Suche nach Kita-Platz hat ein Ende

Eine Familie hatte erfolglos versucht, in Chemnitz einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu finden - bis sie einen ungewöhnlichen Schritt wagte.

Der Tagesablauf von Florina Poenaru hat sich seit ein paar Tagen radikal verändert. Plötzlich wollen ihre zwei Kinder nicht mehr frühstücken. Gleich nach dem Aufstehen um 6.30 Uhr rufen sie "Mama, wir wollen in die Kita gehen!", berichtet die 38-Jährige.

Seit September lebt sie mit ihrem Mann in Chemnitz. Das Paar aus dem spanischen Alcaniz, das in der Region Aragonien liegt, betreibt ein Hotel an der Carl-Hamel-Straße. Einen Antrag auf Betreuungsplätze für die vierjährige Melania und den zweijährigen Sascha hatten sie direkt beim Jugendamt ausgefüllt und fünf Wunscheinrichtungen angegeben. Das Paar kümmert sich rund um die Uhr um das Hotel. Es sei schwierig gewesen, nebenher auch die Kinder zu beaufsichtigen, berichtete Poenaru im Januar. Außerdem langweilten sich die Kinder, denn es fehle der Kontakt zu Gleichaltrigen. Sie und ihr Mann haben keine Familie in der Nähe, die zu Besuch kommen könnte. Außerdem gehe den Kindern die Möglichkeit, spielerisch im Kleinkindalter Deutsch zu lernen, verloren.

Schließlich wandte sich das Paar an die "Freie Presse". Wenn bis Ende Januar keine Lösung gefunden sei, wollte sie mit den Kindern zurück nach Spanien gehen, so Poenaru. Ihr Mann Abel Garcia de la Reina Ramis würde dann zwar allein zurückbleiben. Aber diese Situation wäre immer noch besser als die ohne Kita-Plätze, sagte Poenaru im Januar.

Schließlich stellte sich auf Nachfrage von "Freie Presse" beim Jugendamt heraus, dass der Antrag verloren gegangen war. Ein bedauerlicher Einzelfall, sagte Anette Stolp, Leiterin der Abteilung Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege. Danach ging es ganz schnell. Ab 1. Februar waren zwei freie Plätze in der Kita Fridolin in Trägerschaft der Kindervereinigung an der Straße Usti nad Labem für die spanischen Kinder gefunden. Am Ende war die Wartezeit für das Paar gar nicht so lang - verglichen mit anderen Eltern, die in Chemnitz versuchen, Plätze für den Nachwuchs zu finden. Im Durchschnitt beträgt die Wartezeit auf einen Kita-Platz ein halbes Jahr, erklärte Stolp. Suchende Eltern, die nach Chemnitz ziehen, würden im Jugendamt als Einzelfälle angefasst. In Ausnahmen könne binnen vier Wochen ein Platz gefunden werden - stadtweit.

Auch da hatten die Spanier Glück: Sie können nun zur Kita laufen. Die angedachte Eingewöhnungszeit war nichts für die vierjährige Melania. Sie wollte lieber gleich bis 16 Uhr mit den anderen Kindern spielen, was nach zwei Tagen auch möglich gemacht wurde.

Selbst in den paar Tagen hätten sich ihre Kinder verändert. Sie seien nun viel ausgeglichener und ruhiger, sagt Poenaru. Und sie könne sich nun auf ihre Arbeit konzentrieren.

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