Tagesmutter fordert mehr Unterstützung von der Politik

Eine Adorferin betreut fünf Kleinkinder in ihrem Zuhause. Sie mag ihre Tätigkeit. Doch wenn sie Urlaub hat oder krank ist, bringt das nicht nur für sie Probleme.

Adorf.

Seit Mai 2012 hat Gundra Gränitz eine eigene Kindertagesbetreuung namens "Marienkäferbande" in Adorf. 24 Sprösslinge haben seitdem schon ihren Alltag in den ersten drei Lebensjahren mit und bei ihr verbracht. Die Nachfrage ist groß: Da sie nur jeweils fünf Kinder betreuen darf, hat sie bereits bis Ende des kommenden Jahres keine freien Plätze mehr.

Gundra Gränitz hat den Beruf der Kinderkrankenschwester an der Uniklinik Dresden erlernt. 2011 absolvierte sie eine neunmonatige Fortbildung zur Tagesmutter und darf sich seitdem qualifizierte Tagespflegeperson nennen. Kleinkinder haben sie schon immer fasziniert, da sich die Kleinen in dieser Zeit am meisten entwickeln und die meiste Fürsorge benötigen.

Bereits um 7 Uhr werden die Kinder von ihren Eltern bei ihr abgegeben. Eine halbe Stunde später gibt es Frühstück, anschließend singt sie zusammen mit den Kleinen und der Handpuppe Lotti Kinderlieder und macht mit ihnen Fingerspiele. Danach wird zusammen Sport oder Musik gemacht, gemalt, ins Freie gegangen und gespielt. Um 10.30 Uhr folgt das Mittagessen. Anschließend machen die Steppkes einen rund dreistündigen Mittagsschlaf. Im Anschluss gibt es Vesper, es wird nochmals gemeinsam gespielt und die Kinder werden schließlich zwischen 15 und 16 Uhr wieder abgeholt.

"Eine Kindertagesbetreuung hat einige Vorteile. Sie ist familiennah, es gibt keinen Erzieherwechsel und die Kinder werden individueller betreut", so die 41-Jährige, die sich allerdings auch der Nachteile bewusst ist. Wenn sie krank wird, müssen die Kinder kurzfristig in den Kitas von Neukirchen untergebracht werden. Fünf Plätze werden dafür für alle vier Kindertagesbetreuungsstellen in Neukirchen und Adorf in den Kitas vorgehalten. Außerdem müssen sich die Eltern freinehmen, wenn Gränitz Urlaub macht. Des Weiteren bekommt sie im Krankheitsfall kein Krankengeld. Zudem musste sie die Räumlichkeiten in ihrem Haus auf eigene Kosten ausbauen.

"Von den Eltern und Kindern fühle ich mich in meiner Arbeit wertgeschätzt", sagt die zweifache Mutter. Allerdings ist sie auch der Meinung, dass die Politik mehr für Kindertagesbetreuer tun muss. "Es fehlen einige gesetzliche Regelungen hinsichtlich der Absicherung im Krankheitsfall, der Altersvorsorge, der Vertretungsregelungen sowie der Vor- und Nacharbeitszeiten", erklärt die Adorferin. Von der Gemeinde Neukirchen werde sie immerhin mit Zuschüssen für Versicherungen unterstützt.

Ihr Vertrag mit der Gemeinde wurde kürzlich um zwei Jahre verlängert, einige Gemeinderäte hatten drei Jahre gefordert. "Planungssicherheit sieht für mich anders aus", sagt Gränitz. "Allerdings ist die Nachfrage mittlerweile so groß, dass ich mir relativ sicher bin, dass der Vertrag danach erneut verlängert wird."

Das Rathaus und eine Mehrheit des Gemeinderates haben sich darauf verständigt, Verträge mit den vier Tagesmüttern und -vätern jeweils um zwei Jahre zu verlängern. So sei man flexibel genug, um bei einer Änderung des Bedarfs reagieren zu können. Derzeit steht der Fortbestand der Einrichtungen laut Bürgermeister Sascha Thamm aber nicht zur Debatte. Die Tagespflegestellen seien nötig, um allen Kindern einen Betreuungsplatz anbieten zu können.

Was die Bedingungen für die Tagespflegepersonen betrifft, orientiert sich die Gemeinde an den Vorgaben des Erzgebirgskreises, die für alle Kommunen gelten. Nach Angaben von Anett Günther, die sich im Rathaus um die Kita- und Schulverwaltung kümmert, finanziert die Gemeinde 100 Prozent der Beiträge für die Unfallversicherung sowie 50Prozent der Beiträge für die Kranken- und Rentenversicherung.

Allerdings sei es für die Betroffenen nicht immer leicht, eine passende Versicherung zu finden, erklärt Anett Günther. Sie verweist zudem darauf, dass die Zuschüsse, die an die Tagespflegemütter und -väter für Sachaufwendungen gezahlt werden, Anfang des Jahres deutlich gestiegen sind. "Aus unserer Sicht herrschen damit jetzt ordentliche Rahmenbedingungen", stellt Günther fest. (mit jop)

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