Umleitungsärger: Autofahrer greifen Tankstellenpächter an

Die Annaberger Straße ist gesperrt. Verkehrsteilnehmer versuchen, die weiträumige Umgehung zu vermeiden. Nach Auseinandersetzungen ist jetzt die Polizei präsent.

Harthau.

Tankstellenpächter Sergej Schumacher lebt derzeit gefährlich. Weil wegen Bauarbeiten die Annaberger Straße in Harthau gesperrt ist, nutzen viele Autofahrer das Tankstellengelände an der Annaberger Straße, das sich direkt gegenüber der Baustelle befindet, als Umleitungsstrecke. Sie ist erheblich kürzer als die offizielle, rund zehn Kilometer lange Umleitung, die über das Heckert-Wohngebiet und den Südring führt. Vor allem im Berufsverkehr ist deshalb auf dem Tankstellenareal viel los. "Stündlich fahren dann rund 100 Fahrzeuge hier vorbei", hat Schumacher gezählt. Der starke Verkehr sei heikel, weil auf dem Gelände jede Menge Benzin und Diesel gelagert ist. Sergej Schumacher hofft, dass kein Unfall passiert.

Gefährliche Situationen bleiben schon jetzt nicht aus. Am Sonntag hat er sich einem Auto in den Weg gestellt, dessen Fahrer über die Tankstelle abkürzen wollte. Obwohl er vor dem Auto gestanden habe, sei es trotzdem weitergefahren, sagt Schumacher. Er sei angefahren und auf die Motorhaube geschleudert worden, schildert der Tankstellenpächter die Situation. Jetzt werde gegen ihn ermittelt, weil er die Motorhaube beschädigt haben soll, sagt er. Die Polizei bestätigt, dass gegen den Pächter Anzeige wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung erstattet worden sei. Schumacher sagt, dass er dem Fahrer die Autotür zugeschlagen habe. "Daraufhin sagte er, er habe eine Beule bekommen." Da die Ermittlungen laufen, könne die Polizei keine weiteren Auskünfte dazu geben, erklärte eine Sprecherin.


Das ist nicht die einzige gefährliche Situation, die der Pächter seit Beginn der Vollsperrung am Montag vergangener Woche erlebt hat. Am Mittwoch sei er von drei Insassen eines Autos mit Chemnitzer Kennzeichen zusammengeschlagen worden. Ihr Auto sei "mit quietschenden Reifen" auf das Tankstellengelände gefahren, sagt Schumacher. Mit den Händen habe er versucht, dem Fahrer zu verstehen zu geben, dass er langsamer fahren soll, schildert er die Situation. Doch stattdessen sei das Auto auf ihn zugefahren und habe gehalten. "Drei Leute sind ausgestiegen und haben mich verprügelt", sagt Schumacher. Er musste ins Krankenhaus, dort habe man unter anderem Prellungen an beiden Knien und Händen sowie eine Verstauchung und Zerrung der Halswirbelsäule diagnostiziert. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein Unfall habe sich zudem am Samstag auf dem Tankstellengelände ereignet. "Ein Auto hat einen Radfahrer angefahren", gibt Schumacher eine Schilderung seiner Mitarbeiterin weiter. Krankenwagen und Polizei seien gekommen. Er selbst war zu dem Zeitpunkt nicht auf dem Gelände.

Mittlerweile komme mehrmals täglich die Polizei vorbei und kontrolliere die Fahrzeuge, die die Tankstelle verlassen. "Wer eine Quittung vorweisen kann, weil er getankt oder etwas gekauft hat, darf weiterfahren", sagt Schumacher. Wer keinen Einkaufsbeleg nachweisen könne, müsse Strafe zahlen. Die Polizei bestätigt, dass sie in unregelmäßigen Abständen Kontrollen durchführt. Es sei bekannt, dass Ortskundige den Weg über die Tankstelle als Abkürzung nutzen, so eine Sprecherin. "Dies kann jedoch nicht komplett unterbunden werden." Die Zufahrt zur Tankstelle müsse gewährleistet bleiben. Polizisten würden dort weiterhin unregelmäßig kontrollieren, kündigte sie an.

Das sind jedoch nicht die einzigen Probleme, die Sergej Schumacher momentan beschäftigen. Ihn sorgt besonders der starke Umsatzrückgang seit dem Start der Bauarbeiten. "In der vergangenen Woche habe ich rund 85 Prozent weniger als üblich eingenommen", sagt er. Verkaufe er sonst wöchentlich rund 17.000 Liter Kraftstoff, habe er vorige Woche um die 1200 Liter abgesetzt. Seine sechs Mitarbeiter könne er bei diesem Rückgang der Einnahmen kaum noch länger beschäftigen. Deshalb will er sich nun Hilfe holen und beim Arbeitsamt und der Stadtverwaltung um finanzielle Unterstützung nachfragen.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    VaterinSorge
    15.04.2019

    fnor kommt der Sache am Nächsten. Die Stadt Chemnitz ist dermaßen unkultiviert ihren Besuchern, Bürgern, Arbeitnehmern und Gewerbetreibenden gegenüber, dass sich jeder sofort eine für sich "clevere" Alternative sucht, um nicht die Schikanen über sich ergehen lassen zu müssen. Sei es der tägliche Stauwahnsinn, die unendliche Geschichte wenn man einen Parkplatz braucht, oder wie hier ein Versuch, eine 10 km Umleitung zu umgehen. Die Leittragenden sind sowohl Autofahrer, Bewohner, Pächter aber auch die Ermittlungsbeamten selbst. Irgendwann gewöhnt man sich daran und wird dann ständig gegen alles sein, was sich die Stadt ausdenkt, egal ob es sinnig oder unsinnig ist. So weit sind wir nun in Chemnitz und die Aggressivität wird noch zunehmen, wenn man am Ende des Jahres erst sieht, dass unter dem Strich bei allen Einschränkungen und städt. Widrigkeiten wieder nichts bei rausgekommen ist. Weder ist die Stadt schöner, noch sauberer oder gar barrierefreier geworden. Daher hab ich wirklich kein Verständnis für die städt. Baumaßnahmen, die wirklich unkoordiniert und unkontrolliert an allen Stadtteilen, von Röhrsdorf bis Harthau, von Rabenstein bis Glösa ziehen. Für mich ist diese Stadt die allerdümmste derzeit in Sachsen, denn was hier den Leuten zugemutet wird, ist wirklich nicht auszuhalten. Aber, weil es keine wirklichen alternativen Amtsträger, Bürgermeister oder Politiker gibt, die das mal in Ordnung bringen könnten, wird es wohl so bleiben und das Ventil immer wieder ein genervter Anwohner, ein Pächter oder gar ein Vollstreckungsbeamter sein, nur an die Schildbürgermeister der Stadt kommt man nicht ran.

  • 10
    3
    fnor
    09.04.2019

    Nach §2 StVO: Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, ... Eine Tankstelle gilt laut Fahrschule nicht als Fahrbahn und das Umfahren kostet 5 bis 20 Euro Strafe. Der Dumme ist hier der Pächter, der keinen Umsatz mehr hat dafür aber Probleme, weil die Stadt ohne Plan und Koordination immer wieder kleine Stücke von Straßen sperrt und baut anstatt mal an einer Stelle großflächig eine dauerhafte Lösung zu schaffen. Autofahrer die ständig wegen dieser Kleinstbaustellen lange Umwege fahren müssen sind dann natürlich genervt. Ich möchte niemand in Schutz nehmen, der durch die Tankstelle rast aber die Art und Weiße, wie gesperrt und gebaut wird ist auch nicht gerade ideal, nicht nur in Chemnitz.

  • 17
    1
    Hinterfragt
    09.04.2019

    @DTRFC2005; @CPärchen; das Zumachen der Tankstelle ist dummerweise die schlechteste Option für den Pächter. Stichwort UMSATZ, den braucht er nämlich zum Leben und um die Kosten decken zu können.

  • 13
    3
    DTRFC2005
    09.04.2019

    Das zeigt einmal mehr, wie verkorkst einige viele Mitbürger sind. Die Tankstelle ein paar Tage schließen ist eine Lösung, aber vielleicht nimmt sich ja ein Sicherheitsdienst der Problematik an. Oder der Pächter installiert ein Kamera, die Kennzeichen der Autos, die nur durchrasen könnten so aufgezeichnet werden. Anschließend eine Anzeige vom Pächter. Allerdings habe ich absolut keine Ahnung, ob das durchfahren einer Tankstelle im Sinne einer Umleitung statthaft ist oder nicht. Der Pächter wünsche ich jedenfalls viel Kraft.

  • 7
    13
    CPärchen
    09.04.2019

    Ich würde die Tankstelle einfach mal schließen für 3 Tage. Armer Pächter!



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