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Steampunk im Industriemuseum feiert Visionen von gestern

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Erstmals zeigt sich in Chemnitz eine kulturelle Bewegung, die futuristische Technik und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft.

Auf dem Parkplatz ging nach dem Mittag nichts mehr, bis zu 1000 Besucher hatte das Industriemuseum gegen 13.30 Uhr bereits gezählt: Die erste Steampunk-Veranstaltung in dem Haus an der Zwickauer Straße hat sich am Sonntag zu einem Besucher-Magneten entwickelt. Obwohl sowohl in das Museum als auch in den Außenbereich aufgrund der Hygiene-Vorgaben nur jeweils 300 Menschen gelassen wurden, kam es trotzdem nicht zu Wartezeiten, sagte Sprecherin Claudia Wasner.

Steampunk feierte in Chemnitz seine Premiere. Das englische Wort setzt sich aus Steam, zu Deutsch Dampf, und Punk zusammen, was das Frei- und Anderssein der Steampunk-Anhänger betonen soll. Dahinter steckt eine retro-futuristische Bewegung, die in der Zeit der Industrialisierung angesiedelt ist, jedoch, ähnlich wie Jules Verne, in die Zukunft denkt. Ihre zeitreisenden Anhänger kleiden sich wie in viktorianischer Zeit mit Zylinder, Gehrock und hohem Kragen. Die Frauen tragen oft Kleider oder Röcke mit Unterröcken und Korsetts, können aber beispielsweise auch als technologiebegeisterte Pilotinnen unterwegs sein. "Wir sind optimistisch und zukunftsfreudig, nicht rückwärtsgewandt", sagte Jens Mahlow, Schatzmeister im Verein "Mit Zahnrad und Zynlinder". Der Verein aus Meißen gestaltete das Programm, zu dem auch verschiedene Bands gehörten, die Musik der Richtung Steamfolk zum Besten gaben. Mahlow selbst trug einen Zylinder mit Gehrock und Weste und hatte einen Spazierstock dabei. Als Erkennungszeichen trug er wie die anderen Steampunker auch eine Brille. "Sie ist wichtig für die Zeitreisen, weil sie die Augen schützt", erklärte Jens Mahlow.

Ein weiteres Merkmal des Steampunks sind die Macher beziehungsweise Bastler. Sie legen Wert darauf, Neues zu bauen, das analog betrieben wird und in Bewegung gesetzt werden kann. "Alles ist erlaubt, außer Plastik." So waren auf dem Gelände des Industriemuseums unter anderem ein Dampffahrrad und eine vom Nautilaus Projekt gebaute Zeitreisemaschine unterwegs, die Nautilaus. Inspirieren lässt sich das Duo Thomas Unger und Christian Friedemann von der Zeit, als in Chemnitz Dampfmaschinen gebaut wurden. "Wir schauen mit dem Blick von damals in die Zukunft", so Friedemann.

Der Eintritt ins Museum und zu Steampunk war kostenlos. "Das ist ein Geschenk an die Besucher nach der langen Schließzeit", sagte Sprecherin Claudia Wasner. Insgesamt kamen knapp 1500 Besucher zur Veranstaltung.

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