Stille nach der "größten Geschichte aller Zeiten"

Bachs Johannespassion hat in der Markuskirche die Chöre dreier Kirchgemeinden vereint und ist damit auch zum ökumenischen Ereignis geworden.

"Die größte Geschichte aller Zeiten" heißt ein Film von George Stevens aus dem Jahr 1965 über das Leben des Jesus von Nazareth. Dass diese Geschichte noch immer berührt, wird auch in den Passionsmusiken Johann Sebastian Bachs hörbar, die traditionell vor allem in der Karwoche vor Ostern aufgeführt werden. Den Anfang machte am Sonntagabend die Johannespassion in der St. Markuskirche auf dem Sonnenberg.

Sie erzählt von der Verhaftung, der Verurteilung, Geißelung und Kreuzigung Jesus', erzählt nach dem Johannes-Evangelium. Man muss nicht Christ sein, um das Geschehen um Glaube, Liebe, Hoffnung, Verrat, Schuld, Reue und Sühne, Tod und Auferstehung als eine der ewigen Geschichten zu verstehen, die Menschen widerfahren.


Diesem Anspruch wird das große Ensemble unter der Leitung von Sebastian Schilling gerecht. Die Geschichte wird im stetigen Wechsel zwischen dem Bericht des Evangelisten, Solo-Gesangsstimmen und Chor, eingebettet in die kraftvoll-dramatische Musik Bachs, erzählt. In der Rolle des Evangelisten überzeugt der ausgezeichnete Tenor Christian Volkmann, der die Dramatik des Geschehens nicht nur schildert, sondern mitempfindet. Christiane Wiese (Sopran), Thomas Riede (Altus), Steffen Kruse (Tenor) und Georg Finger (Bass) singen ihre Solopartien prägnant und einfühlsam. Herausragendes leisten die Chöre der evangelisch-lutherischen St. Markus/Trinitatis- und der St. Andreasgemeinde sowie der katholischen St. Josephsgemeinde, womit die Aufführung auch ökumenischen Charakter trug. Die Chöre links und rechts auf den Emporen umschlossen das Publikum. In teilweise heftigen Worten kommentieren sie das Geschehen, bekunden ihre Anteilnahme, nehmen aber auch Jesus gefangen, verlangen als dumpfes Volk seine Kreuzigung, stellen die Häscher dar - eine psychologische Herausforderung, die die Sängerinnen und Sänger ausgezeichnet meistern. Gekrönt wird die Aufführung von der auf historischen Instrumenten spielenden Capella Trinitatis, ergänzt um weitere Musikerinnen und Musiker und Yohan Chung an der großen Orgel, die Bachs Komposition als eine Musik ganz von dieser Welt interpretieren, ohne ihr den Zauber des Göttlichen, Unalltäglichen zu nehmen. Selbst die atemberaubende und ergreifende Stille nach Jesus' Tod ist ein musikalisches Ereignis - wie auch die angemessene Stille nach dem Konzert, das nicht als kulturelles Event, sondern als gesungenes Gebet erklang.

Weitere Passionsmusiken in der Osterwoche: Am Karfreitag, 19.30 Uhr, erklingt in der Kreuzkirche die Markuspassion von Johann Sebastian Bach, Samstag, 13. April, 20Uhr, in der Schloßkirche die Tangomesse von Martin Palmeri.

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