück. Eine Erklärung dafür könne sein, dass diese Menschen durch Inklusionsbemühungen besser integriert würden als noch vor einigen Jahren. Jetzt sei es eine Herausforderung, Werkstatt-Mitarbeiter unter persönlich schwierigen Einzelbedingungen gut zu integrieren.

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