Storchen-Nachwuchs löst Polizeieinsatz in Rußdorf aus

Weil ein Jungtier in Limbach-Oberfrohna durch die Straßen spazierte, hatten Ordnungshüter und Vogelkundler gleich mehrfach zu tun.

Rußdorf.

Was geschieht mit einem Jungstorch, der statt in der Natur unterwegs zu sein, lieber durch die Straßen des Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Rußdorf spaziert? Er löst einen Polizeieinsatz aus und ruft einen Vogelkenner und Naturschutzhelfer auf den Plan. Denn das Tier sorgt nicht nur bei Passanten im Stadtgebiet für Aufmerksamkeit, sondern könnte im Verkehr auch verletzt werden.

In diesem Fall war es ein Jungtier, das offenbar Gefallen an Ausflügen ins Stadtgebiet findet. Denn nachdem es am Donnerstagabend von Naturschutzhelfer Dieter Kronbach mithilfe der Polizei eingefangen und ins Landschaftsschutzgebiet Limbacher Teiche - mit Sicht auf ein Storchennest in der Nähe - gebracht worden war, ging es am Freitag erneut auf Tour. Und wieder musste das Tier eingefangen werden. Diesmal kam es aber im Tierpark von Limbach-Oberfrohna unter, wo es nicht so leicht ausbüxen können dürfte. Der Jungstorch soll nun zunächst dort bleiben. Wie Kronbach weiter erklärt, werde versucht, das Tier im August zu anderen rastenden Artgenossen zu bringen, damit sie zusammen ihre Reise in den Süden antreten: "Ich hoffe, dass das gelingt. Aber sicher ist es nicht."


Dass Kronbach für die Landkreise Zwickau und Mittelsachsen sowie die Stadt Chemnitz ehrenamtlich tätig wird, ist dabei aber nicht allein seine eigene Entscheidung. Denn den Auftrag dazu erhält er in diesem Fall vom Landratsamt Zwickau, wo die Information über Vorfälle wie die mit dem Storch zunächst eintreffen. Dann wird das weitere Vorgehen abgestimmt. Einer, der sich mit dieser Prozedur auskennt, ist Jens Hering von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Er hat sich auch schon intensiv mit Störchen und deren Leben beschäftigt. Und er kann sich auch noch an einen Vorfall erinnern, der einige Jahre zurückliegt. Da spazierte ein Storch unter anderem auch über das Werksgelände einer Firma in Limbach-Oberfrohna und begutachtete lange Zeit verschiedene Fahrzeuge auf dem Parkplatz. "Er attackierte dabei auch sein Spiegelbild ", sagt Hering über das "verhaltensauffällige Tier". Ob es sich diesmal auch wieder um ein solches eher auf untypischen Storchenpfaden wandelndes Exemplar handelt, kann er noch nicht einschätzen. Das Tier müsse noch länger beobachtet werden, um zu wissen, ob es deutlich verhaltensauffällig ist, so Hering. Der Jungstorch dürfte der Einschätzung Herings nach etwa 70 Tage alt sein und aus einem Nest stammen, das sich auf einen ausgedienten Schornstein in Rußdorf befindet. Darin sind derzeit noch andere Jungvögel.

Wenn der Storchennachwuchs das Nest verlässt, dann kann er nach Angaben von Dieter Kronbach schon ganz gut selbst nach Futter suchen. Auf dem Speiseplan stehen Heuschrecken und Mäuse ebenso wie Frösche und junge Feldhasen. Der Aufenthalt im Tierpark sollte sich nach Ansicht des Naturschutzhelfers nicht zu lange hinziehen. Der Vogel dürfe sich nicht zu sehr an den Menschen gewöhnen, sonst werde es schwer, ihn wieder als Wildvogel in die Natur zurückzubringen, erläutert Kronbach.

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