Streit nach Einbrüchen: Sollte die Haustür nachts verschlossen sein?

Was besorgten Mietern ratsam erscheint, kann im Notfall zur gefährlichen Falle werden, warnen Experten. Schutz vor Dieben ist auch anders möglich, sagt die Polizei.

Für einen Moment sah es so aus, als ob die seit Wochen anhaltende Serie von Kellereinbrüchen gestoppt sein könnte: Dank eines Hinweises hatte die Polizei zwei Männer auf frischer Tat dabei überrascht, wie sie spät abends in einem Mehrfamilienhaus an der Marschnerstraße in Helbersdorf mehrere Keller aufbrachen. Doch die Freude über den "Fang" währte nur kurz. Schon zwei Tage später wurden aus der Innenstadt und vom Kaßberg 15 weitere gewaltsam geöffnete Kellerverschläge bei der Polizei angezeigt.

Viele Chemnitzer versuchen, sich vor Einbrechern zu schützen, indem sie nachts die Eingangstür ihres Hauses abschließen. Ob bewusst oder nicht - oft geschieht dies gegen den Willen ihres Vermieters und die Bestimmungen des Mietvertrages. "Die Haustür zu verschließen, ist verboten - es geht hier um Flucht- und Rettungswege", bestätigt Erik Escher vom größten Chemnitzer Vermieter, dem kommunalen Wohnungsunternehmen GGG. Dies gehe aus der Brandschutzordnung hervor, einer Anlage des Mietvertrages.

Ähnlich ist die Situation bei der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft (SWG), deren Wohnhäuser nicht zuletzt im Stadtteil Kappellenberg wiederholt Ziel von Einbrechern waren. Die Genossenschaft hat im sogenannten Musikerviertel - seit Monaten einer der Schwerpunkte im Stadtgebiet - inzwischen einige Rahmen der Haustüren mit Metallschienen verstärkt. Somit soll Unbefugten ein Eindringen erschwert werden. Ein Verschließen der Tür sei aber nicht erlaubt, sagt Mandy Flieger, Leiterin Vermietung und Marketing der SWG. "Das steht auch so in der Hausordnung, die jedem Mieter ausgehändigt wird."

Und was sagen die Retter? "Alles, was den Zugang zu Geschädigten oder Patienten erschwert, kommt uns vor Ort natürlich höchst ungelegen", sagt Brandrat Gert Berger von der Chemnitzer Berufsfeuerwehr, die auch die Einsätze des Rettungsdienstes koordiniert. So verständlich das Bedürfnis nach Sicherheit sei: "Menschenleben gehen vor", betont er. In der Einsatzpraxis spielten verschlossene Türen eher selten eine Rolle. "Glücklicherweise. Im Zweifelsfall muss die Tür aufgebrochen werden, was mit erheblichen Schäden und hohen Folgekosten verbunden sein kann", verdeutlicht er. Die Einsatzkräfte versuchten dabei allerdings immer, so schonend wie möglich vorzugehen. "Die beste Variante ist natürlich, uns erwartet am Einsatzort eine ortskundige Person, die uns den Weg weist und ohne Probleme Zugang verschaffen kann."

Auch die Polizei hält mit Blick auf im Zweifelsfall versperrte Fluchtwege nichts davon, Haustüren zu verschließen. Um sich trotzdem vor Kellereinbrechern zu schützen, sollte stattdessen darauf geachtet werden, die Zugangstür zum Kellerbereich immer abzuschließen, sagt Sprecherin Jana Kindt. Fahrräder - immer wieder ein begehrtes Diebesgut - sollten zudem auch im Keller extra gesichert und nach Möglichkeit an die Wand angeschlossen werden, empfiehlt sie. Regelmäßige Kontrollen seien zudem hilfreich, um im Falle eines Falles später die Tatzeit genauer eingrenzen zu können.

Abgesehen davon: Versperrte Türen nützen wenig, wenn - wie in einem der jüngsten Fälle - derweil die Kellerfenster angekippt sind. "Eine perfekte Einladung", heißt es von Ermittlern. Sie prüfen derzeit, ob die in Helbersdorf erwischten Tatverdächtigen auch für weitere Einbrüche verantwortlich sind. Die beiden Deutschen im Alter von 22und 26 Jahren befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Umfrage: Wie sicher fühlen Sie sich in Ihrem Haus?

Katrin Hilbert, 63 Jahre, Rentnerin, wohnt in einem Mehrfamilienhaus in Morgenleite: "Der Vermieter hat nicht verboten, die Haustür zuzuschließen. Aber das macht niemand. Wurde die Tür ins Schloss gezogen, ist sie zu. Außen ist ein Knauf befestigt, so kann keiner reinkommen. Angst vor Einbrüchen habe ich nicht. Außer alten Turnschuhen ist im Haus noch nichts weggekommen."

Dieter Rockstroh, 63, Koch, wohnt in einem Mehrfamilienhaus im Zentrum: "Damit der Türöffner funktioniert, ist es bei uns verboten, die Haustür zuzuschließen. Ich würde mich sicherer fühlen, wenn ich es könnte. Nach einem Kellereinbruch wurde mein Rad gestohlen. Aber wenn ein Krankenwagen gerufen wird, ist es besser, wenn die Tür unverschlossen ist."

Inge Heinitz, 67, Rentnerin, wohnt in einem Mehrfamilienhaus in Markersdorf: "Die Haustür darf nur zugezogen, nicht abgeschlossen werden. So steht es in der Hausordnung. Kellereinbrüche hat es schon gegeben, dabei sind Fahrräder gestohlen worden. Auch Schuhe sind abhanden gekommen. Ich wohne seit 1981 in dem Haus, die Einbrüche gab es erst in jüngster Zeit." (hfn)

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