Staus vor der Grundschule - Neue Regeln für Elterntaxis

Wegen beengtem Platz hatte das Claußnitzer Rathaus ein Parkverbot verhängt. Jetzt macht der Gemeinderat die Regel rückgängig. Damit erhält ein Anwohner Recht.

Staus vor der Grundschule - Neue Regeln für Elterntaxis

Für Sie berichtet: Bettina Junge

Die Parkverbotsschilder vor der Grundschule am Anger in Claußnitz standen nur etwa vier Wochen. Am Dienstag ließ Bürgermeister Günter Hermsdorf (CDU) die Schilder wegräumen. Der Gemeinderat hatte am Montagabend eine neue Parkordnung beschlossen. Demnach wird die Regelung vom August 2018 aufgehoben.

Zudem soll das unbefristete Parken für etwa zehn Fahrzeuge vor dem Denkmal erlaubt werden. Dort werde auch ein Behindertenparkplatz eingerichtet, sagte Hermsdorf. Zum Bringen und Abholen der Schulkinder könnten Eltern mit ihrem Auto kurzzeitig am Anger halten. Geplant sei weiterhin, dass für die Beschäftigten der Schule am Schulweg etwa 13 Plätze reserviert werden, die von 6 bis 16 Uhr genutzt werden könnten, so Hermsdorf.

Die Anordnung der Gemeinde im August, die das Parken an der Grundschule montags bis freitags in der Zeit von 6 bis 16 Uhr verbietet, sei der Wunsch der Schule gewesen, sagte Hermsdorf im Gemeinderat. Denn aufgrund von Arbeiten für einen Schul-Anbau sei es zu beengten Verhältnissen gekommen. Diese Anordnung hatte für Kritik gesorgt. "Ich wurde vom Parkverbot überrascht", sagt Jan Kösters, Inhaber des Gasthofes "Roter Hirsch". Seine Gäste könnten zwar Parkflächen im Hinterhof und vor dem Gasthof nutzen, aber einige hätten auch direkt vor der Schule gestanden. Das Parkverbot habe viele irritiert, fügt er hinzu. Er kritisiert vor allem, dass mit ihm vorher nicht gesprochen worden sei. Deshalb habe er sich im Rathaus beschwert. "Wir hatten voriges Jahr Gäste aus 32 Ländern", sagt Kösters. Gäste würden gern vor dem Hotel parken und das Auto vom Hotelzimmer aus sehen können. Etwa zu 70 Prozent seien seine zehn Betten im Jahr belegt. Da verstehe er nicht, wenn die Gemeinde seine Rechte beschneide. "Denn zuerst war der Gasthof da, die Schule wurde später gebaut", ergänzt er.

Kösters reagiert erleichtert, dass der Gemeinderat das Parkverbot jetzt zurücknimmt. Auch Eltern äußern sich zufrieden: "Wir müssen doch unser Kind sicher zur Schule bringen", sagt ein Vater. Deshalb müsse kurzes Halten erlaubt sein. Kösters hat hingegen beobachtet, dass Eltern länger die Parkplätze blockieren würden. Indes sagt ein Sprecher der Landesverkehrswacht, dass Elterntaxis lieber weiter weg parken sollten, damit die Kinder es auch lernten, mit Mitschülern einen Weg zu Fuß zurückzulegen. Früher sei das üblich gewesen, "heute wollen manche Eltern ihr Kind fast bis zum Klassenzimmer schaffen". Zuletzt hatten schwedische Psychologen Mütter und Väter davor gewarnt, Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Kinder würden dadurch weniger selbstständig und weniger sicher in ihrer Umgebung. Auch der ADAC warnt vor dem Elterntaxi: Das Bewusstsein für Gefahrensituationen sei bei Kindern größer, die den kurzen Schulweg allein laufen dürften. Das belegt auch eine Unfallstatistik. Laut Statistischen Bundesamt wurden 2014 auf dem Schulweg 3087 Sechs- bis Neunjährige verletzt, die im Auto ankamen. Nur 2336 Fußgänger wurden verletzt.

Werner Hoffmann von der zuständigen Verkehrswacht Mittweida sieht Vor- und Nachteile für die Elterntaxis. Besonders kleine Kinder müssten es erst lernen, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden. Ohne Aufsicht sei das problematisch. Die Situation am Anger kenne Hoffmann, "aber Probleme dort sind mir nicht bekannt". Er bietet aber bei Fragen seine Hilfe an. Bei Verkehrsteilnehmerschulungen sei er regelmäßig in der Gemeinde.

Kommentar: Die Rechnung ohne den Wirt

Es allen recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann, heißt ein Sprichwort. So ähnlich geht es wohl auch den Claußnitzer Gemeinderäten. Weil das Gedränge vor der Schule zu groß wurde, verhängte das Rathaus kurzerhand ein Parkverbot. Doch die Rechnung wurde nicht mit dem Wirt gemacht. Auch das ist so eine Redensart. Doch in diesem Fall war es tatsächlich der Wirt vom "Roten Hirsch". Er kritisiert, dass vor seiner Haustür Parkplätze wegfielen, ohne dass mit ihm gesprochen worden sei. Das scheint wohl das eigentliche Problem zu sein. Menschen reden übereinander und nicht miteinander. Ratsam wäre es gewesen, wenn alle vor so einem Verbot an einem Tisch sitzen, um Vor- und Nachteile abzuwägen. Da könnten dann auch die Ansichten der Verkehrswacht zu Elterntaxis erörtert werden.

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