Statt Abriss - Wasserturmschule in Limbach wird reaktiviert

Lange hieß es, das Gebäude habe keine Zukunft. Jetzt wird es modernisiert, damit ab August wieder Unterricht stattfinden kann. Doch nicht nur Schüler und Lehrer sollen die Einrichtung nutzen.

Limbach-Oberfrohna.

Wer derzeit in der früheren Grundschule Am Wasserturm in Limbach-Oberfrohna ein Gespräch führen will, muss seine Stimme erheben, damit das Gesagte beim Gegenüber ankommt. Denn die Lärmkulisse ist beträchtlich: Es wird gebohrt und gehämmert, sogar Schussgeräusche sind zu hören, wenn Nägel per Spezialgerät in die Wände gejagt werden. Fast das gesamte Gebäude ist derzeit eine Baustelle. Schon ab dem 19. August sollen dort wieder Schüler unterrichtet werden.

"Die Bauzeit ist sehr kurz", sagt Rico Wrzal. Er ist Vorstandsmitglied des Evangelischen Schulvereins, der derzeit ein Evangelisches Schulzentrum in der Stadt aufbaut. Die Bildungsstätte soll zum neuen Schuljahr in Betrieb gehen - mit knapp 40Fünftklässlern, aufgeteilt in eine Oberschul- und eine Gymnasialklasse. Wrzal strebt an, die Bauarbeiten Mitte bis Ende Juli abzuschließen. Denn bevor Schüler und Lehrer in das Schulgebäude strömen dürfen, muss dieses noch von mehreren Behörden freigegeben werden. Nach Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung werden die Anträge des Schulvereins auf Errichtung und Betrieb einer Schule nach wie vor geprüft. Grünes Licht könne erst erteilt werden, wenn alle Unterrichtsräume fertig sind.


Wegen des engen Zeitplanes werden die Handwerker nicht nacheinander in der Plattenbauschule tätig. "In allen Etagen wird gleichzeitig gearbeitet", erklärt Wrzal, der als Inhaber einer Haustechnikfirma einige Arbeiten von den eigenen Beschäftigten ausführen lässt. So zeugen beleuchtete Notausgangsschilder davon, dass die Sicherheitstechnik bereits funktioniert. Andere Handwerker haben noch gut zu tun: Trockenbauwände werden eingezogen, Holzfenster ausgebessert, Fliesen und Fußböden verlegt. Die Arbeiten, die im Mai begonnen haben, kommen laut Wrzal gut voran.

In einigen Räumen sieht es schon ein wenig nach Schule aus - oder noch immer: Bunte Fensterbilder in Form von Schmetterlingen und Blumen zeugen davon, dass in dem Gebäude Grundschüler unterrichtet wurden. Im Erdgeschoss steht noch eine Tafel. Tische und Stühle hat der Schulverein bereits von anderen Bildungseinrichtungen erworben.

Auf die Modernisierung der Turnhalle verzichtet der Schulverein, der inzwischen Lehrer für alle benötigten Fachrichtungen gefunden hat, vorerst. Sie wäre laut Wrzal zu teuer. Stattdessen laufen Gespräche mit den Eigentümern anderer Turnhallen in der Stadt. Denkbar sei zum Beispiel, dass die Schüler zum Sport in die Turnhalle des Beruflichen Schulzentrums an der Hohensteiner Straße gehen. Auf dem Schulhof haben Sympathisanten des Schulvereins schon aufgeräumt und Bäume beschnitten.

Das Schulzentrum wird zunächst die oberste Etage und den Keller nutzen. In den beiden Stockwerken dazwischen soll ein Interim für die sanierungsbedürftige Kita Am Hohen Hain eingerichtet werden, wie Oberbürgermeister Jesko Vogel erklärt. Das sei im Vergleich zu Containern die einfachere Lösung. Der Verein modernisiert das gesamte Gebäude, die Kita wäre dann sozusagen Untermieter. Sie erhalte Gruppen- und Schlafräume, gesonderte Sanitäranlagen und auch ein eigenes Treppenhaus, damit sich Kita-Kinder und Schüler aus dem Weg gehen können. Das sei eine Forderung der Behörden gewesen, erläutert Wrzal.

Wie viel Geld der Schulverein in die Modernisierung investiert, erklärt das Vorstandsmitglied nicht. Die Schulgründer rechnen damit, dass in drei Jahren das eigentliche Domizil, die alte Artiseda-Fabrik, im umgebauten Zustand zur Verfügung steht. Voraussichtlich wird dann in der Wasserturmschule wieder Leerstand herrschen.


Nur 25 Jahre in Betrieb

Die 1989 eröffnete Grundschule Am Wasserturm war nur 25Jahre in Betrieb. Ihr Aus beschloss der Stadtrat 2010, vier Jahre später wurde der Betrieb eingestellt - wegen prognostizierten Schülermangels und des Sanierungsbedarfs. 2016 ließ der Landkreis Zwickau das Gebäude als Asylunterkunft herrichten. Zum Einzug der prognostizierten bis zu 200 Flüchtlinge kam es wegen der Schließung der Balkanroute aber nicht. Auf einige Einbauten des Landkreises kann der Schulverein nun zurückgreifen.

Das Gebäude gehört inzwischen dem Glauchauer Klinikum, das mit dem Schulverein einen Mietvertrag geschlossen hat. Beim Verkauf formulierte die Stadtverwaltung die Bedingung, dass die Schule abgerissen werden soll. Dieser Passus ist mit der übergangsweisen Nutzung als Schule nun vorerst hinfällig. (jop)

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