Stadträte fordern mehr Schülerlotsen

Angesichts zahlreicher Baustellen wollen Kommunalpolitiker auf Nummer sicher gehen. Eine erste Stelle wurde jetzt ausgeschrieben. Doch zunächst hatte die Stadt auf Ehrenamtler gehofft.

Die Stellenanzeigen des Rathauses bieten aktuell Offerten für ganz unterschiedliche Berufsgruppen. Da werden unter anderem ein neuer Amtsarzt bzw. eine neue Amtsärztin gesucht, ein Sachbearbeiter für das Thema Kulturhauptstadt und ein Prüfer für die Planung von Hochwasserschutz-Projekten. Die Anzeige mit der Kennziffer 40/35 fällt ein wenig aus dem Rahmen: Es geht um einen Schulweghelfer bzw. eine Schulweghelferin für die Grundschule in Glösa. Einsatzbeginn ist am 13. August, dem ersten Schultag des neuen Schuljahres, 7 Uhr.

Mit der Ausschreibung reagiert die Stadt nicht zuletzt auf Anregungen von Eltern und Einwohnern des Stadtteils. Vor allem wegen der Arbeiten zur Schulerweiterung und zum Bau einer neuen Kindertagesstätte in der Nachbarschaft sei die Verkehrssituation dort oft recht unübersichtlich, heißt es. Zu den Baufahrzeugen hinzu kommen die Autos von Anwohnern und Eltern, die ihre Kinder selbst zur Schule fahren.

Die Stadt, die bei Schülerlotsen eigentlich nur noch auf Ehrenamtler setzen wollte, hatte zunächst gehofft, der Schule werde es aus eigener Kraft gelingen, kurzfristig einen Helfer zu finden - unter den Eltern, Großeltern oder über andere engagierte Personen. Nachdem das aber ohne Erfolg blieb, soll nach erneuter Prüfung der Situation vor Ort nunmehr über das Rathaus ein Schulweghelfer beschäftigt werden, Allerdings nur befristet für die Zeit bis zu den Herbstferien,erläutert eine Sprecherin. "Damit wird die Phase der Bauarbeiten abgesichert."

Geht es nach der Stadtratsfraktion von CDU/FDP sollten solche Beispiele auch andernorts Schule machen. "Mit Schulwegbegleitern hat die Stadt gute Erfahrungen gemacht, daran wollen wir anknüpfen", sagt Stadtrat Alexander Dierks. "Gerade wenn die Wege aufgrund der zahlreichen Straßenbaustellen auch im Umfeld von Schulen nicht nur länger, sondern auch schwerer einsehbar werden." Zudem sei der "offizielle" Schulweg nicht immer der, den Kinder tatsächlich nutzten.

Beim Kreiselternrat stößt der Vorstoß auf Zuspruch. "Eine sehr gute Idee bei der momentanen Verkehrssituation in der Stadt", findet Sascha Reichenbach, der Vorsitzende. Doch bislang ist der Einsatz von Schulweghelfern keineswegs das Mittel erster Wahl. "Kommt es zu Gefahrenstellen auf dem Schulweg, wird versucht, diese durch anderweitige Festlegungen im Rahmen der Arbeitsgruppe Schulwegsicherung zu beseitigen", heißt es aus dem Rathaus. In dieser Gruppe arbeiten unter anderem Vertreter der Verkehrsbehörde mit, des Schul- und Sportamtes, von Verkehrsbetrieben, des Ordnungsamts, der Verkehrswacht und der Polizei. Ergebnis der Beratungen sind vorrangig zusätzliche Park- und Halteverbote, verschärfte Tempolimits oder zusätzliche Fußgängerampeln. "Tragen diese Maßnahmen nicht zur ausreichenden Sicherung bei, kann zusätzlich ein Schulweghelfer eingesetzt werden", so Bürgermeister Sven Schulze.

Die Folge: Schulweghelfer sind selbst im dichtesten Berufsverkehr bislang eher selten anzutreffen. Zu Jahresbeginn etwa war dies nur an den Grundschulen in Wittgensdorf und Harthau sowie an der Schlossgrundschule der Fall. "Ein weiterer Bedarf an Schulweghelfern ist nicht bekannt", hieß es noch im Frühjahr auf eine entsprechende Nachfrage mehrerer Stadträte der Linken.

Anlass dafür war die Situation in Glösa. "Es freut uns, dass sich die Stadt auf unsere erneute Nachfrage hin entschieden hat, für das kommende Schuljahr nach einem dringend benötigten Schulweghelfer zu suchen", sagt Linken-Fraktionschefin Susanne Schaper. "Angesichts weiterer Bauvorhaben im kommenden Jahr sollte aber überlegt werden, den Schulweghelfer über die Herbstferien hinaus langfristig zu beschäftigen", findet sie. Bewerbungen nimmt das Rathaus noch bis Mittwoch entgegen.

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