Tödlicher Unfall: Verursacher muss in Haft

Das Landgericht hat einen jungen Mann wegen einer folgenschweren Kollision auf dem Südring zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sein damaliger Beifahrer fand deutliche Worte.

Es ist der Vorabend seines 55. Geburtstags. Der Chemnitzer fährt gegen 23 Uhr mit seinem Kleinbus die Helbersdorfer Straße entlang, wohl - so berichten es Freunde später - auf dem Weg zu seiner Freundin. An der Kreuzung Südring stoppt er, weil die Ampel für die Geradeausspur Rot zeigt. Als sie auf Grün umschaltet, rollt er langsam los. Wenige Sekunden später fährt ihm ein von links kommender Audi in die Seite - ungebremst und mit großer Wucht. Der Kleinbus wird wie eine Banane durchgebogen und landet auf dem Dach. Der 54-jährige Fahrer stirbt noch an der Unfallstelle an seinen schweren Verletzungen.

Der Unfall, der sich am späten Abend des 4. Juni 2017 ereignete, ist nun erneut juristisch aufgearbeitet worden. Bereits im Oktober hatte das Amtsgericht den Unfallverursacher - einen 36-jährigen Chemnitzer - wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Dagegen waren sowohl der Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft in Berufung gegangen. Die Verteidigung plädierte für eine Bewährungsstrafe, die Staatsanwaltschaft für eine längere Haftstrafe.

Christoph Ulrich

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Vor dem Landgericht entschuldigte sich der Angeklagte bei der Familie des Opfers, die als Nebenkläger auftrat: "Mir tut das unheimlich leid und ich würde es gerne rückgängig machen." Am Unfalltag habe er sich mit Freunden an einer Werkhalle getroffen, um an Autos herumzuschrauben. Später habe man eine Tankstelle aufgesucht, weitere Freunde getroffen und entschieden, in Kolonne zu einem Schnellrestaurant zu fahren. Die Fahrt führte von der Zschopauer Straße auf den Südring Richtung Neefestraße. Was danach passierte, wisse er nicht mehr, so der Beschuldigte: "Ich habe einen völligen Filmriss." Das Nächste, an das er sich erinnere, sei die Behandlung im Rettungswagen.

Licht ins Dunkel brachten bei der Verhandlung im Oktober Fahrer und Beifahrer der anderen vier Autos aus der Kolonne. Ihren Schilderungen zufolge sei die Gruppe anfangs mit leicht überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Ab der Kreuzung Annaberger Straße habe der Angeklagte das Tempo als Einziger schlagartig erhöht - zur Verwunderung seiner Bekannten, die ihn überwiegend als vernünftigen Fahrer beschrieben. Alle wiesen zudem Spekulationen zurück, es sei ein Rennen gefahren worden.

Am Montag wurde erneut der Beifahrer des Unfallverursachers gehört. Er habe seinen Kumpel noch mit den Worten "Übertreib es nicht" gewarnt, als dieser beschleunigte und auf die Ampel zuhielt, die auf Rot schaltete, sagte er. Dann habe er sich auf einen Aufprall vorbereitet. Den überlebte der junge Mann, der nicht angeschnallt war, mit einer Schulterverletzung. Den Kontakt zu seinem Kumpel hat er abgebrochen. "Er hat nicht nur mein Leben gefährdet, sondern auch eins beendet. Er wollte an diesem Tag wohl den Max markieren", warf er ihm vor.

Einem Gutachter zufolge war der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Kilometern pro Stunde unterwegs, als der Unfall passierte - erlaubt sind 70 km/h. Zudem habe die Ampel zum Zeitpunkt der Kollision bereits für 15 Sekunden Rot gezeigt. Darüber hinaus hatte der Angeklagte 0,68 Promille Alkohol im Blut. Das Opfer habe keine Chance gehabt, zu reagieren, so der Gutachter.

Der Beschuldigte erlitt ebenfalls schwere Verletzungen, die ihn bis heute daran hindern, seinen Job als Messebauer auszuüben. Weil er selbst so stark geschädigt sei und zudem keine Vorstrafen und einschlägigen Eintragungen im Fahreignungsregister habe, plädierte sein Anwalt für eine Bewährungsstrafe. Er sprach zudem von einem Augenblicksversagen seines Mandanten.

Dem folgte der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts aber nicht. Er wies die Berufungen zurück, der Angeklagte muss also für zwei Jahre und acht Monate in Haft. "Sie waren zu schnell, zu betrunken und es war Rot", so der Richter zum Angeklagten. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

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