Streit um Straße in Wolkenburg: Anwohner fühlen sich übergangen

Der Abschnitt kann nun ausgebaut werden. Betroffene sagen, dass ihre Einwände nicht berücksichtigt wurden - und drohen mit Klage.

Wolkenburg.

Wenn eine Behörde darüber informiert, dass ein seit Langem geplantes Bauvorhaben nun umgesetzt werden kann, gilt das meist als gute Nachricht. Im aktuellen Fall zählt denn auch die Landesdirektion Sachsen mehrere Vorteile auf, die der Ausbau des Schloßbergs in Wolkenburg mit sich bringe: Die Straße soll auf dem Abschnitt zwischen der Muldenbrücke und der Mühlenstraße breiter und sicherer werden. Die Warnbaken, die wegen einer maroden Stützwand 2015 aufgestellt wurden, könnten endlich entfernt werden. "Vom Vorhaben profitiert auch der Tourismus vor Ort", stellt die Landesdirektion fest. Schließlich sei ein Fußweg vorgesehen, sodass Schloss und Park besser zu erreichen seien. Mit der Mitteilung hat die Behörde in dieser Woche darauf hingewiesen, dass für das Projekt nun Baurecht besteht.

Viele Autofahrer dürften sich darüber freuen, weil eine Engstelle auf der Ortsdurchfahrt auf diese Weise endlich beseitigt wird. Die betroffenen Anwohner sehen dies aber ganz anders. Sie haben mehrmals ihren Unmut über die Vorgehensweise der Behörden artikuliert, so im Limbacher Stadtrat und während der jüngsten Bürgerversammlung in Wolkenburg. Da sie ihre Kritikpunkte ungenügend berücksichtigt sehen, kommt die Nachricht, dass nun Baurecht besteht, für sie überraschend. "Wir wurden übergangen", sagt Bernd Riedel, einer der Betroffenen. "Viele Fragen sind noch offen."

Die Anwohner sperren sich nicht gegen das Bauvorhaben an sich, sondern gegen die Vorgehensweise bei der Planung. Bernd Riedel wirft den Planern unter anderem vor, ein Regenwasserproblem nicht beachtet zu haben. Schon ein gewöhnlicher Regenguss habe schlimme Folgen, weil sich das Wasser in die Mühlenstraße ergieße. "Ich muss bald mein Haus trockenlegen, weil das Wasser bei mir reinläuft. Wer bezahlt mir das?", fragt der Wolkenburger.

Einige Anwohner befürchten, dass ihre Häuser wegen der Erschütterungen während der Bauphase Schaden nehmen könnten. Ein weiterer Streitpunkt ist nach wie vor der geplante Fußweg. Er soll auf der Talseite verlaufen und damit oberhalb von Anrainergrundstücken. Einige Anwohner ziehen die Notwendigkeit des Gehweges in Zweifel und argumentieren, an jener Stelle kämen kaum Fußgänger vorbei. Andere schlagen vor, den Weg auf der Bergseite anzulegen. Dies lehnt das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr wegen der engen Platzverhältnisse aber als nicht praktikabel ab.

Ein Sprecher der Landesdirektion verweist darauf, dass die Behörden auf die Einwände der Anwohner reagiert hätten. Im Rahmen einer sogenannten Plangenehmigung sei eine "umfangreiche Stellungnahme" der Betroffenen berücksichtigt worden. Um das Regenwasserproblem zu lösen, werde die Entwässerung neu gestaltet. Auch mit Blick auf die befürchteten Erschütterungen werde den Bedenken Rechnung getragen. Laut dem Sprecher sind vorbeugende Maßnahmen ebenso vorgesehen wie eine Beweissicherung, damit Anwohner eventuelle Schäden geltend machen können. Den Gehweg hält die Landesdirektion allerdings für unverzichtbar, um die Sicherheit der Fußgänger zu gewährleisten. Riedel stellt das Prozedere anders dar. "Beim letzten Ortstermin wurde uns zugesagt, dass Alternativen geprüft werden." Doch seitdem habe er nichts mehr von den Behörden gehört. Die Landesdirektion erwidert, es lägen keine Einwände von Anwohnern mehr vor - auch nicht von jenen, die für das Bauprojekt einen Teil ihrer Grundstücke zur Verfügung stellen sollen.

Ob dies das letzte Wort bleibt, ist derzeit unklar. Nach Angaben des Rathauses wollen Oberbürgermeister Jesko Vogel (Freie Wähler) und der Landtagsabgeordnete Jan Hippold (CDU) Ende des Monats mit Vertretern des Verkehrsministeriums über das Projekt reden. Die Anwohner wiederum wollen sich untereinander absprechen, wie sie weiter vorgehen. Bernd Riedel: "Vielleicht bleibt uns nichts anderes übrig, als vor Gericht zu ziehen."


Kommentar: Zu wenig geredet

Zugegeben, die Situation am Schloßberg ist kompliziert. Weil es dort sehr beengt zugeht, ist es schlicht unmöglich, für Anwohner, Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zugleich gute Bedingungen zu schaffen. Umso wichtiger erscheint es, die Betroffenen in die Planungen einzubeziehen, damit am Ende ein tragfähiger Kompromiss steht. Mit der Anberaumung von Ortsterminen schien die Sache auf einem guten Weg zu sein. Doch jetzt wird deutlich: Es wurde nicht genug geredet. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Anwohner und Landesdirektion die bisherige Kommunikation gänzlich unterschiedlich darstellen. Deshalb sollten Behörden und Anwohner sich erneut zu Gesprächen treffen - möglichst schnell.

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