Statistiker: Chemnitzer Schüler leistungsstärker als ausgewiesen

Die schlechten Noten im jüngsten Bildungsbericht resultieren offenbar vor allem aus Besonderheiten der hiesigen Bildungslandschaft. Dennoch gibt es auch an einzelnen Oberschulen Probleme.

Wie kommt es, dass in Chemnitz offenbar weit mehr Schüler ohne Abschluss ihre Schulausbildung beenden als anderswo? Diese Frage beschäftigt Eltern und Lehrer, aber auch Wirtschaft und Politik, seitdem Sachsens Kultusminister Christian Piwarz im vergangenen Monat den "Bildungsbericht 2018" vorgestellt hat. Aus ihm geht unter anderem hervor, dass in Chemnitz im Jahr 2017 13,4 Prozent der Schüler die Schule verlassen haben, ohne zumindest den Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Damit nehme die Stadt den letzten Platz unter den drei großen Städten und den Landkreisen in Sachsen ein, heißt es.

Während Bildungsbürgermeister Ralph Burghart sich in einer ersten Stellungnahme von den Zahlen überrascht zeigte, die Autoren des Berichts weiteren Untersuchungsbedarf konstatierten und Stadträte erste Vorschläge für Konsequenzen präsentierten ("Freie Presse" berichtete), ist das Landesamt für Schule und Bildung in Chemnitz den Zahlen nun näher auf den Grund gegangen. Erstes Ergebnis: Die hohe Quote der Abgänger ohne Abschluss resultiert in erheblichem Maße aus dem besonderen Umstand, dass es in Chemnitz vergleichsweise viele Förderschüler gibt.

Diese Gruppe, in der zumeist der überwiegende Teil der Absolventen spezielle Abschlüsse in sogenannten Förderschwerpunkten erwirbt, wird in der Statistik dennoch unter "ohne Abschluss" geführt. Sie machte in den zurückliegenden zehn Jahren im Schnitt knapp zwölf Prozent aller Chemnitzer Schulabgänger aus. Das ist weit mehr als in Leipzig und ein fast doppelt so hoher Anteil wie in Dresden.

Das wiederum liegt nach Einschätzung von Pädagogen nicht zuletzt daran, dass Chemnitz eine Vielzahl von Förderschulen mit einem vergleichsweise breiten Angebot und oft überregionalem Einzugsgebiet vorzuweisen hat. Im Raum Leipzig etwa verteilten sich diese Einrichtungen - und mit ihnen die Förderschüler - in stärkerem Maße auf die Stadt und das Umland. Die Auswirkungen auf die Statistik sind erheblich. So entfielen in Chemnitz im vergangenen Schuljahr 61 Prozent aller unter "ohne Abschluss" erfassten Schulabgänger auf Förderschulen, während es in Leipzig und Dresden jeweils weniger als 50 Prozent waren.

Ungeachtet dieser statistischen Verzerrungen gibt es aber auch an den Chemnitzer Oberschulen Handlungsbedarf. Dort lag die Quote der Abgänger ohne Abschluss in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt bei fast acht Prozent. Zwischen einzelnen Einrichtungen lassen sich dabei erhebliche Unterschiede ausmachen. Während beispielsweise an der Sportoberschule in den Jahren 2015 bis 2017 laut Schuldatenbank jeweils alle Abgänger die 10. Klasse mit einem Realschulabschluss verließen, gab es an anderen Einrichtungen in einzelnen Jahrgängen keinen einzigen Absolventen, der einen solchen Abschluss erhielt. In einem Fall verließ sogar mehr als die Hälfte eines Jahrgangs die Schule ohne jeden Abschluss.

Unterm Strich aber brauchen sich die Chemnitzer Oberschüler mit ihren Leistungen nicht zu verstecken. Gemessen an ihren in den vergangenen zehn Jahren erzielten Abschlüssen belegen sie unter den drei sächsischen Großstädten den zweiten Platz. Und der Abstand zum Spitzenreiter Dresden fällt dabei geringer aus als der zu den Schülern beim Drittplatzierten Leipzig.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
6Kommentare
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  • 3
    5
    BlackSheep
    12.02.2019

    Bitte, was an meinem Satz für rote Daumen sorgt, würde ich gerne mal erklärt bekommen, bitte.

  • 1
    10
    ArndtBremen
    12.02.2019

    @Moderator: Das beantwortet nicht meine Frage.

  • 9
    3
    Moderator
    12.02.2019

    @ArndtBremen: Anbei ein Hinweis unseres Kollegen Michael Müller: Zitat aus dem Bildungsbericht, Seite 25f.: "Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen vor allem Oberschulen überdurchschnittlich häufig. Dies ist insofern bemerkenswert, als in allen Kreisen - mit Ausnahme des Erzgebirgskreises - der Migrationsanteil an den Oberschulen teilweise weit über dem entsprechenden Anteil an Förderschulen liegt. […] In den drei kreisfreien Städten sowie den Landkreisen Zwickau und Leipzig besuchen sogar anteilig mehr Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ein Gymnasium als eine Förderschule."

  • 4
    14
    ArndtBremen
    12.02.2019

    Sprach ich nicht gerade erst von der Nazikeule? Schon ist sie da.

  • 8
    12
    ArndtBremen
    12.02.2019

    Auch wenn bestimmte Leser jetzt gleich wieder die Nazikeule rausholen werden interessiert mich mal der Anteil von Migranten bei den Schülern "ohne Abschluss".

  • 6
    11
    BlackSheep
    12.02.2019

    Gibt es nicht einfach auch die Möglichkeit, das man schlechter ist, wenn man schlechtere Noten kriegt?



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