Van-de-Velde-Experten treffen sich in Chemnitz

Bei einer Tagung kommen Wissenschaftler aus fünf Ländern zusammen, die sich mit dem Architekten befassen. Die Veranstaltung wird auch zu einem Treffen seiner Nachfahren.

Die Villa Esche ist mehr als ein Haus. An ihrem Beispiel lassen sich Architektur-, Kunst-, Industrie- und Stadtgeschichte erzählen. Außerdem steckt das Gebäude, das der flämische Architekt Henry van de Velde 1902 im Auftrag des Chemnitzer Textilfabrikanten Herman Eugen Esche als Gesamtkunstwerk entwarf, voller Anekdoten. Eine Tagung holt nun acht Wissenschaftler aus fünf Ländern, die sich mit dem Wirken von Henry van de Velde befassen, in die Villa nach Chemnitz.

Die Idee dazu hatte Antje Neumann-Golle, die seit April als Kustodin die Textil- und Kunstgewerbesammlung in den Kunstsammlungen Chemnitz sowie das in der Villa Esche ansässige Henry-van-de-Velde-Museum leitet. Sie ist eine Kennerin van de Veldes, war zuvor in der Klassik Stiftung Weimar tätig und erstellte dort sein Werksverzeichnis. Seit dem Van-de-Velde-Jahr 2013 - dem Jahr des 150. Geburtstags des Belgiers - habe es keine nennenswerte Tagung gegeben, trotzdem sei in der Zeit viel geforscht worden, so Neumann-Golle. Ein weiterer Grund für die Tagung sei das diesjährige Bauhausjubiläum, bei dem zu wenig an van de Velde erinnert werde. "Dass er den Grundstein für das Bauhaus gelegt hat, wird immer vergessen", so die Kunsthistorikerin. Denn der Architekt hat nicht nur die Kunstgewerbeschule in Weimar entworfen und geleitet, in die das Bauhaus einzog. Die Metallwerkstatt der Schule, in der auch die Chemnitzerin Marianne Brandt tätig war, wurde mit Werkzeugen van de Veldes ausgestattet, mit denen er auch Stücke des Interieurs der Villa Esche geschaffen hatte.

Zu den acht Referentinnen und Referenten der Tagung am 11. Dezember wird Prof. Katherine M. Kuenzli von der Wesleyan University in Middletown, Connecticut, USA gehören. Sie leitet ein Projekt, bei dem alle Schriften van de Veldes ins Englische übersetzt werden. Die Übersetzerin, Elizabeth Tucker, wird über "das Schreiben als Kunsthandwerk" sprechen. Ein belgischer Architekt wird über die Villa Landing referieren, die van de Velde in den 1930er-Jahren baute und eine Professorin aus Dublin wird über die Parallelen zwischen den Architekten Frank Lloyd Wright und Henry van de Velde sprechen. Neben einem Treffen von Wissenschaftlern wird die Tagung auch zu einem Treffen der Familie van de Veldes. Vier Urenkel kommen erstmals nach Chemnitz. Die Familie habe zudem zugesagt, eine angestrebte Umgestaltung der rund 20 Jahre alten Dauerausstellung im Museum finanziell zu unterstützen, sagte Neumann-Golle.

Die Tagung zu Henry van de Veldes Wirken für Europa und die Welt findet am Mittwoch, 11. Dezember, von 9 bis 18 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung per E-Mail an antje.neumann-golle@stadt-chemnitz.de

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