Verfahren nach angeblichem Axt-Angriff eingestellt

Angeklagter muss Geldauflage von 500 Euro zahlen - Richterin nennt Fall "sehr suspekt"

Unklare Zeugenaussagen und eine diffuse Sachlage brachten bei der Fortsetzung des Verfahrens gegen einen Mann aus Mittelsachsen wenig Licht ins Dunkel. Ein Handyvideo und die Aussage eines Gutachters konnten die Vorwürfe gegen den 44-Jährigen nicht erhärten - das Verfahren am Amtsgericht Döbeln wurde eingestellt.

Ihm wurde vorgeworfen, am 4. August 2018 gegen Kameraden der Feuerwehr Widerstand geleistet zu haben und diese zudem mit einer Säge und einer Axt bedroht zu haben. Die Wehr war gegen 19 Uhr zu einem vermeintlichen Feldbrand gerufen worden. Vor Ort stellte sich heraus, dass die Rauchentwicklung von einer Feuertonne auf einem Privatgrundstück nahe dem Waldrand herrührte.

Die Kameraden baten den Grundstückseigentümer, aufgrund erhöhter Waldbrandgefahr und des drohenden Funkenflugs die Tonne zu löschen. Statt der Aufforderung nachzukommen, habe der Beschuldigte die Wehrleute erst mit einer Säge, dann mit einer Axt bedroht. Wie kritisch die Waldbrandgefahr an jenem Sommertag wirklich war, war am ersten Verhandlungstag vor gut zwei Wochen offengeblieben.

Das schätzte nun ein Gutachter des Landratamtes erneut ein. "Es galt Waldbrandstufe 3. Aber die Einordnung ist nicht mit rechtsverpflichtenden Handlungsanweisungen verbunden", so der Gutachter. Laut Sächsischem Waldgesetz müsse aber die Distanz von einer Grillstelle zum Waldrand mehr als 30Meter betragen, so der Mitarbeiter der Behörde. Das sei in diesem Fall eingehalten worden. Ein leitender Polizeiangestellter kam zum gleichen Schluss. Ein weiterer Zeuge, der als Einsatzkraft der Wehr im August 2018 vor Ort war, konnte sich an Details nicht mehr erinnern. Auch ein Handyvideo, das die Ehefrau des Angeklagten vom Balkon des Hauses gemacht haben soll, wurde dem Gericht vorgeführt und zeigte den Beschuldigten angeblich mit leeren Händen.

Das Gericht stellte das Verfahren daraufhin gegen eine Geldauflage von 500 Euro ein. "Es ist nicht klar, was Ihnen zur Last gelegt wird", sagte Richterin Nancy Weiß abschließend zu dem Angeklagten. Der Fall sei aber "sehr suspekt". Der Mann gilt als nicht vorbestraft. Das Geld kommt einer gemeinnützigen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen zugute. (cbo)


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