Talsperre Euba: Stadt spricht sich gegen Umbau zu Naturbad aus

Das Rathaus hat die Errichtung einer Freizeitstätte im Ort geprüft. Gegen dieses Vorhaben hätten aber mehrere Punkte gesprochen.

Euba.

Für viele Eubaer war die Stadtratssitzung im Dezember eine Enttäuschung. Den Wunsch des Ortschaftsrates, insgesamt 2,3 Millionen Euro für die Sanierung der Talsperre im Ortsteil in den Doppelhaushalt 2019/20 einzustellen, lehnten die Stadträte mehrheitlich ab. Der nächste Rückschlag für die Verfechter der Umwandlung der Talsperre in ein Bad folgt nun: Die Stadtverwaltung hat eine Beschlussvorlage erarbeitet. Und die sieht nur die Sicherung der Anlage vor - das wäre das Aus für ein Naturbad.

Die Talsperre ist seit bald 30 Jahren nicht mehr im Betrieb. Sie gilt als marode und wurde von der Stadtverwaltung abgesperrt. Für den Hochwasserschutz hat die Anlage keine Bedeutung mehr, Fachleute betrachten sie als entbehrlich. Allerdings steht die Staumauer unter Denkmalschutz. Der 2008 gegründete Verein "Rettet die Talsperre Euba" setzt sich für den Umbau zu einem Naturbad ein. Zwei Investoren hatten sich zwischenzeitlich für das Gelände interessiert, mussten ihre Vorhaben aber aus unterschiedlichen Gründen absagen. Im Sommer 2017 stellte die Stadtverwaltung drei Optionen für die Anlage vor: Sicherung der Staumauer für etwa 1,5 Millionen Euro; Komplettabriss, der mit 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen würde; Sanierung inklusive Neubau aller Betriebsanlagen.

Letztere Variante hat die Stadtverwaltung eingehender geprüft. Sie rechnet für die Sanierung der Mauer, den Bau von 550 Parkplätzen und die Errichtung von Funktionsgebäuden, Spielflächen und Zäunen mit Gesamtkosten von 8,7 Millionen Euro. Ein solches Naturbad würde über eine Wasserfläche verfügen, die halb so groß wäre wie die des Stausees Rabenstein. Allerdings, so das Rathaus, sei fraglich, ob die Zuflüsse ergiebig genug sind, um entsprechend viel Wasser anzustauen.

Negativ fällt zudem die wirtschaftliche Prognose der Stadtverwaltung aus. Selbst bei 20.000 Besuchern jährlich und einem Eintrittspreis von 4,20 Euro für Erwachsene würden die Ausgaben unter anderem für Personal und Betrieb die Einnahmen übersteigen, heißt es. Touristisch sei ein Naturbad nicht von überregionaler Relevanz, bilanziert die Verwaltung. Die Vermarktung der Stadt konzentriere sich auf Kunst und Kultur sowie Industriekultur. Zudem gebe es im Werben um Aktivurlauber starke Konkurrenz durch das Erzgebirge und das Leipziger Neuseenland.

Die von der Stadtverwaltung nun favorisierte Variante sieht vor, dass die Mauer instand gesetzt und mit einer Öffnung versehen wird. Technische Anlagen sollen demontiert, das Schieberhaus soll abgerissen werden. Die Anlage wäre damit als Talsperre entwidmet. "Damit würde ein Schlussstrich unter die Bemühungen gesetzt, im Chemnitzer Osten ein Naherholungsgebiet zu etablieren", sagt Grünen-Stadtrat Bernhard Herrmann. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Stadt sei nicht tiefgründig genug erfolgt, kritisiert er.

Die Vorlage wird zuerst im Ortschaftsrat Euba beraten. Danach ist der Stadtrat am Zug. Unabhängig davon, wie er entscheidet, mahnt das Rathaus zu schnellem Eingreifen an der Talsperre. So müssten unter anderem der Grundablassstollen und das Schieberhaus baulich verändert werden, um zu verhindern, dass sich Wasser bei starken Niederschlägen unkontrolliert anstaut. "Der Erhalt des Status Quo ist mit einer zunehmenden Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verbunden", warnt die Stadtverwaltung.


Kommentar: Bürgerengagement im Abseits

Erst das Freibad Erfenschlag, nun die Talsperre Euba: Binnen weniger Wochen scheint das Aus für zwei Anlagen besiegelt, über die lange diskutiert wurde. Hohe Investitionskosten, unsichere Wirtschaftlichkeitsprognosen - in beiden Fällen ist das Nein nachvollziehbar. Problematisch ist es dennoch, weil zum wiederholten Mal das Engagement von hunderten Bürgern nicht belohnt wurde. Stadtverwaltung und Rathaus müssen aufpassen, dass sie Chemnitzer, die sich für etwas stark machen, nicht vergraulen. Verhindern lässt sich das entweder durch Entgegenkommen oder durch frühzeitige, ehrliche Aussagen über die realistischen Chancen derartiger Vorhaben.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 3
    1
    bürgerenergie
    12.01.2019

    Zu klären wäre zumindest, was denn die jetzt vorgeschlagene "Lösung" an jährlichen Folgekosten nach sich zieht. Auch die werden immens sein. Kein Wort aber dazu findet sich in der Verwaltungsvorlage, geschweige denn Jahreskostenvergleiche mit anderen Varianten, die ja auch Einnahmen, anderweitigen Nutzen (bspw. Hochwasserschutz) und eine Belebung der Stadt bedeuten würden.

    Und zur Frage der an die ehem. Gemeinde Euba mit dem Eingemeindungsvertrag gegebenen Zusage zur Errichtung eines Bades schweigt mach sich vollkommen aus. Was hält man von Rechtsverbindlichkeit?

    Die baulichen Grundlagen und Erfordernisse sind vollständig und gut dargelegt, bei den Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und der Investorenrecherche atmet die Vorlage dagegen geradezu die viel zu oft erlebte Ambitionslosigkeit.

    Und: Niemand müsste sofort alles sanieren, man müsste nicht sofort 8 Mio. Euro ausgeben. Es genügte zunächst in den kommenden 2 Jahren eine Sicherung gegenüber Hochwassereinstau und ein Aufhalten des weiteren Verfalls. Dafür ist das Geld im Haushalt eingestellt. Doch parallel dazu DARF keine Entwidmung erfolgen. Denn dies bedeutete das ENDGÜLTIGE Aus für alle Zukunftspläne.

    Der Antrag von B90/Grüne, SPD und Vosi/Piraten zur Wiederbelebung der Talsperre hat da deutlich tiefergehende Aussagen gefordert, als uns jetzt hier zur Entscheidung vorgelegt werden.

    Auf dieser dünnen Grundlage darf eine solch weitreichende Entscheidung nicht gefällt werden. Eine Entscheidung, die uns wieder einmal im Nachhinein (auch finanziell) teuer zu stehen kommen könnte.

    Bernhard Herrmann
    Stadtrat



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...