Turmpassage soll zum Gesundheitszentrum werden

Das Gebäude im Limbacher Zentrum ist zuletzt meist durch Auszüge von Geschäften in die Schlagzeilen geraten. Jetzt gibt es einen neuen Mieter. Weitere sollen folgen.

Limbach-Oberfrohna.

Es ist ein imposantes Gebäude, mitten in Limbach-Oberfrohna. Zumindest von außen - denn wer die Turmpassage betritt, der kommt in eine Art Geisterhaus. Was nach der Wende ein erstes kleines Shoppingcenter mit Café, Spielzeugladen, Supermarkt und anderen Geschäften war, ist heute größtenteils leer und verlassen. Doch nun tut sich was: "Ein Anfang ist gemacht, und der geht in die medizinische Richtung", sagt Oliver Götte, Immobilienkaufmann aus Gera, der seit 2016 als Verwalter der Turmpassage tätig ist.

Demnach soll das Gebäude zu einer Art Gesundheitszentrum werden. Eine derartige Einrichtung zur ambulanten Versorgung, in der zahlreiche Ärzte und Physiotherapeuten arbeiten, ähnelt den Polikliniken in der DDR. Den Anfang macht zum 1.Juli eine Praxis für Innere Medizin. Der Innenausbaus der Praxis, die zur Poliklinik Chemnitz gehört und ihre Räumlichkeiten im vierten Obergeschoss bekommen soll, läuft derzeit auf Hochtouren. Vier männliche Ärzte werden ab Juli die Patienten mit Beschwerden im Bereich der Kardiologie und Angiologie versorgen - also sich mit Krankheiten des Herzens, des Kreislaufes und der Blutgefäße befassen.


Ganz neu in Limbach-Oberfrohna sind die aber nicht: Zwei kommen aus der Arztpraxis von Dr.Klaus Slonina an der Pestalozzistraße, der Ende des Monats in Rente geht und die Räume dort schließt. In Zukunft wird es also einen Spezialisten im Bereich der Kardiologie mehr in Limbach geben. Warum sich die Poliklinik Chemnitz jetzt in der Turmpassage ansiedelt, begründet Geschäftsführer Thomas Hohlfeld vor allem mit den Entwicklungsmöglichkeiten, die das Gebäude bietet. "Wir können uns vergrößern, und es gibt trotzdem immer noch Erweiterungsoptionen für die Praxis", sagt er. Zudem schätzt er die zentrale Lage, die Barrierefreiheit im Haus und die Parkmöglichkeiten als gut ein. Ab dem 8. Juli können Patienten die neue Praxis besuchen.

Verwalter Oliver Götte schwebt in den nächsten Wochen und Monaten eine Schönheitskur für das Innere der Turmpassage vor. Das Treppenhaus soll komplett renoviert, die Decken und Wände gestrichen, die Vorräume der Aufzüge erneuert und mit einem frischen Belag versehen werden. Zudem müsse die Beschilderung optimiert werden. "Wir brauchen eine ordentliche Struktur", so Götte. Im Außenbereich sollen zunächst die Fassadenseite zur Moritzstraße erneuert und die Parkplatzmarkierung aufgefrischt werden. "Es soll einfach alles endlich mal schick werden. Das sind wir auch den Mietern schuldig, die all die Jahre in dem Gebäude geblieben sind", so der Verwalter.

Der älteste Mieter ist Rechtsanwalt Frank Haselbauer, der der Turmpassage seit 1993 die Treue hält. Er hat in den letzten Jahren etliche Auszüge miterlebt und ist trotzdem geblieben. Warum? "Weil die Miete für die Kanzlei günstig ist und das Gebäude mit seiner zentralen Lage und ausreichend Parkplätzen verkehrsmäßig gut liegt", sagt Haselbauer. Dass nun Sanierungsarbeiten beginnen sollen, freut den Rechtsanwalt. "So lockt man sicher auch neue Mieter an", hofft Haselbauer.

Und die braucht die Turmpassage vor allem in den beiden unteren Etagen. Denn dort fällt der Leerstand durch die großen Schaufensterfronten am deutlichsten auf und stört Passanten. Dass sich das Gebäude zukünftig nur auf der medizinischen Schiene entwickeln soll, findet die Limbacherin Maria Herzog schade. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Haus so wirklich mit Leben gefüllt wird", sagt sie. Sie hätte sich gewünscht, dass sich, ähnlich wie zur Eröffnung des Hauses, wieder ein Café und Geschäfte ansiedeln. Das sieht auch die junge Mutter Carolin Kummer so. "Ein Ärztehaus nutzt man doch nur, wenn man krank ist. Und das ist ja in der Regel kein Dauerzustand", sagte sie. Dennoch sei sie froh, dass mit der Turmpassage nun endlich etwas passiert.


Eine frühere Fabrik als Geschäftszentrum

Die Ursprünge der Turmpassage gehen auf eine Textilfabrik zurück, die Moritz Samuel Esche 1853/54 an der Weststraße errichten ließ. Ab 1905 wurde das Gebäude umfangreich umgebaut und erhielt das heutige Aussehen - auch der markante Turm mit der Uhr kam zu jener Zeit hinzu.

1944 übernahm die Auto Union die Fabrik und ließ dort ein Zerlegewerk einrichten, in dem unter anderem Schrott verwertet wurde. Zu DDR-Zeiten wurden unter dem Dach des VEB Bremsenwerk Bremssysteme für den Wartburg hergestellt.

Der Umbau zu einem Büro- und Geschäftszentrum fand 1992 statt. Die dabei federführende Glockenturm-Gesellschaft hatte in den Folgejahren mit mehreren Auszügen von Läden zu kämpfen. 2009 kam es zur Zwangsversteigerung der Turmpassage. Seitdem haben die Besitzverhältnisse

mehrfach zwischen Immobilienunternehmen gewechselt. Derzeit tritt die Firma Vivet Asset Management als Verwalter auf. (bj/jop)

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