Trauer nach tragischem Unfall - Freunde richten Gedenkort ein

Drei junge Männer haben gestern auf der Fahrt nach Hause ihr Leben verloren. Um sie trauern Familien, Freunde und Fußballfans.

Es herrscht etwas weniger Verkehr als an Wochentagen, wenn die Pendler aus Mittelsachsen nach Chemnitz zur Arbeit kommen. Dennoch - auch zum Sonntagmittag ist die Einfallstraße viel befahren. Tempo 100 darf die Tachonadel an dieser Stelle der Leipziger Straße, kurz vor dem Ortseingangsschild Röhrsdorf, anzeigen. Die meisten Fahrer reizen das Limit auf der fast schnurgeraden Strecke aus. Das Vorbeirauschen der Autos - für den jungen Mann, der im Seitengraben kauert, ist es eigentlich ganz nah. Und doch in diesem Moment so weit weg. Angelehnt an den mittleren von drei Bäumen, dreht er der Straße den Rücken zu. Er blickt über das weite Feld. Ein leerer Blick, der keinen Fixpunkt findet. Die Bierflasche, die neben ihm im Schnee steckt, soll wohl Halt bieten.

Die geschlossene Schneedecke glitzert. Nur die Fläche direkt vor ihm ist aufgewühlt. Neben zahllosen Fußspuren sind Glassplitter und kleine Plastikteile zu erkennen, die zu einem Auto gehörten. Rosafarbene Markierungen sind ein sicheres Zeichen für Polizeiarbeit. Unfallstellen werden so gekennzeichnet.

Der junge Mann trauert um seinen 19-jährigen Bruder. Er ist der jüngste der drei Insassen eines Opel gewesen, der gestern in den Morgenstunden, 4.30Uhr, von der Fahrbahn abkam, etwa 30 Meter weit geflogen, mit dem Dach gegen den ersten der drei Bäume geprallt ist und sich mehrfach überschlug, bevor er auf dem Feld liegen blieb. Der beschädigte Baumstamm und die abgeplatzten Rindenteile lassen erahnen, wie stark der Aufprall gewesen sein muss. Am Steuer saß ein 24-jähriger Mann. Mit ihm fuhren ein 19- und ein 28-Jähriger. Alle drei hatten nach den Angaben einer Polizeisprecherin keine Chance. Sie verstarben noch am Unfallort. Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr Röhrsdorf haben geholfen, die Opfer zu bergen. In dieser Zeit blieb die Straße gesperrt. Polizisten und ein Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams verständigten die Familien der drei jungen Männer. "Sie kamen aus Hartmannsdorf und waren auf dem Heimweg", erzählt der trauernde Bruder. Wie der Unfall passieren konnte? Er kann es sich nicht erklären. Vielleicht war die Fahrbahn überfroren, womöglich der Fahrer zu schnell? Die Polizei hat die Ursache noch nicht ermittelt.

Es ist mittags um eins, als zwei junge Männer auf der engen Heinrich-Heine-Straße ihr Auto abstellen. Die letzten Schritte zu den drei Bäumen gehen sie zu Fuß. Die Opfer, es sind ihre besten Freunde gewesen, sagen sie - in der Hand ein Strauß weißer Chrysanthemen, gebunden mit einer schwarzen Schleife. Es sind die ersten Blumen, die an der Unfallstelle abgelegt werden. Inzwischen ist das tragische Ereignis auch Thema in den sozialen Netzwerken. In Facebook-Kommentaren wird Fassungslosigkeit ausgedrückt und den Familien Kraft gewünscht, die Ereignisse zu verarbeiten.

Am späten Nachmittag ist die Heine-Straße fast zugeparkt. Freunde, Bekannte laufen schweigend zur Unglücksstelle, sehen fassungslos die Spuren im aufgewühlten Schnee. Auf dem Feld entsteht eine kleine Gedenkstätte mit Kerzen, Blumen und himmelblauem Schal. Auch die Fanszene des Chemnitzer Fußballclubs ist geschockt. Die drei jungen Männer sind leidenschaftliche Mitglieder des CFC-Fanclubs "Kreuzeiche Limbach-Oberfrohna" gewesen. Am Abend haben sich Anhänger des Vereins an der Unfallstelle verabredet, um ihren Freunden die letzte Ehre zu erweisen.

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...