Tag der Sachsen: Was für Limbach-Oberfrohna bleibt

Die "Freie Presse" hat Gewerbetreibende und Anwohner um eine Bilanz gebeten. Diese fällt positiv aus - bis auf eine Ausnahme.

Limbach-Oberfrohna.

Super, toll, fantastisch. So oder ähnlich klangen die Kommentare von Besuchern des Tages der Sachsen in Limbach-Oberfrohna. Auch der Freistaat und die Stadt selbst zogen ein begeistertes Fazit. Wie aber lautet die Bilanz von anderen Beteiligten? Eine kleine Umfrage.

Der Anwohner: Im Vorfeld hatte es wegen der Verkehrseinschränkungen einigen Unmut unter den Anwohnern im Festgebiet gegeben. Roland Sonntag, der an der Dorotheenstraße zu Hause ist, gehörte nicht zu den Kritikern. "Wir hatten überhaupt keine Probleme", sagte Sonntag am Abschlusstag, während er von seinem Grundstück aus den großen Umzug beobachtete. "Im Gegenteil: So ein Fest hat man nur einmal im Leben direkt vor der Nase. Dann muss man sich doch alles ansehen. Und das Angebot war spitzenmäßig."

Die Innenstadt-Händlerin: Die Strategie der im Festgebiet ansässigen Händler war grundverschieden. Während einige Gewerbetreibende ihr Geschäft auch am Sonntag öffneten und Sachsentag-Besucher mit besonderen Rabatten anlockten, ließen andere ihren Laden an allen drei Tagen geschlossen. Nadja Etzold hatte sich für die erste Option entschieden. Die Geschäftsfrau, die in ihrer "Boutique Nadja" an der Helenen-straße Damenmode anbietet, warb mit einer Gutschein-Aktion. Die habe sich gelohnt, sagte Etzold am Sonntagnachmittag. "Auch wenn ich nicht übermäßig viel Umsatz gemacht habe, war viel Publikum im Geschäft. Der Tag der Sachsen war eine sehr gute Werbung für uns." Etzold hofft nun, dass Besucher des Festes zu einem anderen Zeitpunkt wiederkommen - dann mit etwas mehr Ruhe.

Das örtliche Unternehmen: Wer sich für Wirtschaft interessiert, konnte die sogenannte Wirkstätte vor dem Esche-Museum besuchen - quasi eine Leistungsschau der örtlichen Firmen. Mit dem Sondermaschinenbauer USK und dem Kreuzfahrtschiff-Ausstatter AIP Projekt waren auch bedeutende Unternehmen der Stadt vertreten. AIP Projekt hatte eigens für den Sachsentag ein Kreuzfahrtschiff im Miniaturformat gebaut, das am Sonntag auch Bestandteil des Festumzugs war. Sowohl das Unternehmen mit Sitz in Rußdorf als auch USK wollten potenzielle neue Mitarbeiter auf sich aufmerksam machen.

Dasselbe Ziel verfolgte MSR, ein Anbieter für Gebäudeautomation. Inhaber Matthias Kuhn zeigte sich am Sonntag sehr zufrieden. Seine Mitarbeiter und er seien mit zahlreichen Interessierten ins Gespräch gekommen. "Einige haben sogar Lehrlingsbewerbungen bei uns abgegeben", berichtete Kuhn. Die Firma mit Sitz an der Frohnbachstraße in Oberfrohna sucht Regelungstechniker und Elektroniker. Auch unabhängig von der Mitarbeiter-Suche zog der Inhaber ein positives Fazit. "Wir wollten Imagepflege für unsere Firma und Werbung für die ganze Region machen. Das ist uns gelungen", sagte Kuhn, der der Stadverwaltung ein großes Lob für die Organisation aussprach.

Der Fest-Gastronom: Kirac Keskin hatte seinen Stand mit farbenprächtigen Bowlen auf der Albertstraße aufgebaut - und weniger Kundschaft als erhofft. "Der Samstag war gut, der Freitag und der Sonntag nicht", sagte der Verkäufer. Sein Standort sei nicht optimal gewesen, da die meisten Besucher die Helenenstraße als Flaniermeile in Ost-West-Richtung genutzt hätten. "Nur als die Helenenstraße wegen Überfüllung gesperrt war, haben wir davon profitiert. Nach Keskins Angaben ist es fraglich, ob sein deutschlandweit tätiger Arbeitgeber mit Sitz in Nordrhein-Westfalen auch beim nächsten Tag der Sachsen präsent sein wird. "Wir haben keinen Gewinn gemacht, da wir für den Stand 3000Euro Gebühr zahlen mussten."


Kommentar: Test bestanden

Begeisterte Kommentare auf dem Festgelände, viel Lob auch in den sozialen Netzwerken: Die Stadtverwaltung hat bei der Organisation des Sachsentages hervorragende Arbeit geleistet. Die Abläufe klappten an allen drei Tagen reibungslos, die Gäste fühlten sich sicher und zudem bestens unterhalten. Kleinere Pannen wie die unglückliche Kommunikation der Parkverbote im Vorfeld können bei einem Fest dieser Größenordnung passieren. Der Einsatz und die zahlreichen geleisteten Überstunden der Mitarbeiter verdienen vor allem vor dem Hintergrund Respekt, dass andere Städte große Feste in die Hände von Marketing-Tochtergesellschaften oder spezialisierten Agenturen legen. In Limbach-Oberfrohna wurde die Organisation zusätzlich zur laufenden Verwaltungstätigkeit gestemmt.

Oberbürgermeister Jesko Vogel sagte vor einigen Monaten, der Tag der Sachsen sei auch als Test für andere Veranstaltungen wie eine Landesgartenschau zu verstehen, für die sich die Stadt in einigen Jahren bewerben könne. Damals dürften viele Einwohner gestutzt haben. Nun möchte man sagen: Test bestanden. Kann losgehen.

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