Tödlicher Unfall: Verursacher muss in Haft

Das Amtsgericht hat nach der Kollision auf dem Südring einen 35-jährigen Chemnitzer der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Die Details der Kollision offenbaren, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können.

Es war ein Bild des Schreckens, das sich Ersthelfern und Einsatzkräften am späten Pfingstsonntag des vergangenen Jahres auf dem Südring an der Kreuzung Helbersdorfer Straße/Wladimir-Sagorski-Straße bot. Ein schwarzer Audi lehnt an einem Lichtmast. Ein weißer VW-Transporter liegt völlig zerstört auf der Seite. Dessen Fahrer ist eingeklemmt, er erliegt trotz schneller Erster Hilfe noch vor Ort seinen schweren Verletzungen. Nach Angaben von Freunden war er auf dem Weg zu seiner Partnerin, am Vorabend seines 55. Geburtstags.

Der Unfall vom 4. Juni 2017 ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht aufgearbeitet worden. Angeklagt war ein heute 35-jähriger Chemnitzer. Die Staatsanwaltschaft warf ihm fahrlässige Tötung und Körperverletzung vor. Der Beschuldigte soll mit seinem Audi auf dem Südring in Richtung Neefestraße gefahren sein und die Ampel an der Kreuzung Helbersdorfer Straße überquert haben, als diese Rot für ihn gezeigt hat. Mitten auf der Kreuzung ist er demnach mit dem Transporter kollidiert, der von rechts kam und Grün hatte. Laut Staatsanwaltschaft stand der Unfallverursacher unter Alkoholeinfluss - 0,66 Promille - und war zu schnell unterwegs.

Der Angeklagte gab an, sich nur an die Stunden vor der Kollision und an das Aufwachen in seinem Auto nach dem Aufprall erinnern zu können, nicht aber an die Unfallfahrt und den Zusammenstoß: "Ich habe einen völligen Filmriss." Der Mann trug selbst schwere Verletzungen davon. Er ist bis heute krankgeschrieben, musste seinen Beruf als Messebauer aufgeben und lebt von Arbeitslosengeld II. Er entschuldigte sich bei der Familie des Opfers.

Seinen Schilderungen und denen mehrerer Zeugen zufolge ist folgendes passiert: Der Angeklagte und mehrere Bekannte trafen sich am Abend an einer Tankstelle an der Zschopauer Straße, wo sie Bier tranken. Später vereinbarte die Gruppe, ein Schnellrestaurant an der Reichsstraße aufzusuchen. Mit fünf Autos machten sie sich auf den Weg, der sie über den Südring führte. Übereinstimmend berichteten als Zeugen geladene Fahrer und Beifahrer der anderen Autos, dass die Kolonne anfangs mit leicht überhöhter Geschwindigkeit auf dem Südring unterwegs war - erlaubt sind 70 Kilometer pro Stunde. Ab der Kreuzung Annaberger Straße habe der Angeklagte das Tempo schlagartig erhöht - zur Verwunderung seiner Bekannten, die ihn überwiegend als vernünftigen Fahrer beschrieben. "Er ist an mir vorbeigezogen und hat richtig Gas gegeben", sagte einer der Kolonnenfahrer. Seinen Schilderungen zufolge sei zudem von weitem sichtbar gewesen, dass die Ampel an der Unfallkreuzung auf Rot steht.

Laut einem Unfallgutachter ist das Auto des Angeklagten dort mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde ungebremst in den von rechts kommenden VW-Bus gerast. Die Ampel habe zu diesem Zeitpunkt bereits 15 Sekunden lang Rot für den Beschuldigten gezeigt. "Er hätte noch problemlos bremsen und anhalten können", sagte der Gutachter. Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten vor, "rücksichtslos und vom Alkohol enthemmt" agiert zu haben. Er forderte drei Jahre Haft. Der Verteidiger plädierte für eine Geld- oder Bewährungsstrafe. Er sprach von "Augenblicksversagen" seines Mandanten, der zuvor nie auffällig gewesen sei. "Das war fahrlässig, aber nicht vorsätzlich."

Das Schöffengericht befand den Angeklagten der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung für schuldig und verhängte eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und acht Monaten. Zudem wird dem Mann für dreieinhalb Jahre der Führerschein entzogen. Der Angeklagte habe "den großen Macker" spielen wollen, sagte die vorsitzende Richterin. Und er habe noch Glück gehabt, denn es hätte noch mehr Tote geben können: Nur Sekundenbruchteile vor dem Zusammenprall hatte ein Radfahrer die Kreuzung überquert. Einen Schutzengel müsse zudem der Beifahrer des Verurteilten gehabt haben: Er saß unangeschnallt im Auto und wurde in den Fußraum geschleudert, überlebte aber mit schweren Verletzungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Geldstrafe für Busfahrer

Nur wenige Wochen nach dem tödlichen Unfall an der Kreuzung Südring/Helbersdorfer Straße hatte es an gleicher Stelle erneut eine Kollision gegeben. Am 27. Juni 2017 war ein Linienbus frontal gegen den Mast einer Behelfsampel geprallt. Bei dem Unfall wurden annähernd 20 Personen verletzt, drei von ihnen schwer. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass der Busfahrer zu schnell unterwegs war. Gegen ihn erging ein Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung in 19 Fällen. Die Geldstrafe wurde auf 1500 Euro festgesetzt. (dy)

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