Tierpark plant Bau erster neuer Anlagen

Die Umgestaltung der beliebten Einrichtung könnte schneller beginnen als gedacht - und anders, als noch vor Wochen diskutiert.

Die Situation ist für einen Tierpark doppelt unschön: Mit dem Tod des schwer kranken Löwen Malik verlor die Einrichtung im vergangenen Jahr nicht nur ihren wohl größten Publikumsliebling. Nein, er hinterließ der Anlage auch noch ein Gehege, für das in seiner bisherigen Form kein Bedarf mehr besteht. Da der Tierpark keine Löwen mehr halten will, müssen Lösungen her. Zumal das leere Löwengehege sich unmittelbar am Eingang befindet und somit bei Besuchern auf längere Sicht für einen wenig einladenden ersten Eindruck sorgen könnte.

Perspektivisch ist für den Standort der Anlage ohnehin eine Umgestaltung geplant - im Zuge der Umsetzung eines vom Stadtrat im vergangenen Monat einstimmig beschlossenen Masterplans. Er sieht vor, den Tierpark innerhalb von etwa zwölf Jahren völlig neu zu konzipieren und schrittweise grundlegend umzugestalten. Das Leitthema wird künftig "Eine Zeitreise durch die Erdgeschichte" heißen und die Entwicklung des Lebens bis hin zur Menschwerdung nachzeichnen.

Dort, wo zuletzt Löwe Malik zu Hause war, soll dem Masterplan zufolge künftig eine Anlage für Hyänen eingerichtet werden, als Teil eines neuen Themenkomplexes zur Entwicklung des modernen Menschen im Ostafrikanischen Grabenbruch. Neben einem großen Savannenbereich mit Zebras, Gnus, Antilopen, Gazellen, Straußen und vielleicht sogar Nashörnern und Giraffen ist dort ein separates Gehege für Tüpfelhyänen vorgesehen, einer südlich der Sahara weitverbreiteten Raubtierart.

Tierpark-Direktorin Anja Dube, der für die Einrichtung zuständige Bürgermeister Miko Runkel und der frühere Chef des Zoos Münster, Jörg Adler, einer der Autoren des Masterplans, haben sich in dieser Woche darauf verständigt, das freigewordene Löwengehege nun möglichst rasch für die neuen Bewohner umzubauen. "Wir hoffen, dass die Hyänen noch in diesem Jahr einziehen können", so Tierpark-Chefin Dube.

Ebenfalls in möglichst nicht allzu ferner Zeit könnte Runkel zufolge mit dem Bau einer begehbaren Lemuren-Anlage begonnen werden. Von den auf Madagaskar heimischen Halbaffen und dem für sie geplanten künstlichen Wald erhofft sich der Bürgermeister einen Besuchermagneten. Als Standort für die Anlage ist ein Bereich unterhalb des Tropenhauses vorgesehen, in dem sich die Tierparkschule befindet. Sie soll laut dem Masterplan über kurz oder lang in einen Neubau im künftigen Eingangsbereich umziehen, der eigentlich als erster Schritt der Neukonzeption an der Nevoigtstraße entstehen sollte. Weil die Planungen für diesen Komplex mit Souvenir-Laden, Toiletten, Kassen- und Infobereich sowie dem Vivarium noch nicht abgeschlossen sind, muss eine Übergangslösung her. Bürgermeister Runkel könnte sich vorstellen, für pädagogische Angebote und den ebenfalls betroffenen Förderverein des Tierparks als Interimslösung Räume in einer zur Einrichtung gehörenden Villa an der Nevoigtstraße zur Verfügung zu stellen.

Das aus Sicht der Verantwortlichen drängendste Problem allerdings findet sich hinter den Kulissen - der Wirtschaftshof. Dessen Ertüchtigung gilt als Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Tierparks und genoss daher bei den Planungen hohe Priorität. 500.000 Euro wurden dafür bereitgestellt. Alles in allem stehen dem Tierpark für die Jahre 2019 und 2020 laut Bürgermeister Runkel 2,5 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung - zusätzlich zu den rund drei Millionen Euro, die jährlich für den laufenden Betrieb benötigt werden.

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