Subway to Peter - Institution des Nachtlebens schließt

In der Musik-Kneipe haben Bands aus aller Welt gespielt, der Gewölbe-Keller ist über Chemnitz hinaus bekannt. Jetzt ist Schluss, nach 23Jahren. Beim Betreiber hat sich Frust angestaut.

Sonnenberg.

Schulden und laufende Kosten waren nicht mehr zu bezahlen. In einem Gespräch mit seinem Vermieter hat der Betreiber des Subway to Peter an der Peterstraße auf dem Sonnenberg darum beschlossen, Ende Juli auszuziehen. "Leider müssen wir euch mitteilen, dass wir das Subway to Peter zum 29.Juli schließen müssen", teilte das Team auf Facebook mit.

Die Nachricht löste eine Welle der Aufmerksamkeit aus. Über 230Mal wurde die Nachricht geteilt und über 160 Kommentare wurden geschrieben. Einige Kommentar-Schreiber schwelgten in Erinnerungen und erklärten, dort einen Teil ihrer Jugend verbracht zu haben. Genau da könnte das Problem liegen. Denn in den vergangenen Jahren kamen immer weniger Gäste. "Seit zwei Jahren mache ich das. Alle sagen, dass es super sei, dass ich den Laden übernommen habe. Aber die Konzerte bleiben leer", sagt der Betreiber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag, im Gespräch mit "Freie Presse". Auch Fotos gebe es von ihm nicht. Vor zwei Jahren hatte er das Subway to Peter von seinem Freund Mario Forberg übernommen. Dessen Lebensmittelpunkt hatte sich nach Dresden verlagert, aber auch damals schon habe die Kneipe nicht mehr so funktioniert wie noch vor 15 Jahren. "Die Schwierigkeiten waren schon da, als ich das Subway übergeben habe", sagt Forberg. Trotzdem habe die Musikkneipe einen sehr guten Ruf und sei über Chemnitz hinaus bekannt, durch all die Bands aus der ganzen Welt, die dort auftraten.

Der jetzige Betreiber sagt, er habe eine fünfstellige Summe investiert, sei finanziell und körperlich am Ende. "Es ging schon seit Jahren nicht mehr", räumt er ein. Die Öffnungszeiten hatte er bereits auf vier Tage in der Woche reduziert, von Mittwoch bis Samstag. "Heute will keiner mehr Geld ausgeben", sagt er. Es gebe eine Erwartungshaltung, die besten Bands erleben zu wollen, "aber wenn es dann auch was kostet, beschweren sich die Leute". Zu den fehlenden zahlenden Gästen seien steigende Kosten für Strom, Wasser und Nebenkosten gekommen. Dass nun im Internet so viele Kommentatoren Empörung und Anteilnahme zeigen, ärgert ihn mehr, als dass es ihn freut. "Plötzlich melden sich wieder alle", sagt er.

"Was in Chemnitz bleibt, ist Rentnerkultur und bisschen Museum", sagt der Kneipenbetreiber frustriert. Wer in der Stadt Kunst und Kultur organisiere, werde nicht unterstützt. Ein Beispiel sei die - seit kurzem abgeschaffte - Amüsiersteuer. Die habe er immer bezahlt, das sei nicht viel gewesen. Aber eigentlich müsste er, bevor er sie begleicht, ein Antragsformular für bevorstehende Veranstaltungen herunterladen, ausdrucken, ausfüllen, einscannen und zurückschicken. Das sei ihm zu viel Bürokratie gewesen. Dafür, dass er zwar regelmäßig zahlte, nicht aber die Formulare ausfüllte, habe er sogar Strafe bezahlen müssen.

Bis Monatsende sind im Subway to Peter auf dem Sonnenberg noch mehrere Konzerte und Partys geplant, bevor endgültig Schluss ist. Betroffen von der Schließung seien neben ihm drei weitere Mitarbeiter. Er selbst hat erstmal vom Kneipenleben genug: "Ich geh jetzt wieder ganz normal arbeiten."

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