Verein holt Denkmal aus dem Dornröschenschlaf

An eine Unternehmerfamilie erinnert ein Grabmal auf dem Friedhof in Oberfrohna. Lange Zeit blieb es unbemerkt.

Limbach-Oberfrohna.

Immer, wenn Wolfgang Ziemert das Familiengrab auf dem Oberfrohnaer Friedhof besucht, kommt er am Hauptweg an einem Grab vorbei, das mit Efeu überwuchert ist. Eines Tages war seine Neugier gepackt und er schaute sich den verwitterten Grabstein etwas näher an, erzählt der 76-Jährige. Auf der Inschrift stand der Name Carl Emil Fritzsche.

"Ich wusste, dass Fritzsche aus einer Limbacher Strumpfwirker- familie entstammt", sagt Ziemert. Und weil Limbach-Oberfrohna schon immer als heimliche Textil-Hauptstadt gelte, hatte er die Idee, das Grabmal instandzusetzen und vom Grün zu befreien, ergänzt er. Bei der Friedhofsverwaltung und im Förderverein des Esche-Museums, dem er angehört, stieß er dabei auf offene Ohren. Das Grabmal sei eines der letzten repräsentativen Zeugnisse aus der Hochzeit der wirtschaft- lichen Entwicklung von Oberfrohna, sagt Fördervereins-Mitglied Irmgard Eberth. Nur sehr wenige dieser Zeugen existierten noch. Die meisten Grabmale seien inzwischen verfallen und entfernt worden, da sich niemand aus der Familie mehr darum kümmere oder kümmern konnte, so Eberth. Offenbar sei auch kaum jemanden die Bedeutung solcher Denkmale für die Stadtgeschichte klar gewesen.

In der wirtschaftlichen Blütezeit hätten viele Unternehmerfamilien mit repräsentativen Grabmalen für ihre Verstorbenen die Wirtschaftskraft und gesellschaftliche Bedeutung dargestellt.

Der Förderverein beschloss vor zwei Jahren, das letzte große Grabmal einer Industriellen-Familie zu restaurieren. Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung entfernten den Efeu, erzählt Ziemert. Der untere Teil des Grabmals sei von einer ortsansässigen Schlosserfirma aufgearbeitet und wieder vervollständigt worden. Danach wurde der obere Teil von einer Steinmetzfirma instand gesetzt. "Dabei wurde auch die Schrift wieder aus dem Stein herausgearbeitet", sagt Ziemert.

Gestern nun wurde anlässlich des bundesweiten Tag des offenen Denkmals das restaurierte Grabmal erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. "Wir sind stolz, dass wir so ein wertvolles Kleinod retten konnten", sagt Irmgard Eberth. Wolfgang Ziemert würdigte in seiner Rede das Wirken der Familie Fritzsche. Die wenigen biografischen Angaben hatte der 15-jährige Marvin Müller zusammengetragen. Der Schüler ist jüngstes Mitglied des Fördervereins. Carl Emil Fritzsche wurde am 4. Dezember 1855 geboren und ist am 15. Oktober 1909 gestorben. Sein älterer Bruder Carl Robert Fritzsche gründete in Oberfrohna eine Konfektionsfirma, die wahrscheinlich Kinder- bekleidung herstellte, erzählt Müller. Nachfahren der Fritzsches leiteten die Textilfirma bis 1972. Dann firmierte der Betrieb unter Volkseigener Betrieb (VEB) Damen- und Kinderkonfektion, später Untertrikotagen Artiseda. Nach der Wende existierte die Firma noch einige Jahre als Lintex Sport Fashion GmbH.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...