Tiefbaufirma expandiert im Hartmannsdorfer Gewerbegebiet

Mit Erdverkabelung, Breitbandausbau und Tiefbau für Geschäftshäuser steigert ein Unternehmen den Umsatz. Jetzt gibt es neue Pläne.

Hartmannsdorf.

Die Werbung mit dem blauen Hönisch-Bau-Schriftzug sieht man derzeit in der Region öfters: Tiefbauarbeiten für Geschäftshäuser am Getreidemarkt in Chemnitz, Gräben für Breitband-kabel und Rohrleitungen im Erzgebirge, Mittelsachsen und im Umkreis des Firmensitzes im Hartmannsdorfer Gewerbegebiet. "Wir sind breit aufgestellt", sagt Geschäftsführer Philipp Hönisch. Die Nachfrage nach Tiefbauleistungen sei enorm, es werde viel investiert. Deshalb habe er sein Unternehmen erweitert und moderne Baumaschinentechnik angeschafft. "Wir profitieren vom Bauboom, auch bedingt durch staatliche Förderung", sagt der 37-Jährige.

Seinen Firmensitz verlegte das Unternehmen vom Burgstädter Gewerbegebiet in Herrenhaide an die Mühlauer Straße in Hartmannsdorf. "Dort haben wir eine bessere Erweiterungsfläche", sagt der gelernte Straßenbauer. Von einem in Insolvenz gegangenen Unternehmen wurde das 6500 Quadratmeter große Gelände samt Halle, Bürogebäude und Freifläche gekauft. Durch einen Um- und Ausbau wolle er die Bürofläche auf 400 Quadratmeter verdoppeln. Zurzeit liefen die Umbauten. In Burgstädt bleibe aber die Werkstatt bestehen, ergänzt er. Einher gehe die Erweiterung des Maschinenparks. Insgesamt sollen dieses Jahr 1,2 Millionen Euro investiert werden. Der Kauf einer zweiten Bohranlage koste allein eine Dreiviertelmillion Euro. Voriges Jahr seien in neue Maschinen und Gebäude rund 1,5 Millionen Euro investiert worden. "Wir passen uns der Zeit an", sagt der Burgstädter. Um beispielsweise einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, werde weitestgehend auf schadstoffarme Antriebe bei Baumaschinen und Transportfahrzeugen gesetzt, so Hönisch. Das beachte er auch bei Mietgeräten und Nachunternehmen. Zum Fuhrpark gehören zurzeit 38 Fahrzeuge und 20 Bagger.

Für dieses Jahr peilt die Hönisch Bau GmbH einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro an. Im vergangenen Jahr waren es 5,8 Millionen Euro. Ein Hallenneubau sei ab 2021 geplant. "Wir wachsen stetig", sagt der Geschäftsführer. Dabei scheint der Burgstädter "rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt zu haben". Denn nachdem er bei einem Bauunternehmen in Hartmannsdorf gelernt hatte, einige Jahre auf Baustellen im Westen unterwegs war, stand für ihn 2005 fest: "Ich mache mich selbstständig." Er habe gesehen, wo was nicht funktioniert, "deshalb wollte ich es besser machen", fügt er hinzu.

Während er am Vormittag auf der Schulbank saß, um sich zum Bautechniker weiterzubilden, baute er nachts beim Tunnel des Überfliegers in Chemnitz mit, erinnert er sich. Als Ein-Mann-Betrieb begann er, mittlerweile hat er 50 Mitarbeiter. Zudem kaufte er 2015 den Tiefbaubereich einer Chemnitzer Firma und übernahm die Mitarbeiter. Dieses Jahr könne er erstmals einen Lehrling ausbilden, so Hönisch.

Und der Fachkräftemangel? "Der geht auch bei uns nicht spurlos vorüber", sagt Hönisch. Aber er schaffe Anreize, um Mitarbeiter zu halten. So habe er sich größtenteils von Aufträgen im weiter Entfernung verabschiedet. Seine Baustellen liegen meist im Umkreis von 100 Kilometern, sodass die Mitarbeiter nicht auf Montage brauchen, "abends wieder bei der Familie sind", sagt der zweifache Vater. Er setze auf flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten. Zwar sei der Altersdurchschnitt in der Firma mit 42 Jahren relativ hoch, aber er habe vor allem erfahrene, verlässliche Arbeiter, so Hönisch. Auch stellte er voriges Jahr einen Flüchtling aus Afghanistan ein, "der macht seine Arbeit prima", ergänzt er.

Dabei habe er stets schon einige Jahre vorausgeschaut, erläutert er. Noch vor der Breitbandoffensive und Erdverkabelung der Stromtrassen spezialisierte er sich für Tiefbauarbeiten mit besonderer Technik wie die grabenlose Rohrverlegung. Denn das Verlegen von Kunststoffrohrleitungen in geschlossener, grabenloser Bauweise biete viele wirtschaftliche und ökologische Vorteile, sagt Hönisch. Dabei werde wenig Fläche beansprucht, könnten Altrohre genutzt werden und würden Anwohner geringer belastet. Zudem verringere sich die Bauzeit, ergänzt er. Deshalb kaufe er dieses Jahr die zweite moderne Bohranlage.

Logistikbranche, Bahn-Infrastruktur, Kabeltrassen für Stromversorger und Telekommunikationsbranche - für die nächsten Jahre hat das Bauunternehmen ausgesorgt. Und was kommt danach? "Das deutet sich schon an", sagt Philipp Hönisch. Ingenieurbüros würden bereits Aufträge von Deponiebetreibern erhalten, sagt der Burgstädter. Durch eine Gesetzesnovelle müssten Deponien besser abgedichtet und vor Wassereinbruch geschützt werden, sagt Hönisch. Nachhaltige Bauten seien gefragt. Deshalb bereite er sich für diesen Bereich vor. "Deponien, Stromversorgung, Renaturierung - dahin geht es", sagt der 37-Jährige.

Mit den Investitionen liegt die Firma Hönisch-Bau im Trend. Die Auftragsbücher der deutschen Bauwirtschaft sind laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz zufolge so voll wie seit Jahrzehnten nicht mehr. "Die Spitze des Baubooms war im Frühjahr 2019 erreicht", sagt IHK-Vize-Chef Dietmar Richter. Im Kammerbezirk gibt es etwa 250 Bauindustrieunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, die einen Umsatz von 155,5 Millionen erzielen. Dabei wirke sich der Breitbandausbau aus. Allerdings mache sich ein Rückgang bemerkbar, weil dieses Jahr die öffentlichen Aufträge im Straßenbau fehlten, aufgrund der fehlenden Fördermittel. Außerdem beklagten Baufirmen Fachkräftemangel, hohe Arbeitskosten und steigende Energiepreise. Kritisiert werden zudem langwierige Genehmigungsverfahren, Bürokratie und der fehlende Nachwuchs.

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