Talsperren im Erzgebirge nur halb voll

Wegen der Trockenheit waren die Wasserstände stark gesunken. Besserung ist zwar in Sicht. Doch langfristig könnte der Klimawandel neue Herausforderungen bringen.

Annaberg-Buchholz.

Ein solch trockenes Jahr hat Ulf Winkler noch nicht erlebt. Lag schon das Frühjahr in Sachen Niederschlag unterm Durchschnitt, sei es zwischen Mai und November extrem trocken zugegangen. Folge des Naturereignisses: Die Talsperren des Erzgebirges sind inzwischen nur noch zur Hälfte gefüllt. Doch Sorgen um die Trinkwasserversorgung müsse sich keiner machen, betont Winkler, der bei der Landestalsperrenverwaltung für das Referat Wassermengenbereitstellung zuständig ist. Zwar habe es zwischenzeitlich immer mal wieder Regen gegeben, sagt er. Weil aber der Boden sehr ausgetrocknet war, kam kaum etwas in den Flüssen an. Die teils ausgedörrte Natur nahm viel Wasser auf. Über die Flüsse werden die Talsperren maßgeblich gespeist.

Winkler hat Zahlen parat. So befinden sich in der Talsperre Eibenstock aktuell 34,7 Millionen Kubikmeter Wasser. Die angestrebte Füllmenge liege bei 64,6 Millionen Kubikmetern. Bei anderen Bauwerken sieht es ähnlich aus. Saidenbach: 11,9 statt 19,36 Millionen Kubikmeter; Cranzahl: 1,64 statt 2,85 Millionen; Stollberg: 563.000 statt 1 Million. Die Füllmengen bewegen sich somit zwischen 54 und 62 Prozent.

Doch ein Ende der Probleme ist in Sicht. "Wir sind optimistisch, dass die Füllmengen in den kommenden Monaten wieder deutlich ansteigen", so Winkler. Üblicherweise stehen mit dem Winter und dem Frühjahr nun die feuchten Monate bevor - auch wenn es in dieser Zeit bei den Zuläufen große Schwankungen gebe. Schuld trage das veränderte Klima. Gab es früher meist eine geschlossene Schneedecke, die nach dem Winter schmolz, wechseln sich Regen, Schneefall sowie Tauwetter nun häufig ab, erklärt Winkler. Und tatsächlich: Dass sich die Talsperren langsam wieder füllen, zeige sich bereits. So stiegen zuletzt die Zuflüsse leicht an.

Doch was passiert, wenn es auch in den kommenden Jahren trocken zugeht? "Davon ist nicht auszugehen. Mehrere solche Jahre infolge sind sehr unwahrscheinlich", sagt Winkler, schränkt aber ein: In den 1960er-Jahren habe es so etwas schon einmal gegeben. Seitdem seien Vorkehrungen getroffen worden. Als Beispiel nannte er das Überleitungssystem: Geht einer Talsperre das Wasser aus, können andere einen Teil an sie abgeben.

Der Klimawandel ist bei der Landestalsperrenverwaltung dennoch längst ein Thema. Langfristig müsse über Lösungen nachgedacht werden. Winkler kann sich vorstellen, dass das Netz ausgebaut wird. Selbst eine neue Talsperre sei denkbar. Dafür komme im Erzgebirge die Kammregion infrage. Diesbezüglich gebe es diverse Herausforderungen. Ein ausreichendes Wassereinzugsgebiet würde benötigt. Die Finanzierung müsste gesichert sein, der Naturschutz berücksichtigt werden. Vor allem brauche es aber genügend Akzeptanz in der Bevölkerung.


Spezielle Leitungen sichern die Trinkwasserversorgung

Der größte Teil der 23 sächsischen Trinkwasser-Talsperren befindet sich im Erzgebirge. Hinzu kommen im Freistaat etwa 40 Brauchwassertalsperren. Während erstere - wie der Name sagt - die Trinkwasserversorgung sichern, dienen letztere der Industrie. Wichtig sind die Bauwerke auch für den Hochwasserschutz.

Ein komplexes System verbindet die Talsperren miteinander. Mit Hilfe von Leitungen und Stollen kann das Wasser eines Bauwerkes zu einem anderen fließen. So wird sichergestellt, dass die Regionen auch bei Trockenheit versorgt werden können.Unter anderem ist dafür ein umfangreiches Pegelmessnetz nötig. (geom)

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