Stadtrat: Streit um neuen Jugendhilfeausschuss

Kritiker sehen Vielfalt der Träger nicht genügend berücksichtigt - CDU: Keine Absprache mit anderen Fraktionen

Bereits nach der ersten Sitzung des neuen Stadtrates gibt es den ersten handfesten Krach: Anlass ist die künftige Zusammensetzung des Jugendhilfeausschusses. Anders als bislang gehört dem Gremium, das unter anderem über Angebote zur Familienförderung und über finanzielle Zuwendungen für Jugendeinrichtungen entscheidet, kein Vertreter der örtlichen Dachverbände (Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit, Liga der Wohlfahrtsverbände) als stimmberechtigtes Mitglied mehr an. Stattdessen wurden - nach Lage der Dinge wahrscheinlich jeweils mit den Stimmen von CDU, FDP, AfD und Pro Chemnitz - sechs Vertreter ausgewählter Vereine und Organisationen in das Gremium gewählt, davon drei mit kirchlichem Hintergrund. Ein Träger erhielt zudem gleich zwei Sitze.

"Das ist ein absolutes Novum der bisherigen Praxis im Stadtrat und stellt jedes Funktionieren der Pluralität in der Jugendhilfe in Frage", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Fraktionen Linke/Die Partei, SPD und Grüne. Sie hatten eine Riege von Träger-Vertretern favorisiert, die die Bandbreite der Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt abbilden sollte - von kirchlichen Organisationen über größere Betreiber wie Awo, KJF und Kindervereinigung bis zu eher kleineren Vereinen und dem Dachverband "Netzwerk für Jugend- und Sozialarbeit".


CDU-Fraktionschef Tino Fritzsche wies die Kritik zurück. "Wir haben die gewählt, die wir schon immer gewählt haben", sagte er. Absprachen mit anderen Parteien habe es nicht gegeben. Seine Fraktionskollegin Solveig Kempe betonte, bei der Auswahl hätten nicht zuletzt fachliche Aspekte eine Rolle gespielt. "Die Probleme im Bereich Jugendhilfe sind heute nun mal durchaus andere als vor zehn Jahren", sagte sie. (micm)

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