Therapeutischer Spaziergang mit tierischem Kuschelfaktor

Mit ihren fünf Alpakas fährt Heike Parthum aus Langenchursdorf in Altenheime und Schulen. Die Tiere sind feinfühlig - haben aber auch ihren eigenen Willen.

Langenchursdorf/Chemnitz.

Marcels Gesicht ist ein einziges Strahlen. "Komm", sagt der kleine Junge mit dem braunen Wuschelkopf und streckt die Hand aus. "Du musst unbedingt streicheln." Dann packt er einen bei der Hand und zieht. Vor Carlos bleibt er stehen. Das ist der Chef der Alpaka-Herde, Marcels Liebling. Dem Puschelhals auf Augenhöhe, greift Marcel in das Fell - doch Carlos biegt den Hals zur Seite. Alpakas haben durchaus ihren eigenen Willen.

Einmal in der Woche sind die fünf plüschigen Gesellen in der Chemnitzer Janusz-Korczak-Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche zu Gast. In einem großen Garten gehen die Unterstufenschüler freitags mit den Alpakas spazieren - oder auch andersherum.

Christoph Ulrich

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Eigentlich wohnen die Tiere in Langenchursdorf. Sie gehören Heike Parthum und sind seit 2012 Therapie-Alpakas: Parthum fährt mit ihnen in Altenheime - und eben in Schulen. Marcel und seine Klasse kennen die fünf schon seit fast zwei Jahren. "Manche Kinder waren ängstlich am Anfang", sagt Heike Parthum. Das habe sich gegeben. Nicht nur die Überwindung sei es, die hilft, sagt die Alpaka-Mama. Die Kinder müssten lernen, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen, Rücksicht zu nehmen.

Die Schüler dürfen die Tiere füttern, Möhrenscheibchen von der flachen Hand. Nach der zweiten Runde um den Garten hat sich das anfängliche Knäuel aus Kindern, Leinen und Fell entwirrt. Die Tiere helfen den Kindern dabei, Ruhe zu finden, sagt Katja Gedlich, die als pädagogische Fachkraft den Unterricht begleitet.

Aber nicht nur die Kinder nehmen Rücksicht - auch die Tiere tun es. "Sie lassen sich von den Kindern mit Handicap deutlich mehr gefallen." Wenn eines mal zu etwas rabiat an der Leine zieht etwa, oder aber ungewollt nahekommt.

Und dann reicht es Carlos doch. Marcel soll mit ihm kuscheln, fürs Foto, Klassenkamerad Ali will auch, dann noch mal Marcel. Carlos biegt den Hals. Flopp. Der Herdenchef hat Markus ein Stück Möhre gegen das Ohr gespuckt. Carlos war's zu viel, erklärt Pädagogin Gedlich. Marcel lacht schon wieder, gleich gibt es Mittag.

Die Alpakas drehen noch zwei Runden mit der nächsten Gruppe. Dann steigen sie in Heike Parthums Transporter - und haben Feierabend, die fünf Therapeuten mit Fell.

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