Stadtrat: Vielzahl der Bewerber sind Ärzte und Rentner

Zur Kommunalwahl im Mai bewerben sich 70 Kandidaten für 22 Sitze in Burgstädt. Auffällig sind neue Zusammenschlüsse von Parteien - und es gibt Überläufer.

Burgstädt.

Zur Stadtratswahl sind fünf Wahlvorschläge mit 70 Kandidaten zugelassen. Darunter sind 18 Frauen. Mit 14 Vertretern stärkste Gruppe sind Ärzte und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Auch auffällig viele Rentner - 13 Personen - gehen an den Start. Ältester Kandidat ist Hans Egermann mit 86 Jahren von den Linken. Jüngste Bewerberin ist Gymnasiastin Stella Frenzy Schumann (SPD/Bündnisgrüne) mit 18 Jahren. Der Altersdurchschnitt aller Bewerber liegt bei 53 Jahren.

Die Freien Wähler Burgstädt (FWB) stellen im jetzigen Stadtrat mit zwölf Personen und Bürgermeister Lars Naumann die stärkste Fraktion im Gremium mit 22 Räten. Nach deren Willen soll das auch künftig so bleiben. 24 Kandidaten stehen auf der neuen Vorschlagsliste für die Wahl am 26. Mai. Neben bekannten Gesichtern wie dem derzeitigen Fraktionschef Christian Flechsig, Andrea Glashagen, Petra Kirrbach, Thomas Köhler, Markus Kolbe, Bernd Lehmann, Jens Hennig, Petra Ronneburger, Christina Roßner und Walter Wolff sind auch neue Namen zu lesen, die aber in der Stadt bekannt sind, wie einige Ärzte. Darunter ist der Facharzt für Innere Medizin, Michael Bonke, der auf sich aufmerksam machte, weil er sich für die Ortsumgehung engagiert. Für den Ausbau der Trasse tritt auch Hausarzt Jens Scheithauer ein, der ebenfalls auf der Liste steht. Neu bei den FWB ist Raumausstattermeister Jürgen Gehrke. Der 59-Jährige war seit 20 Jahren in der CDU und sitzt seit 1991 (mit Unterbrechung) im Stadtrat. Anfang des Jahres war er aus der Partei ausgetreten.

Als CDU/Gewerbe- und Handelsverein (GuHV) treten erstmals die Partei und der Verein bei einer Stadtratswahl gemeinsam an. Bisher gibt es einen Zusammenschluss von SPD sowie GuHV als Fraktion. Die jetzigen Stadträte Thomas Pfüller, Maik Müller und Ulrike Esche (alle CDU) treten dort ebenso an wie der jetzige GuHV-Mitstreiter Volker Gerhardt. Im Bündnis sind 18 Kandidaten aufgestellt. Wohl bekanntester Vertreter ist Wolfgang Scheffel. Der Chirurg des Krankenhauses Hartmannsdorf ist Hobby-Historiker und Buchautor. Der 65-Jährige hat die Geschichte des Krankenhauses Burgstädt/Hartmannsdorf aufgeschrieben, ein Burgstädter Wanderbuch herausgebracht und eine humoristische Krankenhaus-Lektüre verfasst. Jetzt arbeitet er an einer Festschrift für das Jubiläum 130 Jahre Wettinhain.

Die SPD/Bündnis 90/Die Grünen treten erstmals als Zusammenschluss an. Neben Carsten Scheer und Micheal Seidel, die seit 2014 für die SPD im Stadtrat sitzen, gibt es Mitstreiter, die vor allem durch Kultur an die Öffentlichkeit getreten sind: Alexander Breitenbach und seine Partnerin Johanna Albrecht engagieren sich im Jazzclub, obwohl es dort in den letzten Monaten eher ruhiger zugegangen ist.

Breitenbach war mit zwei Bündnisgrünen bereits zur Stadtratswahl 2014 angetreten, hatte aber den Einzug wegen fehlender Stimmen nicht geschafft. Er ist Chef eines Fertigungsbetriebes für Mikrosystemtechnik und ist Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. "Wir wollen frischen Wind in den Stadtrat einbringen", sagt der 63-Jährige. Für das Bündnis gehen zehn Kandidaten ins Rennen, darunter zwei Schülerinnen, beide unter 20 Jahre. "Wir vertreten ein breites Spektrum", sagt Breitenbach. Die Hälfte der Kandidaten sind Frauen, darunter eine Rollstuhlfahrerin. Der Altersdurchschnitt liegt in der Gruppe bei 45 Jahren.

Die Linke ist im jetzigen Stadtrat mit Ralf Jerke und Werner Hoffmann vertreten. Beide führen ihre Partei auch beim diesjährigen Wahlkampf an. Spitzenkandidat ist der 47-jährige Jerke, der seit zehn Jahren im Stadtrat sitzt und zum dritten Mal kandidiert. Hoffmann will es mit 82 Jahren noch einmal wissen. Er ist seit 20 Jahren im Stadtrat vertreten. "Ich fühle mich fit; solange ich es gesundheitlich noch kann, will ich was für die Stadt bewegen", sagt der Rentner, der noch als Experte bei der Verkehrswacht gefragt ist. "Unsere Partei vertritt in großen Teilen die ältere Generation", sagt Parteichef Jerke. Deshalb sind von 14 Kandidaten neun Rentner. Mit 86 Jahren ältester Bewerber ist Hans Egermann. Bei den Genossen findet sich mit Karl-Heinz Wollner auch ein ehemaliger Bürgermeister. Der 77-Jährige engagiert sich im Wanderverein und führte die Stadt von 1990 bis 1994. Bei den Linken kandidiert auch ein Überläufer: Ronny Kühnert. 2014 war er noch Kandidat bei den Freien Wählern, seit einigen Jahren engagiert sich der Betriebswirt, Jahrgang 1981, bei den Linken, ist Vize-Chef in der Stadt. Mit 65 Jahren ist das Durchschnittsalter im Vergleich zu den anderen Parteien und Wählervereinigungen hoch, obwohl eine Verjüngung zu verzeichnen sei, so Jerke.

Die AfD ist bisher nicht im Stadtrat vertreten. 2014 wurde schon einmal ein Anlauf unternommen, aber es fehlte an den nötigen Unterstützungsunterschriften. Inzwischen sitzen Vertreter im Land- und Kreistag. Vier Kandidaten sind es, die auf einen Platz im Stadtrat hoffen. Bekannt in der Stadt ist Schausteller Swen Kiehl. Der 51-Jährige ist wie Kfz-Schlosser Matthias Hofmann AfD-Mitglied in der Regionalgruppe Mittelsachsen-West. Kiehl gehört zu einem Schaustellerunternehmen, das es schon zu DDR-Zeiten gab. Mit seiner Frau betreibt er die Gaststätte "Zur alten Bäckerei". Die beiden Rentner Mario Reichelt und Konrad Baumann stehen als Sympathisanten auf der Liste.

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1Kommentare
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  • 9
    2
    Hinterfragt
    10.04.2019

    "...Der Altersdurchschnitt aller Bewerber liegt bei 53 Jahren...."
    Na, schau an - wo ist denn hier die weltverbesserndwollende Jugend???
    Hier könnte sie aktiv werden und Veränderungen schaffen...



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