Stadtoberhaupt und Räte einig: Kein Geld für klammen CFC

In öffentlichen Erklärungen haben am Dienstag mehrere Ratsfraktionen ihre Ablehnung von Zuschüssen für den Regionalligisten begründet. Auch die Oberbürgermeisterin äußerte sich - kurz, aber eindeutig.

Chemnitz.

Es kommt ausgesprochen selten vor, dass sich gleich vier Stadtratsfraktionen mit einer gemeinsam verfassten Erklärung an die Öffentlichkeit wenden. Am Dienstag war es soweit: CDU/FDP, Linke, SPD sowie Bündnis 90/Die Grünen verteilten eine gleichlautende Pressemitteilung. Der Inhalt: eine Absage an den Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC, der in der vergangenen Woche in einem Schreiben an die Stadträte die Kommune zur Zahlung von 750.000 Euro aufgefordert hatte - und zwar als Gegenleistung dafür, dass der Regionalligist auch künftig seine Heimspiele im städtischen Stadion an der Gellertstraße austrägt.

Die vier Fraktionen verfügen im Stadtrat über 49 der insgesamt 60 Sitze. Wäre es in dem Gremium also zu einer Abstimmung über weitere Finanzhilfen für den CFC gekommen, sie wäre wohl ziemlich eindeutig ausgefallen, zu Ungunsten des Vereins wohlgemerkt. Dazu wird es nun nicht mehr kommen.
In der Erklärung der vier großen Fraktionen wird noch einmal daran erinnert, dass die Kommune dem CFC in den zurückliegenden Jahren eine "bereits sehr weitreichende Unterstützung geleistet hat". Dazu zähle zum einen der Neubau des Stadions, den der Steuerzahler mit mehr als 27 Millionen Euro finanziert hatte, aber auch die Reduzierung der Kosten für den Spielbetrieb von einst 1,8 Millionen Euro auf nunmehr 690.000 Euro. Hinzu kämen die Unterhaltung des Nachwuchskomplexes am Neubauernweg durch die Stadt und das Engagement der Kommune für die Eliteschule des Fußballs. Das Fazit der vier Fraktionen: Weitere Forderungen oder Verpflichtungen ließen sich daraus nicht ableiten.

Andere - wenn auch kleinere Fraktionen - wurden deutlicher. "Der Insolvenzverwalter erpresst praktisch den Stadtrat", sagte Andreas Wolf-Kather (Volkssolidarität/Piraten) der "Freien Presse". Der Insolvenzverwalter habe angekündigt, entweder zahle die Stadt oder er erhöhe den Fans die Preise und tue nichts gegen Rechtsradikalismus. "Er will die Schuld von sich schieben. Das ist eine unerhörte Vorgehensweise", so Wolf-Kather. Sein Fraktionskollege Lars Fassmann ergänzt, mit dem Vorgehen des Verwalters werde jegliches Vertrauen in eine zukünftige positive Entwicklung des CFC und eine vernünftige Zusammenarbeit vollends zerstört. "Das ist dumm", so Fassmann. Insbesondere die für die Zahlung der Summe in Aussicht gestellten Gegenleistungen seien als selbstverständlich anzusehen; für eine Selbstverständlichkeit aber eine Vergütung einzufordern, nannte Fassmann unverschämt.

Einzig bei der AfD-Fraktion sieht man die Angelegenheit etwas differenzierter. Mit seiner Forderung mache es sich der Insolvenzverwalter zwar zu einfach, sagte Fraktionsmitglied Falk Müller. Nichtsdestotrotz müsse die Frage erlaubt sein, fügt er hinzu, inwiefern es gerecht sei, dass die Stadt jede Theaterkarte der jährlich 200.000 Besucher rein rechnerisch mit 130 Euro subventioniere, während die Fußballfans (pro Saison rund 100.000 Zuschauer) jedoch 75 Prozent höhere Eintrittsgelder zu befürchten hätten. "Hochkultur und Spitzensport sind beides gleichermaßen wichtige Standortfaktoren, die gesellschaftspolitisch wirken, gern auch als Bollwerk gegen Rechtsradikalismus", sagte Müller.

Auf "Freie Presse"-Anfrage zum Thema nicht geäußert hat sich die Stadtratsfraktion von Pro Chemnitz. Man habe das Schreiben des CFC-
Insolvenzverwalters nicht erhalten, hieß es zur Begründung.

Geäußert hat sich hingegen das Stadtoberhaupt - wenn auch mit einem nur knappen Statement. "Die Verwaltungsspitze", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am Dienstag, "wird keinen Beschlussvorschlag einreichen, der die Vorschläge des Insolvenzverwalters aufgreift."

Kommentar: Vertrauen verspielt

Das ging schnell: Nur fünf Tage nach Eingang des Schreibens des CFC-Insolvenzverwalters haben Stadträte und Oberbürgermeisterin das Thema öffentlich abgehakt: Es gibt kein weiteres städtisches Geld für den klammen Regionalliga-Verein, basta. Die ebenso eindeutige wie einhellige Reaktion aus dem Rathaus überrascht keineswegs: Schon kurz nach der ersten Lektüre des Schreibens hatten mehrere Räte hinter vorgehaltener Hand ihr Unverständnis über die Forderungen des Insolvenzverwalters geäußert, "Unverschämtheit" und "Frechheit" waren in dem Zusammenhang die am häufigsten genannten Vokabeln.

Für den CFC ist die Angelegenheit damit aber noch nicht erledigt. Zum einen fehlt das Geld in der Kasse, was der Insolvenzverwalter mit jener so abenteuerlichen Begründung von der Kommune eingefordert hatte. Und zum anderen hat der Jurist mit dem Brief erneut das Vertrauen in seine eigene Arbeit beschädigt - Vertrauen, das aufzubauen eigentlich sein Job gewesen wäre. Für das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit ist das ein Desaster.

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 10 Bewertungen
11Kommentare
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  • 0
    1
    franzudo2013
    24.10.2018

    @acals.
    Das ist die Aufrechnung rueckwaerts. Welche Kosten bringt die Zukunft?
    Ist es am vielleicht besser und/oder billiger, wenn der Schuldner weiterlebt und seine Verbindlichkeiten abbezahlt?

  • 2
    3
    Lesemuffel
    24.10.2018

    Simon hat viel erreicht, auch sportlich läuft es gut. Wenn man hier die Kommentare liest, würde ich mich nicht wundern, wenn er und der Trainer zu dem Schluß kämen "da macht doch Euern Dreck alleen".

  • 3
    2
    acals
    24.10.2018

    Vergleichsrechnung, wo bleiben die Schulden.

    Ich setze als bekannt voraus das die EINS dem CFC einen 2.x Mio Kredit gegeben hat. Der wurde bei der Gläubigerversammlung nicht gewertet, sprich, auf diesen 2.x Mio bleibt die EINS sitzen. Auszubaden haben das diejenigen, die über die EINS Gas wasser sch..oenes Wetter beziehen - also wir als zu Versorgende.

    Die Kommune hatte nochmal 1.25 Mio nachgelegt (Pachtzahlung). Ich geh mal davon aus das auch hier alles zu 100 % kaputt ist - zum schaden des Chemnitzer Steuerzahlers. (Im Interview mit der FP hatte zB auch Frau Patt diese Befürchtung thematisiert - damals noch nicht konsensfähig.)

    Die 27 Mio für das Stadion - die sind schon weg, die haben schon weh gehtan ...

    Die anderen Schulden des vereins bleiben dann bei den Gläubigern. Ich "glaube" da könnte der statistische Durschnittschemnitzer durchaus nochmals betroffen sein.

    Insofern ist doch erfreulich: Ende mit Schrecken für die Profiabteilung des CFC -nicht für den gemeinnützigen Teil- als Schrecken ohne Ende im Profibereich.

    Ich hole hier auch gerne nach das ich den 4 Fraktionen danke! Von wirklich toll kann keiner sprechen - aber so eröffnet sich zumindest eine Chance wieder vertrauensvoll an die viele Arbeit zu gehen.

  • 2
    3
    franzudo2013
    24.10.2018

    Liebe Freie Presse, kann mal jemand eine Vergleichsrechnung machen, welche Kosten bleiben, auch wenn es den CFC nicht mehr geben würde?
    Das Stadion kann man ja nicht einfach zuschliessen und die Schulden des Vereins bleiben auch. Ich vermisse ein Konzept und eine Betrachtung von Szenarien.

  • 1
    1
    Zeitungss
    24.10.2018

    @fp112: Volltreffer, der letzte Satz ganz besonders.

  • 6
    3
    acals
    24.10.2018

    +++Kommune Chemnitz aus jahrelanger Geisselnahme durch CFC ohne nochmalige Lösegeldzahlung befreit.+++

    Kurze Anmerkung Herr Woldi: Nach 80 Jahren sollten Sie doch mitbekommen haben das es in Chemnitz fussballerisch nicht nur den CFC gibt. Dazu lese ich bei Ihnen garnichts. Dabei gibt zahlreiche Clubs mit noch zahlreicheren auch Jugendmannschaften ... denen schmeissen Sie mit Ihrem Kommentar einen nassen Waschlappen ins Gesicht. Dafür sollten Sie sich schämen.
    Ich rufe Ihnen gerne in Erinnerung das es Herr Hänel war, der bei den Stadtratsfraktionen hausieren gegangen ist um "sein" Stadion zu bekommen ...
    Gestolpert ist er - und diese Charaktereigenschaft zeigt sich auch bei Ihnen - an der Gleichung: CFC=Chemnitz=Fussball

    Ich würde das aber lieber mit den Worten "Arroganz und Größenwahnsinn" beschreiben.

    Danke fp112 für Ihren verweis. Ja, es waren spannende Kommentare mit vor allem unserem "Ballfreund". So ist das aber mit Beratungsresistenz - und ich auch verweise gerne auf FP Annalen in denen auch ich geschrieben habe: Ist der Eigenanteil des CFC am neuen Stadion 0,00 Euro (im Klartext: Nichtmal ein Cent.) dann wird dieses Stadion dem CFC mehr schaden als nützen.

  • 8
    1
    fp112
    23.10.2018

    Mit dem komplett neuen Stadion haben sich sowohl eine Mehrheit unserer Stadträte, die OB Frau Ludwig und auch die Sitzen des Vereins ein Denkmal bauen wollen mit dem Geld des Steuerzahlers und mit einen euphorisch vernebelten Blick in die sportliche Zukunft.
    Die Seifenblase ist ganz schnell geplatzt und das Denkmal fällt jetzt den Beteiligten auf die Füße.
    Das ist nicht alleine Schuld des Vereins. Die Kritiker des Stadionbaus, zu denen ich mich ebenfalls zähle, sind erschreckend schnell bestätigt worden.
    Vielleicht sollten sich im Stadtrat einige mit ihrem Beschluss seinerzeit kritisch auseinandersetzen.
    Kritiker sind nicht immer nur die Miesmacher.

  • 21
    4
    derBuerger
    23.10.2018

    ich bin dem Konkursverwalter dankbar, dass endlich einmal jemand nachgerechnet hat was uns der Spass CFC kostet..
    Dem CFC hat niemand ein Stadion aufgedrängt.

    Wenn ich eine 12€ Luxus-Wohnung miete muß ich dann auch 12 € bezahlen.

    Ein vorsichtiger Kaufmann währe erst einmal aufgestiegen und hätte dann ein Stadion gebaut.

    Aber das Stadion ist nicht das Problem! Es ist die Ertragslage!

    Jetzt muß die Stadt Chemnitz entscheiden, ob man für längere Zeit jährlich ca. 1 MIO für den Luxus CFC auszugeben bereit ist oder nicht. Oder es müssen sich Sponsoren finden, die dies stemmen.
    Ansonsten muß sich Chemnitz vom Profifußball verabschieden, bevor sich wieder Milionen-Schulden anhäufen.

  • 16
    12
    mathausmike
    23.10.2018

    Hallo @woldie,
    danke für Deinen Kommentar!
    Ja erst das Stadion bauen lassen,obwohl man genau wußte,dass dieses den CFC
    in den Ruin treibt!
    Dresden zeigte es ,dass sich eine Ostmannschaft solch ein Millionengrab kaum leisten kann.
    Dresden knaupelte jedes Jahr neu.
    Und jetzt?Geldhahn zu-CFC kaputt!Wollte man das wirklich Frau Ludwig?

  • 16
    5
    Zeitungss
    23.10.2018

    Ich fürchte, die Stadträte bekommen vom Fußvolk langsam Druck, denn mit diesen Ballkünstlern hat nicht jeder was am Hut. Warten wir einmal den Endstand ab.

  • 19
    7
    woldie
    23.10.2018

    Hier schreibt woldie, ein 80-jähriger Sympatisant des Chemnitzer Fußballs. Selbst seit B-Jugend bis zu den alten Herren in Chemnitz gespielt. Ich bedaure, daß heute im Fußball das Geld im Vordergrund steht und andere Werte, die der Bildung und Erziehung der Jugend helfen, keine Rolle spielen.
    Warum sagt keiner etwas zu den unverschämten Forderungen des DFB bezüglich der Ausstattung der Stadien. Westvereine haben ganz andere Geldgeber aus der Wirtschaft, als die Ostvereine. Die können das realisieren.
    Bei der Entscheidung über den Bau des neuen Stadions vor einigen Jahren wurde im Stadtrat auch abgestimmt. Die Befürworter des Neubaues hätten doch schon damals Maßnahmen zur effektiven und kostendeckenden Betreibung fordern können. Vielen Zustimmern war bestimmt innerlich klar, das hier Probleme entstehen könnten. Ich finde es unerträglich, das einige Leute über die Auflösung des CFC reden, obwohl der Sport so wertvoll für die Erziehung und Allgemeinbildung der Jugend ist. Nicht immer auf das Handys schauen, sondern auch mal ein Fußballspiel sehen oder selbst mitspielen.
    Ich möchte deshalb gern den Club (auch seinen Nachwuchs) die Möglichkeit des geordneten Fußballspielens geben.

    Euer alter fußballbegeisteter woldi grüßt alle begeisterten CFC-Fans. Redet mit!



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