Stadtverwaltung will neue Citybuslinie in Ortsteile testen

Rußdorfer und Pleißaer fordern bessere Verbindungen nach Limbach-Oberfrohna und Chemnitz. Unklar ist aber noch, wie groß der Bedarf tatsächlich ist.

Russdorf/Pleissa.

Ohne eigenes Auto kommen Bewohner ländlicher Ortsteile von Limbach-Oberfrohna schlecht zurecht. Nach Pleißaern Anfang des Jahres haben das jetzt auch mehrere Rußdorfer in einer Bürgerversammlung kritisiert, zu der Oberbürgermeister Jesko Vogel eingeladen hatte. In beiden Orten gibt es keinen Supermarkt - in Rußdorf auch keine Sparkassenfiliale - mehr und Busverbindungen nach Limbach-Oberfrohna und Chemnitz sind selten und umständlich, beklagten Versammlungsteilnehmer und forderten häufigere Fahrten auf direkten Linien.

Der Oberbürgermeister versicherte, die Stadtverwaltung werde das Anliegen aufgreifen und mit Busunternehmen einen Testbetrieb auf zusätzlichen Linien vereinbaren. "Wir wollen es zumindest versuchen", sagte Vogel. Erste Gespräche mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und der Burgstädter Firma Fritzsche Reisen dazu hätten bereits stattgefunden. "Es ist sicher leichter, den Verkehr zu verbessern, als Einzelhändler nach Pleißa und Rußdorf zu bringen", so das Stadtoberhaupt. Er sehe den Ausbau der öffentlichen Verkehrsverbindungen als wichtige Aufgabe an, um dem Rückbau der öffentlichen Infrastruktur entgegenzuwirken. Damit werde es vor allem älteren Bürgern, deren Anteil an der Bevölkerung zunehme, ermöglicht, länger in der vertrauten Umgebung zu leben.


Die Firma Fritzsche, die zwei Citybus-Linien innerhalb von Limbach-Oberfrohna bedient, habe bereits Bereitschaft signalisiert, auf Probe auch eine dritte Linie zu fahren, berichtete Vogel und ergänzte: "Der Test könnte beispielsweise zwei Monate dauern." Geschäftsführer Frank Fritzsche bestätigte gestern auf Nachfrage, dass das Thema bereits gemeinsam erörtert wurde. "Als Firma sind wir ohne Weiteres in der Lage, so einen Testbetrieb abzusichern", erklärte er. Um die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen müssten sich allerdings die Stadtverwaltung und der VMS kümmern. So seien Abstimmungen mit den Firmen Regiobus Mittelsachsen und Regionalverkehr Erzgebirge erforderlich, damit es keine Doppelbedienung von Linien gibt, führte Fritzsche an.

Auch Oberbürgermeister Vogel warnte die Bürger vor überzogenen Erwartungen. "Es wird eine Lösung geben, aber nicht mehr 2016", schätzte er ein. Denn die Konzessionen seien jeweils für mehrere Jahre an Busunternehmen vergeben. Das Hauptproblem bei der Einführung neuer Linien sei das Abstimmen der Abfahrtszeiten und Takte aufeinander, um gute Umsteigemöglichkeiten zu gewährleisten. Dafür fehle es bisher in der Stadt auch noch an einem zentralen Haltepunkt, an dem Busse auch einmal zehn Minuten warten können, erklärte Vogel. Derzeit seien die dafür Verantwortlichen im Rathaus dabei, solche möglichen Umsteige-Punkte zu prüfen.

Neben Baukosten für neue Haltestellen werde auch der Busbetrieb selbst die Stadtkasse stärker belasten als bisher. "Jede Linie kostet uns 12.000 Euro im Jahr", sagte Vogel. Bei einer Einbeziehung Niederfrohnas in das erweiterte Liniennetz müsste sich die Gemeinde daher an den Kosten beteiligen.

Wichtiges Kriterium für die Wirtschaftlichkeit und damit den Zuschuss-Bedarf einer Buslinie sei deren Auslastung. Die Citybuslinie nach Kändler war deswegen 2007 gescheitert. Daher solle der Testbetrieb auch zeigen, wie hoch überhaupt die Inanspruchnahme des Angebotes ist. Zusätzlich könnte vorher in einer Umfrage ermittelt werden, wie viele potenzielle Fahrgäste in einem Ortsteil wohnen, sagte der Oberbürgermeister.

Rußdorfer Bürger begrüßten die Absichten der Stadtverwaltung. Der Testbetrieb müsse aber vorher so bekannt gemacht werden, dass wirklich jeder Einwohner davon erfährt, forderten sie.

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