Streik erwischt viele Fahrgäste kalt

Auf mehr als 20 Linien sind am Mittwochmorgen keine Busse gefahren. Die Gewerkschaft fordert bei Verkehrsbetrieben höhere Gehälter. Bei "Chemnitz diskutiert" geht es in der zweiten Runde um die Mobilität in der Stadt.

Mittwochfrüh, kurz nach 7 Uhr an der Wendeschleife in Ebersdorf. Während der Bus der Linie 21 planmäßig abfährt, wartet ein etwa siebenjähriger Junge vergeblich auf die 63. Auf der elektronischen Anzeigetafel ist zu lesen, dass die Busse auf dieser Linie voraussichtlich bis 8 Uhr wegen eines Streiks komplett ausfallen. Der Junge telefoniert kurz und macht sich dann zu Fuß auf den Weg in Richtung Glösa.

Auch an der Haltestelle Lichte- nauer Weg warten Fahrgäste bei frostigen Temperaturen von knapp über null Grad auf den 63er-Bus. Eine Anzeigetafel gibt es dort nicht. Vom Busfahrerstreik im Regionalverkehr hätten sie zwar gehört, aber nicht, dass auch der Nahverkehr betroffen ist. "Ich habe mich gestern extra noch beim Mobilitätszentrum an der Zentralhaltestelle erkundigt", berichtet eine Mutter verärgert, die ihren Sohn zum Bus zur Grundschule bringen wollte. Sie habe die Auskunft erhalten, dass die CVAG nicht bestreikt werde. Jetzt wolle sie ihren Sohn selbst mit dem Auto zur Schule fahren, sagt sie im Weggehen.

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Ein 69-jähriger Mann, der zum Arzt muss, wartet schon seit einer halben Stunde an der Haltestelle. Als der im Fahrplan für 6.49Uhr ausgewiesene Bus nicht kam, habe er angenommen, die CVAG habe die Fahrt wegen Personalmangels gestrichen. "Ich gönne den Fahrern, die ja auch Fahrgeld kassieren und sich mit unfreundlichen Fahrgästen herumstreiten müssen, mehr Geld. Aber über Streiks müsste eher informiert werden", sagt der Glösaer.

Die Gewerkschaft Verdi hatte den geplanten Warnstreik erstmals am Montagnachmittag öffentlich angekündigt. Seit Dienstagvormittag informierte der städtische Nahverkehrsbetrieb die Medien sowie auf seiner Internetseite und über soziale Netzwerke, dass die CVAG zwar nicht selbst, jedoch ihr Tochterunternehmen Euro Traffic Partner (ETP) am Mittwoch bestreikt wird. Hintergrund: Die Fahrer von ETP werden, anders als die der CVAG, nach demselben Tarifvertrag bezahlt wie die im Regionalverkehr.

Nach CVAG-Angaben blieben am Mittwoch wie angekündigt ab Mitternacht sämtliche Nachtbusse sowie die Busse der Linien 26, 43, 46, 63, 82, 86, S91, 93 und 96 komplett im Depot. Auf den Linien 23, 39, 41 und 69 sei es zu teilweisen Ausfällen gekommen. Betroffen waren insgesamt mehrere Tausend Fahrgäste, sagte ein Sprecher. Etwa ab 9 Uhr sei der Linienverkehr wieder nach Fahrplan gerollt.

Bestreikt wurden am Mittwoch auch die Regionalverkehre Erzgebirge und Westsachsen sowie Regiobus Mittelsachsen, deren Linien zum Teil über Chemnitz führen, und weitere Verkehrsunternehmen im Raum Dresden und Ostsachsen. Zu dem Warnstreik hatte Verdi insgesamt fast 1400 Beschäftigte aufgerufen, um Forderungen nach Einkommenserhöhungen in laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen. 15,66 Euro pro Stunde und damit soviel wie ihre Kollegen in Sachsen-Anhalt sollen sächsische Busfahrer als Berufsanfänger verdienen, fordert Verdi. Das wären 3,36Euro mehr als jetzt. Auszubildende sollen monatlich 250 Euro mehr erhalten. Die Streik-Beteiligung sei nahezu vollständig gewesen, schätzten Gewerkschaftsvertreter am Mittwoch zufrieden ein.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Zeitungss
    11.04.2019

    @cn3b...: Riegel in diesem Bereich sind eher Mangelware und nicht beschaffbar, es ist der Zustand schon so gewollt, man nennt es gelegentlich Kostendämpfung, wenn auch nicht auf der Seite der Fahrgäste. Ehrenamtliche haben sich wohl noch nicht herumgesprochen ? Lizenzen dazu vergibt der VVV, auch wenn der eigentliche Erfinder inzwischen das Schiff verlassen hat.

  • 5
    6
    überhauptauschemnitz
    11.04.2019

    Warum streiken diese Leute nicht nach Feierabend?

  • 19
    1
    cn3boj00
    11.04.2019

    Selbst ich als "Auswärtiger" wusste von dem Streik aus dem Radio. Aber Ankündigungen über Facebook sind natürlich Unsinn.
    Streiks sind ein legitimes Mittel der Tarifparteien. Interessant, dass die CVAG ein Tochterunternehmen betreibt, über das Busfahrer auf städtischen Linien nicht nach dem eigenen Tarif bezahlt werden. Diesen Methoden des Lohndumpings muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden.

  • 9
    1
    mathausmike
    11.04.2019

    @Hinterfragt:
    Die Überschrift ist wahr(!),denn der Streik hat viele(trotz Ankündigung)kalt
    erwischt(da sie sich nicht informierten bzw.davon nichts gehört hatten).

  • 14
    4
    Hinterfragt
    11.04.2019

    Streik hin, Streik her.
    Sinnvoll oder nicht.
    Die Überschrift ist einfach nicht wahr!
    Der Streik wurde Tage vorher angekündigt!



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