Uneinigkeit im Brunnendorf - Wasserleitungsbau in weiter Ferne

In Biensdorf fordern vier Grundstücksbesitzer den Anschluss ans Trinkwassernetz. Bisher erfolglos. Jetzt führen sie neue Argumente ins Feld.

Biensdorf.

Was für jeden das Normalste auf der Welt ist: Man dreht den Wasserhahn auf und es kommt klares Wasser aus der Leitung. Für die 46 Bewohner des Lichtenauer Ortsteils Biensdorf ist dies nicht immer der Fall. Denn sie wohnen in einem sogenannten Brunnendorf. Seit Jahrhunderten kommt das Nass aus Brunnen, meist sind mehrere Grundstücke an einer Anlage angeschlossen. Schon immer war das Wasserangebot abhängig vom Niederschlag und vom Grundwasserspiegel. Einige Biensdorfer ließen ihre Anlagen modernisieren, oftmals den Hausbrunnen tieferlegen.

"Bis 2015 haben wir mit fünf Familien unser Trinkwasser aus dem Brunnen der Nachbarin bezogen", sagt Karsten Fellmer. Dieser habe jahrzehntelang auch bei anhaltender Trockenheit über soviel Wasser verfügt, dass er ständig übergelaufen sei. "Doch 2015 hatte unsere Familie als erste kein Wasser", ergänzt seine Frau. Eine Notversorgung sei über Wasserwagen erfolgt. Doch schon bald sei bei den anderen Familien das gleiche Problem aufgetreten. "Weder die Gemeinde, noch der Zweckverband konnten damals Aussagen zu einer Wasserleitung machen", so Fellmer. Daraufhin habe er sich entschlossen, einen eigenen Brunnen bohren zu lassen. Mit Erfolg. "Wir investierten über 10.000 Euro und sind jetzt natürlich nicht mehr an einer Wasserleitung interessiert, auch aus Kostengründen - zumal wir schon 2013 eine vollbiologische Klärgrube bauen mussten."

Einen Dorfbewohner, der zu Befürwortern einer Wasserleitung gehört, hat es auch hart getroffen. Seit September 2018, nach dem trockenen Sommer, erhält er eine Notversorgung durch den ZWA. Der Verband stellte ihm zwei 500-Liter-Tanks kostenlos zur Verfügung, die bei Bedarf gefüllt werden. "Das ist nur eine Not- und keine Dauerlösung", sagt der Rentner. Er lehnt es aber ab, den Brunnen zu erweitern.

Laut ZWA-Befragung stimmten vier der 19 Hausbesitzer für einen Leitungsbau. Elf Eigentümer, wie Familie Fellmer, sprachen sich dagegen aus, vier Eigentümer enthielten sich der Stimme. Damit stand für den Versorger fest: Die Investition hat keine Priorität. "Es müsste eine Akzeptanz von 70 Prozent erreicht werden", sagt der kaufmännische Geschäftsleiter Dirk Kunze. Bei der Befragung hätten sich nur 21 Prozent dafür ausgesprochen.

Die vier Grundstücksbesitzer, die die Leitung fordern, wollen nicht kampflos aufgeben und führen mehrere Argumente für den Bau ins Feld. "Zum Zeitpunkt der Befragung war nicht bekannt, dass es Fördergeld für den Leitungsbau gibt", sagt Regina Sambale. Demzufolge würde der Anschluss für jeden Teilnehmer preiswerter. ZWA-Chef Kunze bestätigt, dass der Wasserversorger die Förderzusage für vier Maßnahmen habe. Drei weitere Anträge würden dieses Jahr noch gestellt - aber nicht für Biensdorf. "Wir prüfen zuerst, ob rechtlich eine Erschließungspflicht besteht, wenn das Interesse zu gering ist", erklärt er. Aber Kunze dämpft die Erwartungen: "Keinesfalls würden Fördermittel die Kostenanteile der Bürger reduzieren, da laut Richtlinie eine entsprechende Kostenbeteiligung der Bürger Fördervoraussetzung ist." Indirekt profitierten aber alle ZWA-Kunden über den späteren Wasserpreis, da dadurch die Kostensituation für den Verband verbessert werde, fügt er hinzu. Regina Sambale entgegnet, dass sich alle vier Grundstücksbesitzer an den Kosten beteiligen wollen.

"Aber wir müssen auch an die Zukunft denken", sagt eine andere Grundstückseigentümerin. Durch die Klimaerwärmung gebe es öfter heiße Sommer, der Grundwasserspiegel sinke. "Dann hat keiner mehr im Dorf Wasser", ergänzt sie. Keiner könne sich im 21. Jahrhundert vorstellen, wie nervenaufreibend es sei, immer wieder zu befürchten, dass das Wasser aus dem Brunnen versiege, so Sambale. Außerdem verweist sie auf eine im März 2019 durchgeführte Kontrolle des Brunnenwassers. "Die Auswertung ergab, dass das Wasser keine Trinkwasserqualität hat." Es seien coliforme Keime enthalten und der Säuregehalt sei zu hoch.

In Deutschland wird durch die Trinkwasserverordnung vorgeschrieben, dass bei einer feststellbaren Konzentration der coliformen Keime das Leitungswasser nicht mehr getrunken werden darf. Demzufolge liegt der Grenzwert bei 0 pro 100 Milliliter Wasser. Das heißt: Sie dürfen faktisch nicht nachweisbar sein. Laut Robert-Koch-Institut gibt es pro Jahr etwa 5000 bis 7000 Menschen in Deutschland, die Darmerkrankungen erleiden - verursacht durch die Keime. Die Bewohner der vier Haushalte versichern, dass sie deshalb nur Mineralwasser trinken.

Da keine Wasserversorgung sichergestellt sei, sei auch die Löschwasserversorgung nicht gewährleistet, verweist Sambale auf ein weiteres Problem. Doch Bürgermeister Andreas Graf (CDU) entgegnet auf Nachfrage: "Wir haben einen Brandschutzbedarfsplan zur Löschwasserentnahme." Dieser sei dieses Jahr erst überarbeitet worden. Sollte es Probleme geben, müsse auch überlegt werden, Zisternen (unterirdischer Wasserbehälter) zu errichten. Dies sei bereits in Ottendorf erfolgt und für Auerswalde geplant.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    cn3boj00
    29.09.2019

    Es ist absolut nicht zu begreifen, dass in einem hochentwickelten Land den Menschen kein Trinkwasser zur Verfügung gestellt wird. Eben so wenig ist zu verstehen, wieso die Trinkwasserversorgung kein Grundrecht ist und für einen Anschluss dem zu Versorgenden Kosten aufgebürdet werden, die unter Umständen seine Leistungsfähigkeit übersteigen. Trinkwasser ist ein Menschenrecht.
    Wenn im konkreten Fall das Brunnenwasser mit Keimen belastet ist, dürfen die Brunnen nicht zur Trinkwasserversorgung benutzt werden. Das sächsiisce Wassergesetz sagt in §43 dazu folgendes:
    (4) Eine Erlaubnis zur Entnahme von Wasser, das unmittelbar oder nach entsprechender Aufbereitung der öffentlichen Wasserversorgung dienen soll, darf nur erteilt werden, wenn das Wasser den jeweils geltenden hygienischen und chemischen Anforderungen entspricht und die Entnahme nicht gegen verbindliche zwischenstaatliche Vereinbarungen oder Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften verstößt.
    (5) Entspricht eine bereits zugelassene Wasserentnahme den Anforderungen nach Absatz 4 nicht und kann sie diesen Anforderungen nicht angepasst werden, darf das entnommene Wasser nicht zur öffentlichen Wasserversorgung verwendet werden. Die zuständige Wasserbehörde hat sicherzustellen, dass die Wasserentnahme für die öffentliche Wasserversorgung aus diesem Dargebot eingestellt wird.

    Ich selbst habe auch einen Brunnen, der sowohl mit Keimen als auch chemisch (Nitrat) belastet ist. Die Wasserbehörde hat diesen Brunnen als nicht für Trinkwasser geeignet eingestuft. Ist bei mir kein Problem, da ich eine Leitung habe. Aber was wäre wenn?
    Ich würde den Betroffenen also raten, die untere Wasserbehörde mit dem Messprotokoll zu konfrontieren. Eigentlich muss sie die Brunnen dann für die Trinkwasserentnahme sperren. Dann hat die Gemeinde wieder den schwarzen Peter, denn sie muss die Versorgung sicher stellen.



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