Transporter soll gezielt auf Gäste bei Hexenfeuer zugerast sein

Massenschlägerei mit sechs Verletzten, Polizei-Einsatz, Krankenwagen: So endete in Thalheim ein Volksfest in der Nacht zum Montag. Bei der Fahrt eines Minibusses kam noch kein Mensch zu Schaden, dann floss jedoch Blut.

Thalheim.

Es ist eine furchtbare Nacht für Thalheim gewesen. Eine Nacht, die zum Glück nicht in einer Katastrophe endete: Erst steuert ein Transporter offenkundig auf eine Menschenmenge zu. Dann steigen mehrere Männer aus und lösen eine Massenschlägerei aus.

Der Polizeibericht - nach mehr als einem Tag danach, gestern um 10.01 Uhr über den Ticker eingegangen -liest sich wie eine Horrormeldung: Nach ersten Erkenntnissen fuhr in jener Nacht gegen 1.30 Uhr ein mit acht Personen rumänischer Herkunft besetzter Citroen-Transporter auf das große Parkplatz-Areal, auf dem das Hexenfeuer in Thalheim veranstaltet wurde. "Das Fahrzeug soll dabei auch gezielt auf Besucher gelenkt worden sein", heißt es in der Polizeimeldung. Verletzt wurde niemand. Doch damit nicht genug. Kurz darauf kam es zur Schlägerei zwischen Fahrzeuginsassen und Gästen der Veranstaltung, bei der auch Schlaggegenstände eingesetzt worden sein sollen. Welche, das wollte die Polizei mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Die Verletzten wurden ambulant behandelt.


Fünf Stunden nach dieser ersten Polizeimeldung - also gegen 15 Uhr am gestrigen Nachmittag - ist der 28-jährige Fahrer des Transporters schließlich der Haftrichterin vorgeführt worden, sagte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von "Freie Presse". Sprecherin Dagmar Riedel: "Es geht hier um die Möglichkeit des versuchten Totschlags." Bei den anderen Beteiligten werde hinsichtlich des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung ermittelt.

Um 16.04 Uhr kam dann diese abschließende Meldung von Polizei und Staatsanwaltschaft: Der Tatverdächtige befinde sich wieder auf freien Fuß. "Auch die übrigen tatverdächtigen Insassen im Alter von 19 bis 34 Jahren durften die Dienststelle nach Abschluss der ersten polizeilichen Maßnahmen wieder verlassen." Eine Begründung dieser Entscheidung war gestern nicht mehr abfragbar - die Pressestellen sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Polizei waren nicht mehr besetzt.

Ein Motiv der Tat ist zur Stunde unklar. Die Fragen bleiben: Wollte der Fahrer des Transporters wirklich Menschen verletzen - oder gar töten? Und war die Fahrt der Auslöser der Schlägerei oder gab es im Vorfeld schon einen Grund?

Vor Ort war auch Thalheims Bürgermeister Nico Dittmann. Schließlich sei die Stadt ja dieses Jahr Veranstalter gewesen. "Aus meiner Sicht hat sich während der Hexenfeuer-Feier keine sonderbare Stimmung oder dergleichen hochgeschaukelt. Ganz im Gegenteil: Es war eine sehr schöne Veranstaltung - bis zu dem Zwischenfall." Laut Dittmann waren zu der Zeit noch etwa 50 bis 80 Leute am Feuer, die sich friedlich unterhalten und noch einen Absacker getrunken hatten. "Ich habe von dem Bus und den Schlägereien nicht gleich was mitbekommen, sondern erst, als der Streit eskaliert war. Dann habe ich mich um einen Verletzten gekümmert, den Notarzt gerufen." Der Verletzte habe laut Bürgermeister Dittmann wohl eine Platzwunde gehabt.

Laut Dittmann war die Veranstaltung von eigens beauftragten Sicherheitsleuten überwacht worden. Deren Einsatzende sei vertraglich auf ein Uhr am Morgen festgelegt worden - ebenso war zu dieser Zeit das Hexenfeuer als städtische Veranstaltung offiziell beendet, bis auf einen Stand waren alle Fahrgeschäfte abgebaut. Die Feuerwehr war auch nicht vor Ort, so eine Nachfrage von "Freie Presse" bei Thalheims Feuerwehrchef Frank Nittmann.

Zumindest konnte die Polizei die mutmaßlichen Täter im Zuge der Tatortbereichsfahndung in dem Transporter im Stadtgebiet stoppen. Das Fahrzeug und mutmaßliche Tatwaffen wurden sichergestellt.

Zeugenhinweise zur Auseinandersetzung sowie Hinweise von Personen die Foto- oder Filmaufnahmen vom Geschehen haben, nimmt die Polizei entgegen. Kontakt gibt es unter der Telefonnummer 0371/3873445 oder per Mail unter polizeidirektion.chemnitz@polizei.sachsen.de.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    karstenp
    03.05.2017

    Ich möchte die Begründung dieser Haftrichterin hören?!#!



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