Streit um Stadionmiete: Rathaus will CFC-Forderung prüfen lassen

Der Insolvenzverwalter des Regionalligisten weigert sich, einer Erhöhung der Pacht zuzustimmen und hat der Stadtverwaltung ein Ultimatum gesetzt. Nun hat die Oberbürgermeisterin reagiert.

Im Streit zwischen der Stadtverwaltung und dem Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC um die Höhe der Miete für das Stadion an der Gellertstraße deutet sich ein Entgegenkommen des Rathauses an. Das geht aus einem Schreiben von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an den Insolvenzverwalter Klaus Siemon hervor, das "Freie Presse" vorliegt.

Bislang zahlt der insolvente Regionalligist für die spieltagsbezogene Nutzung des Stadions sowie für Geschäftsstelle und Fanshop rund 190.000 Euro jährlich an die Stadt; der Vertrag endet aber zum Saisonende. Da sich der sportliche Aufstieg der ersten Mannschaft des CFC andeutet, sollte daher auch die Pachthöhe für die Dritte Liga festgelegt werden. Der Betrag ist letztlich entscheidend für die Lizenzierungsunterlagen, die der Verein für die Saison 2019/2020 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einreichen muss.


Für den Aufstiegsfall veranschlagt die Kommune eine jährliche Pacht in Höhe von 800.000 Euro. Sie beruft sich dabei auf ein Schreiben der EU-Kommission vom Oktober 2013 zum Wettbewerbsrecht. Das Regelwerk wurde erlassen, um Unternehmen aus allen EU-Ländern gleiche Marktbedingungen einzuräumen und so zu verhindern, dass staatliche oder kommunale Einrichtungen den Wettbewerb verzerren oder beeinflussen. Da es sich bei der dritthöchsten Spielklasse um eine Profi-Liga handelt, sind Kommunen auch bei Fußballvereinen an die europäischen Vorgaben zum Wettbewerbsrecht gebunden.

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon hält die veranschlagte Pacht für zu hoch und bezeichnete sie als existenzbedrohend für den Verein. Im Interview mit "Freie Presse" sagte der Jurist: "Wir können und werden bei einem Aufstieg die aufgerufenen 800.000 Euro nicht bezahlen." Er verweist auf die Beträge, die andere Drittligisten zu entrichten haben. Laut DFB-Ligareport liegt in der Dritten Liga die Pachthöhe für die Stadionnutzung aller Vereine bei durchschnittlich 431.000 Euro jährlich - Tendenz fallend. Zudem, so der Insolvenzverwalter, sei die von der Stadt angeführte EU-Richtlinie überholt.

Per Brief forderte der Insolvenzverwalter die Stadtspitze ultimativ zu einer Klärung bis Januar 2019 auf. Sollte die Stadtverwaltung auf der veranschlagten Summe beharren, werde er vor Gericht ziehen, kündigte Siemon an. Werde die Pacht nicht gesenkt, müsse man den Geschäftsbetrieb einstellen, auf den Aufstieg verzichten oder auf einen anderen Spielort ausweichen, so Siemon im "Freie Presse"-Interview.

Kurz vor Ablauf des von ihm gestellten Ultimatums hat Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig dem Insolvenzverwalter nun einen Brief geschrieben. In diesem deutet das Stadtoberhaupt an, dass eine Senkung des bislang geforderten Betrags in Betracht kommt - allerdings nur nach einer juristischen Prüfung. Man wolle eine sichere Rechtsgrundlage für die Verpachtung des Stadions. Insofern begrüße sie Siemons Vorschlag, den Streit vor Gericht zu klären, schreibt Ludwig. Das Gericht solle entscheiden, inwiefern Kommunen Profi-Vereine unterstützen dürfen. Die Stadt werde sich in ein mögliches Gerichtsverfahren "aktiv einbringen", heißt es weiter.

Alternativ schlägt das Stadtoberhaupt die Einleitung eines Prüfverfahrens bei der Europäischen Kommission vor. Es biete die Chance, "auf eine für den CFC oder die GmbH wirtschaftlich günstigere Entscheidung zu hoffen", schreibt Ludwig. Die Verwaltung bevorzuge diese Variante. Wie es weitergehen soll, müsse aber der Insolvenzverwalter entscheiden. Offen bleibt, wie lange ein Gerichtsverfahren oder eine Prüfung bei der EU dauern würden. Der CFC muss die Lizenzierungsunterlagen bis 1.März beim DFB einreichen. (mit su/tre)

Bewertung des Artikels: Ø 3.6 Sterne bei 7 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    acals
    04.01.2019

    mathausmike: Was sind denn das fuer verbale Entgleisungen! Die lassen hoffentlich nicht Rueckschluesse auf den Geisteszustand zu - wohl aber auf das Nervenkostuem. Es haette gegolten: Schweigen ist Gold.

    Lesen Sie doch bei sich selber nach. Ich zitiere sinngemaess: Wieder aufstehen. Kurz schuetteln und dann weiter mit den zahlreichen Sponsoren sprechen und sie von der Zugkraft der Marke "CFC" ueberzeugen.

  • 14
    15
    Blackadder
    03.01.2019

    Sie hat halt auch gelernt, dass man nichts in ein bodenloses Loch reinwirft.

  • 9
    17
    mathausmike
    03.01.2019

    OB Ludwig war erst Freund des CFC,dann Feind.
    Mit diesem Rumgeeiere bleibt Sie ein Gegner,der für den CFC gefährlich ist!



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