Trotz Kurzarbeit mehr Arbeitslose im Erzgebirge

Die Coronakrise und die mit ihr verbundenen Einschränkungen sind nun auch auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu spüren. Zugleich gibt es aber auch Grund für vorsichtigen Optimismus.

Annaberg-Buchholz.

Solidarität war das überregionale Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum 1. Mai. "Wachsende Arbeitslosigkeit muss verhindert werden, ebenso, dass Beschäftigte in die Grundsicherung abrutschen", war deshalb eine der Forderungen der Gewerkschaft - auch im Kreisverband Erzgebirge.

Die neue, stufenweise Regelung für das Kurzarbeitergeld reiche dafür noch nicht aus. "Denn gerade in unserer Region fallen sonst sehr viele Beschäftigte bei 100 Prozent Kurzarbeit durch niedrige Ausgangslöhne unter das Grundsicherungsniveau", macht Klaus Tischendorf deutlich, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Erzgebirge. Deshalb sprechen sich die Gewerkschafter auch für eine Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes aus.

Wie dominierend aktuell die Kurzarbeit auch in der Wirtschaft des Erzgebirges ist, belegen die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit aus Annaberg-Buchholz. Demnach haben seit Mitte März in der Region Erzgebirge 4458 Betriebe Kurzarbeit angezeigt. Davon betroffen sind nach Angaben von Agenturleiter Nino Sciretta 46.149 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Damit liegt der Erzgebirgskreis im Vergleich der der sächsischen Landkreise im Mittelfeld. Insgesamt weist die aktuelle Statistik für Sachsen mit 42 Prozent die höchste Betroffenheit im bundesweiten Vergleich aus. So haben 46.842 Unternehmen im Freistaat Kurzarbeit für 521.618 Frauen und Männer angezeigt - über nahezu alle Branchen hinweg.

Deshalb sagt Sciretta auch ganz deutlich: "Die wichtigste Aufgabe in diesen Zeiten bleibt die zuverlässige Zahlung von Geldleistungen, um Existenzen zu sichern. Nach wie vor hat dabei die Gewährung von Kurzarbeitergeld höchste Priorität." Um das gewährleisten zu können, seien in der Agentur für Arbeit in Annaberg-Buchholz unter anderem die Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr ausgeweitet worden, werde im Schichtbetrieb gearbeitet. So habe man bereits über 90 Prozent der gestellten Anträge entscheiden können, erklärt er. Ähnlich wie Sciretta bewertet auch CDU-Bundestagsabgeordneter Alexander Krauß die Situation und hat deshalb in seiner Botschaft zum 1. Mai die Unternehmen dazu aufgerufen, trotz der Krise keine Mitarbeiter zu entlassen. "Ich bin sicher, dass die Unternehmen am besten durch die Krise kommen werden, die ihre Beschäftigten halten und die weiter ausbilden", argumentiert Krauß. Die Kurzarbeit sei eine gute Möglichkeit, um auf Kündigungen zu verzichten. Sie sei ganz aktuell von 12 auf 21 Monate verlängert worden. Wer länger als ein halbes Jahr in Kurzarbeit ist, soll künftig 80 Prozent seines vorherigen Gehaltes als Kurzarbeitergeld erhalten. Wenn er oder sie Kinder hat, dann 87 Prozent.

Aber auch die erleichterten Zugangsvoraussetzungen zum Kurzarbeitergeld zur Vermeidung von Entlassungen konnten den Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Region zu Ende gegangenen Monat nicht aufhalten. 1000 Menschen aus dem Erzgebirgskreis haben sich nach Angaben von Sciretta aus der Erwerbstätigkeit heraus in die Arbeitslosigkeit gemeldet. Demgegenüber stehen aber auch annähernd 600 Erzgebirger, die sich aus der Arbeitslosigkeit wieder in eine Beschäftigung zurück melden konnten. Für Sciretta in "dieser extremen Situation" Anlass genug, um "vorsichtig optimistisch" zu sein. Insgesamt weist die aktuelle Statistik der heimischen Arbeitsagentur zum Ende des Monats einen Bestand von 8622 Arbeitslosen aus. Das sind 812 mehr als im März, was einem Anstieg um 10,4 Prozent entspricht. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich dadurch auf fünf Prozent. Ein Wert, der zuletzt in der Statistik von vor zwei Jahren zu finden ist: Im April 2017 lag die Arbeitslosenquote zuletzt über fünf Prozent, konstatiert der Arbeitsagenturleiter Sciretta.

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