Stadtrat beschließt Lärmaktionsplan ohne Inhalt

Betroffene Anwohner haben vorerst keine Aussicht auf Besserung. Etwas Linderung soll später ausgerechnet der Ausbau einer Straße bringen.

Viele Autos bedeuten viel Lärm. Besonders betroffen sind Anwohner der Staatsstraße 249, zu der auch die Jägerstraße gehört.

Für Sie berichtet: Johannes Pöhlandt

Zwischen 250 und 300 Einwohner von Limbach-Oberfrohna sind Verkehrslärm ausgesetzt, der bei dauerhafter Belastung gesundheitsschädigend sein kann. Das ist das Ergebnis einer sogenannten Lärmkartierung, die im Auftrag des Freistaates erstellt worden ist. Die Betroffenen dürften überrascht sein, wie die Stadt auf das Problem reagiert: Der Stadtrat hat während seiner jüngsten Sitzung einen Lärmaktionsplan verabschiedet - der allerdings keine einzige Maßnahme enthält.

Die lärmgeplagten Einwohner wohnen entlang der Staatsstraße 249, die über Jäger-, Straße des Friedens, Frohnbach- und Wolkenburger Straße verläuft. Neben dieser wichtigen Verbindung wurden auch die Autobahnen 4 und 72 untersucht - dort ist der Abstand zur Wohnbebauung allerdings wesentlich größer. Weitere Straßen wurden nicht berücksichtigt, da eine Lärm-Richtlinie der EU eine Untergrenze von drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr vorsieht.

Bevor der Lärmaktionsplan dem Stadtrat vorgelegt wurde, konnten Bürger Einsicht nehmen und Stellungnahmen schreiben. Davon haben einige Betroffene Gebrauch gemacht. Sie wohnen vor allem in Oberfrohna. So bereitet die Kreuzung Straße des Friedens/Frohnbachstraße Anwohnern Sorgen. Wegen der ständige Brems- und Anfahrmanöver sei der Verkehrslärm hier besonders hoch, argumentieren sie. Es sei deshalb zunehmend schwieriger, Interessenten für Mietwohnungen in diesem Bereich zu finden. Weitere Einwohner beschweren sich darüber, dass die Anzahl der Fahrzeuge auf der Frohnbachstraße generell zugenommen habe.

Warum verzichtet die Stadt trotzdem auf Projekte zur Linderung der Probleme? "Ein Lärmaktionsplan ohne Maßnahmen mag lustig klingen, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt", sagt Oberbürgermeister Jesko Vogel. Das liegt vor allem daran, dass für bauliche Änderungen auf Staatsstraßen nicht die Kommunen zuständig sind, sondern das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Die Behörde verweist darauf, dass man in der Vergangenheit nicht untätig geblieben sei. So seien von 1995 bis 2002 etwa 78.000 Euro an Anwohner geflossen, damit diese Lärmschutzfenster einbauen konnten. Ein weiteres Vorhaben des Landesamtes könnte auf andere Weise Entlastung bringen. Die Staatsstraße 249 soll im weiteren Verlauf zwischen Oberfrohna und Kaufungen ausgebaut werden. Wenn dies in einigen Jahren geschafft ist, müssten Lastwagen in Richtung Autobahn nicht mehr durch die Stadt fahren, sondern könnten die Auffahrt Niederfrohna der A72 viel leichter erreichen - so zumindest die Hoffnung der Verantwortlichen.

Die Einführung von Tempo 30 etwa auf der Straße des Friedens oder der Frohnbachstraße, wie sie von einigen Anwohnern gefordert wird, lehnt OB Vogel ab. Eine solche Anordnung wäre nach seinen Angaben unverhältnismäßig. Er könne sich aber zum Beispiel vorstellen, an der Kreuzung Frohnbach-/Wolkenburger Straße eine abbiegende Vorfahrt zu prüfen, um die Anzahl der Brems- und Anfahrmanöver zu verringern.

Kommentar: Mogelpackung

Lärmaktionsplan - das klingt nach tiefgreifenden, wirkungsvollen Projekten. Ein Lärmaktionsplan, in dem keine Maßnahmen vorgesehen sind, verdient hingegen den Namen nicht. Die Stadt trifft dabei wenig Schuld. Sie ist mit Blick auf Staatsstraßen vom Landesamt für Straßenbau abhängig. Ohnehin leuchtet es ein, dass nicht jedem lärmgeplagten Anwohner geholfen werden kann. Zwischen Straße und Fußweg kann man keine Lärmschutzwand bauen. Zudem dürfte jedem klar sein, der etwa an die Straße des Friedens zieht, dass es sich nicht um eine ruhige Wohngegend handelt.

Man sollte darüber nachdenken, ob das ganze, von der EU vorgeschriebene Verfahren Sinn ergibt. Denn es werden Hoffnungen bei den Anwohnern geweckt, die nicht erfüllt werden können.

0Kommentare Kommentar schreiben