Veraltete Focus-Meldung über Sexualdelikt sorgt für Verwirrung

Eine Frau soll von einem Unbekannten unsittlich berührt worden sein. Doch der Vorfall liegt Monate zurück. Das als Quelle genannte Innenministerium kündigt Konsequenzen an.

Limbach-Oberfrohna.

Die Meldung sorgt für Aufsehen im Internet und wird schnell weiterverbreitet. "Wie traurig ist das denn", fragt eine Facebook-Nutzerin. Eine andere Nutzerin des sozialen Netzwerks bringt zum Ausdruck, dass das soeben Gelesene bei ihr Brechreiz auslöst. Was ist passiert? Unter der Überschrift "Kripo ermittelt wegen sexueller Nötigung" berichtet die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins Focus über ein Sexualdelikt in Limbach-Oberfrohna. Ein Unbekannter habe sich einer Passantin auf einem Fahrrad genähert, angehalten und die Frau umarmt. Das Opfer konnte den Angreifer den Angaben zufolge wegstoßen, daraufhin sei der Mann auf dem Fahrrad geflüchtet. Als Zeitpunkt ist "Samstagmittag" genannt. Da die Meldung am Montagabend veröffentlicht wurde, liegt die Folgerung nahe, dass sich der Vorfall am vergangenen Samstag ereignet hat.

Das jedoch ist falsch, wie Anett Münster, Sprecherin der Polizeidirektion Zwickau, auf Anfrage bestätigt. Am vergangenen Wochenende sei kein entsprechendes Sexualdelikt aus Limbach-Oberfrohna gemeldet worden. Vielmehr habe sich die Tat schon vor Monaten ereignet. Wer die Pressemitteilungen der Zwickauer Polizei aus dem Vorjahr durchstöbert, wird in der Tat fündig: Am 1. August 2016 hat die Polizei eine entsprechende Meldung veröffentlicht. "Kripo ermittelt wegen sexueller Nötigung", heißt es auch dort. Der folgende Text ist weitestgehend wortgleich. Das Sexualdelikt hat sich also nicht am 18. Februar 2017, sondern am 30. Juli 2016 ereignet.


Nach Beobachtungen der "Freien Presse" ist es nicht das erste Mal, dass Pressemitteilungen der Polizei, die Wochen oder Monate alt sind, erneut veröffentlicht werden. Am 1.Dezember 2016 berichtete ebenfalls Focus Online über einen Einbruch in eine Tankstelle an der Burgstädter Straße in Limbach-Oberfrohna. Zwar ist es richtig, dass die Tankstelle im vergangenen Jahr dreimal von Dieben heimgesucht wurde. Die Taten fanden jedoch Mitte April, Ende Juli sowie am 14. Dezember statt. Polizeisprecherin Münster bestätigt diesen Eindruck. "Ich wurde schon auf Meldungen angesprochen, die Monate alt sind, aber so dargestellt werden, als wären sie aktuell."

Nach einem entsprechenden Hinweis der "Freien Presse" schaltete sich auch das Dresdner Innenministerium in den Fall ein. Denn die Behörde wird in dem Medienbericht als Quelle angegeben. "Dieser Inhalt wurde erstellt vom Sächsischen Staatsministerium des Innern", heißt es bei Focus Online. "Hier wird der Anschein einer Kooperation erweckt, die es nicht gibt", betont Jan Meinel, Sprecher des Ministeriums. Er unterstelle keine böse Absicht, halte die Formulierung aus urheberrechtlicher Sicht aber für bedenklich, sagt Meinel. "Wir werden das so nicht weiter akzeptieren." Zwar stehe es Medien frei, Mitteilungen der sächsischen Polizei, die dem Innenministerium untersteht, für ihre Berichterstattung zu verwenden. "Aber selbst wenn diese automatisiert übernommen werden, muss das Erscheinungsdatum natürlich mit berücksichtigt werden", stellt der Sprecher fest. Die Behörde werde deshalb das Nachrichtenmagazin kontaktieren und auf die fehlerhafte Praxis hinweisen.

Warum die veraltete Nachricht veröffentlicht wurde, ließ sich gestern nicht aufklären. Die Redaktion von Focus Online ließ eine Anfrage der "Freien Presse" unbeantwortet. Auch telefonisch war dort kein Verantwortlicher zu erreichen.


Ermittlungen laufen weiter

Eine Serie von Sex-Attacken hat 2016 für Unruhe in Limbach-Oberfrohna gesorgt. Von Ende Juni bis Ende August zählte die Polizei sechs Fälle, bei denen Frauen meist von unbekannten Männern umklammert oder unsittlich berührt wurden. Die Vorfälle ereigneten sich überwiegend unter freiem Himmel im Gebiet rund um den Stadtpark. Der oder die Täter - die Personenbeschreibungen ähnelten sich zum Teil - konnten stets fliehen. Die Polizei ermittele noch immer intensiv, sagte Sprecherin Anett Münster gestern auf Anfrage. "Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen." Nähere Angaben könnten derzeit nicht gemacht werden. (jop)

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    Blackadder
    22.02.2017

    Nunja, eingesessen ist ein Wort das ich für den Focus jetzt nicht unbedingt nutzen würde. Aber es ist schon etwas komisch, dass gerade das Medium, welches für FB Fakenews mit entlarven soll, selbst Probleme mit der journalistischen Sorgfaltspflicht hat.

  • 3
    2
    Hinterfragt
    22.02.2017

    Und jetzt soll mir mal einer erklären, wie man auf Fratzenbuch udgl. FakeNews entlarven und kennzeichnen will, wenn es nicht mal die eingesessenen Medien hinbringen ihre Meldungen ordentlich zu recherchieren.



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