Stadtrat kritisiert OB wegen Rede bei Gedenkveranstaltung

In Wolkenburg ist an die Opfer der dortigen KZ-Außenstelle erinnert worden. Dabei wurde auch die Nationalhymne gesungen. Das ist nicht das Einzige, woran sich ein Lokalpolitiker stört.

Wolkenburg.

Als am 27. Januar auf dem Wolkenburger Friedhof an jene Frauen erinnert wurde, die während des Zweiten Weltkriegs im heutigen Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Zwangsarbeit verrichten mussten, war das Interesse überschaubar. Etwa 15 Personen fanden sich am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein, darunter Vertreter der Stadtverwaltung und mehrere Stadträte. Trotzdem sorgt die Veranstaltung auch mehr als einen Monat später noch für Diskussionen. Das liegt vor allem an einem der damals anwesenden Lokalpolitiker, Albert Klepper (Grüne).

Der Stadtrat stört sich an der Ansprache von Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler). Die Rede sei "dürftig und enttäuschend" gewesen, schreibt Klepper in einem Mitteilungsblatt des Limbacher Ortsverbandes der Partei Die Linke, das Ende Februar erschien. Linke und Grüne bilden im Stadtrat eine Fraktionsgemeinschaft. Klepper erinnert daran, dass als Folge des Vorgehens des Hitler-Regimes 60 Millionen Menschen gestorben seien, davon sechs Millionen Juden. Angesichts dieser Tatsache habe er Worte zur Schuld der Deutschen vermisst, so Klepper. Vogel habe lediglich darauf hingewiesen, dass sich der Krieg durch die Zwangsarbeit noch verlängerte.


Kleppers Kritik geht noch weiter: Dass während der Gedenkfeier die Nationalhymne gesungen wurde, sei mit Blick auf die deutsche Rolle im Zweiten Weltkrieg "vollkommen unpassend" gewesen. Auch die anschließende Besichtigung der Grablege der Grafen von Einsiedel, die sich in der Alten Kirche auf dem Friedhof befindet, habe er als unangemessen empfunden. "Insgesamt eine Veranstaltung der Stadt, die des Anlasses unwürdig war", resümiert Klepper.

Jesko Vogel weist die Kritik als "unsachlich" zurück. Er habe sich bei der Vorbereitung der Gedenkfeier entschieden, auf die Geschichte des Ortes und damit auf die Zwangsarbeit einzugehen. "Das System der Zwangsarbeit hat den Krieg verlängert, Millionen von Menschen mussten deshalb sterben", stellt der OB fest, der Geschichte studiert hat. Die Veranstaltung sei nicht der passende Rahmen gewesen, um auf den Zweiten Weltkrieg als Ganzes einzugehen. "Ich bin der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, nicht der Bundespräsident", erklärt Vogel. Die Nationalhymne drücke das aus, wofür die Bundesrepublik Deutschland stehe: Menschenrechte, Meinungsfreiheit und den Schutz von Minderheiten. Auch Kleppers Kritik wegen der Besichtigung der Kirchengruft kann Vogel nicht nachvollziehen. Dass die Anwesenden sich dort umschauten, sei ein privates Angebot von Reinhard Kaminsky gewesen, der dem Wolkenburger Heimatverein angehört und Führungen durch den Ort anbietet. Es habe mit der Gedenkveranstaltung nichts zu tun gehabt, verdeutlicht Vogel.

In Wolkenburg bestand von 1944 bis 1945 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg in der Oberpfalz. Mehr als 400 Frauen, darunter vor allem Polinnen sowie Angehörige der Sinti und Roma, verrichteten auf dem späteren Malitex-Gelände an der Herrnsdorfer Straße Zwangsarbeit für den Rüstungsbetrieb Opta-Radio. Mehrere Frauen starben unter anderem als Folge von Misshandlungen. Fünf davon wurden auf dem Wolkenburger Friedhof beerdigt. Im April 1945 wurde das Lager aufgelöst. Die Zwangsarbeiterinnen wurden in das KZ Dachau gebracht. Auf dem Weg dorthin gelang einigen die Flucht, andere starben bei Luftangriffen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 19
    4
    Lesemuffel
    08.03.2019

    Alles richtig gemacht, OB. Den Gedenktag auf das damalige Geschehen vor Ort heruntergebrochen und damit konkret und fassbar gemacht. Unsere Nationalhymne zu singen ist ja keine Schande. Wenn ein Grünen-Politiker dazu eine andere Beziehung hat, ist es seine Privatsache. Und die Gelegenheit zu nutzen, in Wolkenburg im Anschluss, weil vor Ort etwas Heimatgeschichte zu schnubbern ist auch nicht verwerflich. Klepper hätte ja nach Hause gehen können. Was will er mit so einer unsäglichen Kritik zwei Monate nach dem Ereignis erreichen? Den OB beschädigen? Das ist sehr billig.



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