Trotz Festnahme: Sprengungen von Automaten dauern an

Seit Ende September ist ein 33-Jähriger in Haft, der Geräte für Parktickets und Zigaretten geknackt haben soll. Dennoch gehen solche Straftaten weiter.

Die Hoffnung währte nur kurz. Am 27. September hatte die Polizei bekannt gegeben, dass ihr nach einer Serie von Automatensprengungen ein Ermittlungserfolg gelungen ist. Ein 33-Jähriger, der bereits am 30. Mai festgenommen worden war, habe gestanden, seit August 2018 insgesamt acht Automaten gesprengt zu haben. Mit dem dabei erbeuteten Geld hatte er offenbar seine Drogensucht finanziert.

Der Polizei zufolge hatte sich der Mann allein viermal an Parkscheinautomaten im Parkhaus des Klinikums an der Bürgerstraße sowie an Zigarettenautomaten in der Straße Schloßberg, in der Wittgensdorfer Straße und in der Auenstraße zu schaffen gemacht. Vorläufig festgenommen worden war der 33-Jährige, als Anwohner kurz nach der Sprengung eines Zigarettenautomaten an der Further Straße die Polizei alarmiert hatten. Er ist inzwischen in Haft. Die Polizei schließt nicht aus, dass er noch für weitere Automatensprengungen verantwortlich ist. Die Ermittlungen gegen ihn laufen immer noch, hieß es am gestrigen Donnerstag auf Nachfrage. Dabei werde auch geprüft, ob möglicherweise mehrere Täter an den Sprengungen beteiligt waren, um sich auf diese Weise Geld für den Kauf von Drogen zu beschaffen.

Denn schon Ende September, als der Mehrfachtäter bereits festgenommen war, begann eine neue Serie von Automatensprengungen, die nach wie vor andauert. Der jüngste bekannte Fall ereignete sich erst in den Morgenstunden des gestrigen Donnerstags. Gegen 4.45 Uhr hatte ein Anwohner der Turnstraße in Bernsdorf einen lauten Knall gehört und später den beschädigten Zigarettenautomaten gesehen und die Polizei informiert. Deren ersten Erkenntnissen zufolge erbeuteten die Täter Zigaretten. Genauere Angaben zum Schaden liegen noch nicht vor.

Nur wenige Stunden zuvor war an der Straßenbahnhaltestelle Stollberger Straße/Dr.-Salvador-AllendeStraße in Helbersdorf ein Fahrkartenautomat aufgesprengt worden. Nach Polizeiangeben wurde die Geldkassette gestohlen. Wie viel Geld sich darin befand, sei noch unklar. Trotzdem wird die Höhe des entstandenen Sachschadens bereits mit etwa 30.000 Euro angegeben. Der Diebstahl könnte sich laut Polizei am Mittwochabend zwischen 21 und 23 Uhr ereignet haben. Denn in dieser Zeit habe eine Anwohnerin einen lauten Knall gehört, der mit der Tat in Zusammenhang stehen könnte.

Es war bereits der zweite gesprengte Fahrkartenautomat des Verkehrsbetriebes CVAG innerhalb weniger Tage. Im Zeitraum zwischen Montag- und Dienstagvormittag dieser Woche war versucht worden, einen Automaten am Gablenzplatz auf dieselbe Weise aufzubrechen. Auch dort entstand Sachschaden von etwa 30.000 Euro, obwohl der Automat verschlossen blieb und der Täter nicht an die Geldkassette herankam.

Für die CVAG waren diese beiden Fälle nach Angaben ihres Sprechers Stefan Tschök die ersten in diesem Jahr - abgesehen von Vandalismusschäden durch Beschmieren oder Zerkratzen. Wie viel Bargeld die Kassetten in den Automaten enthalten können, will das Unternehmen nicht öffentlich machen, um keine Begehrlichkeiten zu wecken, so Tschök. Zum finanziellen Verlust und den Kosten für die Reparatur oder den Neukauf der Automaten für die CVAG komme noch der erhöhte Aufwand für deren Kunden, sich Fahrscheine zu beschaffen. Um zumindest die Diebstahlsschäden zu verringern, prüfe der Nahverkehrsbetrieb derzeit eine häufigere Leerung der Automaten, berichtet der Sprecher.

Solche Probleme haben der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) und die Deutsche Bahn nicht. Der VMS betreibt selbst keine Automaten und auch die Bahn hat im Raum Chemnitz kaum noch welche aufgestellt, weil der Ticketverkauf den jeweils beauftragten Verkehrsunternehmen übertragen wurde. Eine Anfrage an die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) zu dem Thema blieb bisher unbeantwortet.

Auch vom Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) gab es bis Donnerstag keine Auskunft, wie viele von den rund 330.000 bundesweit betriebenen Zigarettenautomaten jährlich gesprengt werden. Auf seiner Internetseite empfiehlt der Verein als "Baustein zur Steigerung der Sicherheit am Zigarettenautomaten" spezielle Boxen, in denen Geldscheine bei Entnahme durch Unbefugte eingefärbt und damit unbrauchbar gemacht werden.

Die Polizei will zu laufenden Ermittlungen keine weiteren Details preisgeben, sucht aber Zeugen der jüngsten Automatensprengungen.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz unter Telefon 0371 387-3448 entgegen.

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