Streit ums Mittagessen hält Polizei und Feuerwehr in Atem

Ein 75-Jähriger hat aus Wut auf seine Partnerin eine Gardine in der gemeinsamen Wohnung in Brand gesteckt. Bevor die Einsatzkräfte helfen konnten, mussten sie eine Hürde überwinden.

Limbach-O./Hohenstein-E..

Das Paar war der Polizei bereits bekannt. Schon mehrmals mussten Beamte zu Hilfe eilen, um einen Streit zwischen den beiden Limbachern zu schlichten. Doch die Vorfälle am 20.Juli 2016 übertrafen das bis dahin Geschehene: Dieses Mal musste nicht nur die Polizei zur Wohnung des Paares an der Chemnitzer Straße anrücken, sondern auch Rettungsdienst und Feuerwehr. 17 Mitglieder der Ortswehren Limbach und Oberfrohna waren vor Ort. Deswegen kam es auf der wichtigen Verkehrsverbindung zu Behinderungen. Bevor die Einsatzkräfte die Wohnung betreten konnten, mussten sie sich gewaltsam Zutritt verschaffen, weil die Mieter die Tür nicht geöffnet hatten. Jetzt wurde der Vorfall vor Gericht verhandelt.

In der Wohnung sah es wüst aus: verbrannte Gardinenreste, eine verrußte Wand, Rauch in der Wohnung und ein angesäuselter Rentner im Sessel, der sofort einräumte, die Gardine in Brand gesetzt zu haben - aus Wut. Stein des Anstoßes: die nackte Forelle auf dem Küchentisch. Sie sollte längst in der Pfanne brutzeln. So hatte sich das der 75-Jährige für sein Mittagessen vorgestellt. Doch da hatte er die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Seine Lebensgefährtin weigerte sich zu kochen. Das brachte bei dem Senior das Fass zum Überlaufen.

"Dann brenne ich eben die Gardine an", soll er damals gesagt haben. Als seine Mitbewohnerin antwortete, er sei zu feige dazu, griff er tatsächlich zum Feuerzeug. Das Dumme nur: Es waren seine Wohnung und seine Gardine. Der aus Dederon bestehende DDR-Vorhang brannte sofort lichterloh. Das Feuer erlosch aber von selbst, als ihm das Material ausging. "Glücklicherweise griffen die Flammen nicht auf den Schaumstoffsessel oder anderes brennbares Material über", sagte später ein Brandursachenermittler. Die Lebensgefährtin des Rentners musste trotzdem mit leichten Verletzungen zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht werden, konnte es aber schnell wieder verlassen. Andere Bewohner des Hauses konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und blieben wie der Verursacher des Feuers unverletzt.

"Ich weiß nicht, welcher Teufel mich da geritten hat. Ich bin ausgerastet", zeigte sich der Rentner gut zwei Jahre später vor dem Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal reumütig. Man habe sich im Vorfeld gestritten. "Sie trinkt mehr als ich, räumt nicht auf und will nicht kochen", schimpfte der Limbacher, der zum Tatzeitpunkt - 12 Uhr mittags - nach Rückrechnung der gemessenen Blutalkoholkonzentration bereits 1,5 Promille intus gehabt haben soll. Um sich ein Bild von den Trinkgewohnheiten des Angeklagten zu machen und dazu, was er sich finanziell leisten kann, fragte Richter Manfred Weber nach der täglich konsumierten Menge an Bier. Die Ansage des Rentners war kurz und prägnant: "Abends mal fünf Flaschen." Warum er allerdings schon mittags so alkoholisiert war, dafür hatte er keine Erklärung.

Weil der Angeklagte zwar schon mehrfach für Polizeieinsätze gesorgt hatte, aber zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, ließ Weber Gnade vor Recht ergehen. Das Schöffengericht rechnete außerdem die Alkoholisierung des Rentners an sowie die Tatsache, dass der Brand nur minimale Schäden verursachte. Das Gericht verurteilte ihn wegen des Versuchs der schweren Brandstiftung in einem minderschweren Fall zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro. Die darf der Limbacher von seiner dürftigen Rente in monatlichen 50-Euro-Raten abstottern. (mit jop)

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