Stadtrat stimmt niedriger Stadionpacht zu

Mit ihrem Beschluss sind die Räte auf eine Forderung des CFC-Insolvenzverwalters eingegangen. Eine mögliche Einnahmequelle bleibt ihm allerdings verschlossen.

Er hätte keinen Plan B gehabt. Das hat Klaus Siemon vor den Stadträten unumwunden zugegeben. Wäre es bei der einst vereinbarten Stadionmiete von etwa 800.000 Euro geblieben, hätte der CFC in der nächsten Saison in Liga 3 nicht im Stadion an der Gellertstraße spielen können, sagte der CFC-Insolvenzverwalter. Er hätte sich für weniger Geld eine andere Spielstätte suchen müssen, mit Zwickau gab es schon Gespräche. So weit wollte es die Mehrheit der Stadträte nicht kommen lassen. Sie stimmte dem Vorschlag der Verwaltung zu, die Stadionmiete auf jetziger Höhe einzufrieren, auch im Falle des Wiederaufstieges von der Vierten in die Dritte Liga - sportlich ist der Club auf den Weg dorthin. Momentan zahlt der CFC jährlich annähernd 175.000 Euro an die städtische Immobilientochter GGG als Hauptpächter des Stadions.

Der Stadtrat hat seinen Beschluss an zwei Bedingungen geknüpft: Der Fußballverein muss eine verbindliche Erklärung abgeben, das Nachwuchsleistungszentrum zu erhalten. Laut Siemon gebe es keine Zweifel daran. Er sprach von einem neuen Konzept für das Zentrum, ohne näher darauf einzugehen. Die garantierte Nachwuchsförderung war ein Punkt, der einige Stadträte zustimmen ließ, die in der Vergangenheit zu den Kritikern von Stadionbau und CFC-Zuschüssen gehörten. Eine weitere Voraussetzung für die niedrigere Pacht ist das Einverständnis der EU-Kommission. Deren Einschätzung, wonach ein Profifußballverein wie ein Unternehmen zu bewerten und deshalb nicht durch niedrige Pacht zu subventionieren ist, hat sich offenbar geändert.


Auch wenn die Räte mit der neuen Nutzungsgebühr einer Forderung des Insolvenzverwalters nachkamen, verließen Siemon und CFC-Geschäftsführer Thomas Uhlig den Ratssaal nicht durchweg zufrieden. In einem Punkt folgte die Stadtratsmehrheit nicht der Empfehlung der Verwaltung. Danach hätte der Fußballclub auch die Namensrechte am Stadion vermarkten können - wie vor der Insolvenz, als der CFC in der Community-4-you-Arena spielte. Es wäre aber nicht plausibel, neben der vergleichsweise niedrigen Pacht noch ein Geschenk dazuzugeben, erklärte zum Beispiel Thomas Uhl (SPD) seine Ablehnung. Damit entgehen dem CFC mögliche Einnahmen eines Namenssponsors. Siemon zeigte sich enttäuscht und sprach gegenüber der "Freien Presse" von einer "kaufmännisch nicht richtigen Entscheidung".


Kommentar: Das Wohlwollen hat Grenzen

Von Swen Uhlig

Mit seiner Entscheidung, dem CFC die erneute Vermarktung des Stadionnamens zu versagen, hat sich der Stadtrat gegen die Rathausspitze gestellt, vor allem aber gegen die Oberbürgermeisterin. Das ist erstaunlich, hatte eine Mehrheit im Rat doch bisher immer im Sinne der Stadtverwaltung und damit im Sinne des Vereins votiert. Nun gibt es das erste Mal seit Jahren ein Signal aus dem Stadtrat, dass dem Wohlwollen gegenüber dem CFC Grenzen gesetzt sind. Für die politische Kultur in der Stadt ist das eine gute Nachricht.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 4 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    3
    Interessierte
    08.03.2019

    Dem "Stadion am Zeisigwald" wird aber auch alles gerecht gemacht ....
    Diese zwei Summen sind aber ein mächtig gewaltiger Uterschied ...

  • 5
    2
    Steuerzahler
    07.03.2019

    Das, was hier und jetzt wieder durch die Stadtverwaltung passiert, ist nichts anderes als Lobbypolitik zu Gunsten EINES Sportvereins der Stadt und der Verzicht auf Einnahmen grenzt an Untreu zum Nachteil des wesentlich größeren Teils der Einwohnerschaft. Wie heißt es doch: schlechtem Geld schmeißt man kein Gutes hinterher!

  • 5
    4
    Blackadder
    07.03.2019

    @madhausmike: Dann hätte man ja nicht bauen müssen!

  • 3
    7
    mathausmike
    07.03.2019

    @Blackader:Der Mieter spielte schon vor dem Umbau dort! (*_*)

  • 10
    3
    Blackadder
    07.03.2019

    @mathausmike: Der neue Vermieter hat auch komplett neues moderne teures Haus gebaut!

  • 2
    15
    mathausmike
    07.03.2019

    @349625 siehe schreiben sehr altklug.
    Was ist mit Ihrer Wohnung,die Sie ja jetzt noch bezahlen können und es kommt dann ein anderer Vermieter, und will Miete von Ihnen wie beim CFFC,der schon lange,lange vor geplanter Mieterhöhung auf der"Fischerwiese"spielt und nicht erst jetzt dorthin wollte,die Sie finanziell ruinieren würde,stellen Sie dann keine Forderungen?
    Warum haben Sie nicht gleich gesehen,dass es dumm kommen kann?

  • 19
    6
    349625
    07.03.2019

    @mathausmike: Wahrscheinlich hätte ich (und ChWtr) mir ein Wohung genommen, die ich mir leisten kann. Und bitte nicht vergessen: DIESE Luxus-Wohung war geschenkt, der Vermitter wollte nur langfristig seine Kosten über die Miete wieder reinhaben...

  • 7
    16
    mathausmike
    07.03.2019

    @ChWtr:Wenn es an Ihre Existenz gänge und angenommen,Sie für Ihre Wohnung 3x höhere Miete als die anderen in Ihrem Haus zahlen sollten,dann würden auch Sie Forderungen stellen,ganz sicher!

  • 20
    7
    ChWtr
    07.03.2019

    Der letzte Satz haut den Boden aus dem Fass.

    Das werden die CFC Anhänger zwar nicht gerne hören und dieser IV auch nicht, dennoch sei die Frage erlaubt - wenn man schon unverhohlen Forderungen an die Stadt stellt - wer denn über Jahre nicht richtige kaufmännische Entscheidungen getroffen hat (...)

    Schnee von gestern? Mitnichten!

    Jetzt auch noch Kritik zu üben, obwohl man der Stadt Zugeständnisse abringen konnte, ist gelinde gesagt frech.

    Und nein, ich bin nicht bei der Stadt Chemnitz angestellt. Nur ein Beobachter.



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