Tempo 30 vor Schulen und Kitas - Eltern müssen geduldig sein

Seit Sommer 2017 müssen Autofahrer vor einigen Kindereinrichtungen den Fuß vom Gas nehmen. Vor anderen gilt weiterhin Tempo 50. Warum braucht das Rathaus für die Umsetzung einer neuen Vorschrift so lange?

Limbach-Oberfrohna.

Vor der Thomas-Müntzer-Grundschule in Rußdorf gilt Tempo 30, vor der Grundschule in Kändler darf aber Tempo 50 gefahren werden. Vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium stehen schon seit Jahren Tempo-30-Schilder, vor der Gerhart-Hauptmann-Schule fehlen sie aber. Wie ist das zu erklären? Solche Fragen stellen Eltern immer wieder, wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht.

Seit 2017 können Verkehrsbehörden Tempo 30 auch dann vor Schulen, Kitas und Pflegeheimen anordnen, wenn diese an stark befahrenen Straßen liegen. Im August 2017 wandte die Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna die neue Regelung erstmals vor der Kita "Spatzennest" an der Hohensteiner Straße an. Aber warum haben die Verantwortlichen auch jetzt, anderthalb Jahre später, noch nicht jede Einrichtung in den Blick genommen?

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Tino Müller, Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Rathaus, bittet um Verständnis dafür, dass sich der Prozess hinzieht. Er und seine vier Mitarbeiter müssten sich um zahlreiche Aufgaben kümmern: Umleitungen für Baustellen festlegen, an der Erstellung des neuen Generalverkehrsplans mitwirken. Da bleibe das Thema Tempo 30 auch mal einige Tage liegen. Und angesichts von etwa 20 Schulen und Kitas in der Stadt könne man nicht alle Einrichtungen auf einmal bearbeiten - nur drei seien parallel machbar.

Müller räumt zudem mit einer falschen Vorstellung auf: Die Stadt könne es sich nicht einfach machen und vor jeder Schule und vor jeder Kita Tempo-30-Schilder anordnen. Es komme auf den Einzelfall an. Man müsse sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Rathaus-Mitarbeiter schauen sich laut Müller beispielsweise an, wie viele Fußgänger vor den Bildungseinrichtungen unterwegs sind und ob sich durch parkende Autos Probleme ergeben. Zudem fließen Daten wie die Anzahl der Fahrzeuge auf der jeweiligen Straße in die Analyse ein.

Ein Kriterium für die Anordnung von Tempo 30 ist laut einer Verwaltungsvorschrift, dass die Einrichtung einen direkten Zugang zur Straße besitzt. Als Beispiel nennt Müller die Grundschule Pleißa: "Sie liegt abseits der Hohensteiner Straße." Dort Tempo 30 anzuordnen, sei weder rechtens noch sinnvoll. Zudem spielt bei der Prüfung eine Rolle, ob es bereits eine Fußgängerampel, einen Zebrastreifen oder andere Vorrichtungen gibt, die die Sicherheit erhöhen. Zwar steht die Analyse der Situation vor der Grundschule in Kändler noch aus. Oberste Priorität habe sie aber nicht, erläutert der Leiter der Verkehrsbehörde, weil dort bereits eine Ampel vorhanden ist. Ähnlich die Lage an der Goetheschule: Ampel und Geländer sorgen aus Sicht der Schulleitung für einen reibungslosen Ablauf. Müller sieht das ähnlich. Zwar hat er noch nicht geprüft, ob Tempo 30 auf der Jägerstraße angebracht ist. "An der Goetheschule ist der Handlungsbedarf aber nicht am größten."

Keinen Sinn sieht der Leiter der Verkehrsbehörde darin, Tempo 30 vor Einrichtungen anzuordnen, die an wenig befahrenen Nebenstraßen liegen. Dazu zählen zum Beispiel die Kitas "Bärenstark" an der Heinrichstraße in Oberfrohna und "Wirbelwind" am Jahnweg in Kändler. Für gefährlicher hält Müller die Lagen vor der Gerhart-Hauptmann-Schule an der Frohnbachstraße, der Pestalozzischule an der Georgstraße und der Förderschule Am Stadtpark an der Querstraße. Diese Schulen will er als nächste in den Blick nehmen. Müller geht davon aus, dass bis Ende des Jahres für alle Kindereinrichtungen feststeht, ob die Höchstgeschwindigkeit dort herabgesetzt wird oder nicht.

Schon beschlossene Sache ist, dass vor der Kita an der Lindenstraße bald nur noch Tempo 30 gefahren werden darf. Die Schilder sollen aber erst aufgestellt werden, wenn der Ausbau der Straße abgeschlossen ist. Vor der Kita in Wolkenburg hat die Verkehrsbehörde bereits im Januar Tempo 30 angeordnet. Der Landkreis Zwickau, der für die Kreisstraße zuständig ist, hat die Schilder bislang aber nicht aufstellen lassen.


Hier gilt Tempo 30

Vor folgenden Schulen und Kitas

in Limbach-Oberfrohna sind seit einer

Gesetzesänderung Tempo-30-Schilder

aufgestellt worden:

August 2017: Thomas-Müntzer-Grundschule, Waldenburger Straße; Kita "Spatzennest", Hohensteiner Straße.

November 2017: Grundschule Bräunsdorf, Untere Dorfstraße; Kita

"Krümelkiste", Pleißenbachstraße.

Januar 2019: Kita Waldenburger Straße.

Vor einigen Bildungsstätten wie

dem Albert-Schweitzer-Gymnasium

und der Kita Am Hohen Hain durften

Verkehrsteilnehmer schon vor der

Gesetzesänderung maximal mit

Tempo 30 fahren. (jop)

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