Staufalle Goethestraße: Warum weiterhin Geduld nötig ist

Chemnitz diskutiert: Autofahrer kritisieren Wartezeiten am Ärztehaus nahe der Zwickauer Straße. Die Stadtverwaltung hat ihre eigene Sicht auf die Verkehrssituation.

Kapellenberg.

Wer als Autofahrer einen Termin im Ärztehaus an der Goethestraße hat, muss oft eine besonders große Portion Geduld mitbringen. Denn nicht nur im Wartezimmer kann es länger dauern. Auch die Verkehrssituation zwischen Goetheplatz und der Kreuzung an der Zwickauer Straße verlangt Ausdauer. Bei Stau auf der Goethestraße kann schon das Linksabbiegen zum Parkplatz am Ärztehaus oder später der Weg zurück auf die Straße länger dauern.

"Es ist dort schwierig, mit dem Auto rein- und rauszukommen", sagt Rentner Klaus Voigtmann. "An manchen Tagen stehen die Autos bis zum Kreisverkehr", schreibt ein Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Gemeint ist der Kreisverkehr am Goetheplatz. Wer bei Stau aus Richtung Zwickauer Straße kommend zum Ärztehaus links abbiegen will, muss entweder lange auf eine Lücke warten oder auf das Entgegenkommen anderer Verkehrsteilnehmer. Das Warten kann dann wiederum bei starkem Verkehr auf der Goethestraße zu einem Rückstau bis zur Zwickauer Straße führen. "Vor allem im Berufsverkehr ist es zäh", sagt Stefan Reisz, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation beim Gesundheitsdienstleister Reha-Aktiv. Dem Unternehmen gehört das Gelände mit dem Ärztehaus an der Goethestraße. Auch mittags und ab dem Nachmittag sei das Verkehrsaufkommen stark, sagt Reisz. Für Mitarbeiter von Reha-Aktiv, die von der Goethestraße zu Kunden aufbrechen, sei es schwierig, in diesen Stoßzeiten vom Parkplatz auf die Goethestraße zu fahren oder bei der Rückfahrt von der Straße auf den Parkplatz, so Reisz.

Patienten geht es ebenso. Wollen sie nach dem Arztbesuch zurück auf die Goethestraße, brauchen sie erneut Sitzfleisch. Oft staut sich der Verkehr von der Ampelkreuzung Zwickauer Straße/Goethestraße in Richtung Kreisverkehr am Goetheplatz, sodass Rechts- oder Linksabbiegen vom Parkplatz auf die Goethestraße zum Geduldsspiel wird. Auch, weil die Grünphase für Rechtsabbieger von der Goethestraße auf die Zwickauer Straße relativ kurz ist. Die Stadtverwaltung sagt, das dies nicht geändert werden könne. Die Ampelanlage Zwickauer Straße/Goethestraße/Barbarossastraße arbeite mit einem verkehrsabhängigen Programm. Bis zu 30 Straßenbahnen und Busse, die den Knoten stündlich queren, haben Vorrecht. Auch der Verkehrsfluss auf der stark belasteten Zwickauer Straße, auf der werktags rund 36.000 Fahrzeuge unterwegs sind, habe Priorität, so ein Stadtsprecher. Dafür seien lange Grünphasen nötig. Beachtet werden müsse außerdem die Grüne Welle auf der Zwickauer Straße. Daher gebe es für eine längere Grünphase für Rechtsabbieger von der Goethe- auf die Zwickauer Straße keine zeitlichen Reserven, auch wenn dies in der Hauptverkehrszeit eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Ampel zur Folge habe, schränkt der Sprecher ein.

Doch wer es vom Parkplatz auf die Goethestraße geschafft hat und von dort landwärts auf die Zwickauer Straße abbiegen will, steht vor einem weiteren Problem. Linksabbiegen auf die Zwickauer Straße ist nicht möglich, da es keine Linksabbiegerspur gibt. Stattdessen müssen Autofahrer einen Umweg über den Kaßberg und die Barbarossa-, Ahorn- und Ulmenstraße nehmen, um wieder auf die Zwickauer Straße zu gelangen. "Dies ist zumutbar", sagt die Stadtverwaltung. Für die Schaffung einer Abbiegespur nach links sei ein "aufwendiger Knotenumbau erforderlich". Die Stadtverwaltung sieht keine Notwendigkeit, an der Verkehrssituation im Bereich der Goethestraße und der Kreuzung mit der Zwickauer Straße etwas zu ändern. Eine bauliche Veränderung in dem Gebiet sei deshalb derzeit nicht geplant, so ein Sprecher. "Der Knotenpunkt stellt sich als unauffälliger, städtischer Schnittpunkt verschiedener Verkehrsanlagen dar". Gleichwohl könnten insbesondere zu den Spitzenstunden Beeinträchtigungen im Verkehrsablauf nicht ausgeschlossen werden, fügt er hinzu. An Werktagen sind auf der Goethestraße durchschnittlich rund 15.000 Fahrzeuge unterwegs, auf der Barbarossastraße 14.000.

Auch Jürgen Ulrich, Vorsitzender der Bürgerinitiative Kapellenberg, fährt öfter zum Ärztehaus. Natürlich sei es im Berufsverkehr stressig, "aber in dieser Zeit steht man überall in Chemnitz im Stau", meint er. Es gebe jedoch viele höfliche Kraftfahrer, die auch mal eine Lücke ließen, wenn man vom Parkplatz fahren wolle, betont Ulrich.

Wäre ein Kreisverkehr auf der großflächigen Kreuzung Zwickauer Straße/Barbarossastraße/Goethestraße eine Lösung? Nein, sagt die Stadtverwaltung. Wesentlichstes Ausschlusskriterium ist die Straßenbahntrasse, die den Knotenpunkt auf der Zwickauer Straße kreuzt, heißt es zur Begründung.

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2Kommentare
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  • 9
    0
    61charly
    15.03.2019

    Wer auf dem Kapellenberg wohnt und das Stück bis zum Walkgraben mit dem Auto fährt, sollte nicht über Verkehrsproblem schwadronieren.

  • 2
    2
    Pixelghost
    15.03.2019

    Welchen Kreisverkehr mein der Herr? Die Stollberger Straße wird dort im Kreis geführt. Ein Kreisverkehr ist das aber nicht.

    Ich muss oft zu Reha-aktiv und bin bis heute immer klar gekommen.



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