Turbulenter Start für neue Gemeinderäte

Sitzungen im Rathaus Niederfrohna verlaufen meist harmonisch - nicht so die jüngste. Es gab Unmutsäußerungen, langwierige Wahlgänge und einen Losentscheid.

Niederfrohna.

Gemeinderatssitzungen in Niederfrohna dauern selten länger als eine Stunde. So gesehen haben die Lokalpolitiker bei der ersten Zusammenkunft der neuen Legislaturperiode, die fast zweieinhalb Stunden dauerte, deutlich überzogen. Diesen Umstand darauf zurückzuführen, dass mehrere Posten per Wahl vergeben werden mussten, griffe zu kurz. Die Stadträte in Limbach-Oberfrohna benötigten wenige Tage zuvor nur eine Stunde, um einige Wahlen mehr durchzuführen. Vielmehr traten im Gemeinderat gleich mehrere Konflikte zutage.

Die Turbulenzen begannen bei der Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters. Ortschef Klaus Kertzscher (Freie Wähler) führte aus, dass eine Bewerbung vorliege - die von Ines Polster-Peters (Freie Wähler). Jens Hinkelmann (CDU) war überrascht. Er habe seine Kandidatur zuvor mündlich Kertzscher mitgeteilt, sagte Hinkelmann, der seit sieben Jahren als stellvertretender Ortschef fungiert. Gegenüber der "Freien Presse" berichtet der 44-Jährige, dass er von Kertzscher das Signal erhalten habe, dass eine mündliche Aussage reiche und er sein Gesuch nicht schriftlich einreichen müsse. Der Bürgermeister weist diese Darstellung auf Nachfrage zurück: "Jens Hinkelmann hätte sich im Rathaus Limbach-Oberfrohna melden müssen." Dort werden im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft die Sitzungsunterlagen erstellt. Was mündlich besprochen worden sei, habe in dieser Hinsicht keine Bedeutung, ergänzt Kertzscher.

Am Rande der Sitzung lieferten sich Kertzscher und Hinkelmann, deren Verhältnis sonst als gut gilt, einen kurzen Disput und tauschten ihre gegensätzliche Sicht auf die Dinge aus. Der CDU-Politiker wurde schließlich von AfD-Gemeinderat Stefan Frünke als stellvertretender Bürgermeister vorgeschlagen. Hinkelmann gewann die geheime Wahl gegen Polster-Peters mit neun zu sechs Stimmen. Er erhielt also deutlich mehr Stimmen, als CDU (drei) und AfD (eines) gemeinsam Mandate stellen. Folglich müssen mehrere Vertreter der Freien Wähler den CDU-Kandidaten gewählt haben.

Auch für die nächste Überraschung sorgten die Freien Wähler. Gleich drei ihrer Gemeinderäte traten bei der Wahl des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters gegeneinander an. Zunächst bekundete Jürgen Jäger Interesse, dann Dirk Kärgling. Schließlich schlug Tony Rabe (CDU) Ines Polster-Peters vor. Als Hinkelmann vor dem Wahlgang Kärgling für dessen Engagement im Ort lobte, handelte er sich einen Rüffel von Kertzscher ein. Bei der Wahl setzte sich Kärgling mit neun Stimmen gegen Polster-Peters (fünf) und Jäger (eine) durch. Jäger sagt auf Nachfrage, dass man eigentlich nicht drei Kandidaten habe aufstellen wollen. "Das war so nicht geplant." Er habe selbst nur für den Fall kandidieren wollen, dass sich sonst niemand bewirbt, und es dann versäumt, seine Bewerbung zurückzuziehen.

Ihren dramaturgischen Höhepunkt erreichte die Sitzung, als die Wahl der Vertreter für die Verbandsversammlung des Abwasserzweckverbandes Frohnbach anstand. Mit Blick auf das Stimmenverhältnis bei der Kommunalwahl, bei der die Freien Wähler zehn der 14 Mandate errangen, stand es ihnen eigentlich zu, drei Vertreter zu entsenden. Die CDU lehnte den Vorschlag der Verwaltung jedoch ab, sodass alle Anwesenden aufgefordert wurden, Wahlvorschläge einzureichen. Sowohl die Freien Wähler als auch die CDU reichten daraufhin eine Namensliste ein. Beide Vorschläge erhielten sieben Stimmen. Erneut zogen es einige Gemeinderäte der Freien Wähler also vor, die CDU-Liste zu wählen. "Das ist nicht gut für die Freien Wähler", entfuhr es Jürgen Jäger, als das Ergebnis bekanntgegeben wurde. Als Folge zogen Jens Hinkelmann für die CDU und Harald Ring für die Freien Wähler in die Verbandsversammlung ein. Der dritte Platz musste wegen der Stimmengleichheit ausgelost werden. "Wir lassen heute nichts aus", stellte Dietrich Oberschelp fest. Der Limbach-Oberfrohnaer Stadtjurist leitete die Wahlgänge. Als Ergebnis des Losentscheids, bei dem Bürgermeister Kertzscher blind in ein Behältnis griff, komplettiert Frank Kretzschmar (Freie Wähler) die Verbandsversammlung.

Zum Abschluss der Sitzung äußerte Kertzscher einen Wunsch für die kommenden fünf Jahre: "Ich möchte, dass sich die Harmonie fortsetzt." Während der ersten Sitzung war davon wenig zu spüren.

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