Verkäufer Kummer - Kraftklub-Sänger feiert Soloalbum mit Laden und Konzert

Seit Juli ist bekannt, dass Felix Kummer einen eigenen Plattenladen aufmacht - allerdings nur für drei Tage. Einzige Ware in den Regalen: sein Debütalbum "Kiox". Am Freitag öffnete er die Türen und empfing hunderte Fans, die das Album kaum erwarten konnten.

Chemnitz.

Mit einem "Hereinspaziert" begrüßt Kraftklub-Frontmann Felix Kummer im schwarzen Kapuzenpulli um Punkt 10 Uhr seine Fans. Die erste Gruppe von 20 Leuten rennt in den Laden. Jeder schnappt sich eine Platte und stellt sich an der Kasse an. Am Ausgang wartet der Sänger schon wieder, bereit zu Autogrammen und Fotos für seine Fans. Bei Evelin Gillespie ist die Freude über die neue Vinyl-Platte groß. Sie ist die Erste, die sich die begehrte Scheibe sichert. Dafür hatte sie auch einen weiten Weg auf sich genommen. "Ich bin aus der Nähe von Mönchengladbach hergefahren. Die fast 600 Kilometer haben sich gelohnt. Ich war noch nie bei irgendwas die Erste", freut sie sich.

Kummer ist nicht nur der Frontmann von Kraftklub, sondern derzeit einer der populärsten Chemnitzer schlechthin. Mit Kraftklub füllt er landauf landab die Arenen. Sein Engagement in der Stadt geht weit über die Ausrichtung des "Kosmonaut"-Festivals und die Initiative für das "Wir sind mehr"-Konzert mit 65.000 Besuchern Anfang September 2018 hinaus. Er ist breit vernetzt und trotz seiner bitterbösen Songs fürs Marketing der Stadt seit Jahren ein riesiger Gewinn. Seit 2012 das erste Kraftklub-Album "Mit K" erschien und Platz eins der Albumcharts erreichte, spielt die Band in der allerersten Liga.

Kurz vor 10 Uhr hat sich eine gut 100 Meter lange Schlange vor dem Eckhaus gebildet. Hunderte vor allem junge Leute um die 20 haben sich so früh aufgemacht, um bei der Eröffnung von Felix Kummers Plattenladen "Kiox" dabei zu sein. Dort verkauft der 30-Jährige sein gleichnamiges Soloalbum, sein erstes. Der Ansturm ist auch deshalb so groß, weil es die Vinyl-Platten, CDs und Kassetten sonst im Handel nicht zu kaufen gibt.

Die Laune bei den jungen Leuten ist bestens, ganz vorn in der Schlange, direkt vor dem Eingang hat es sich eine Gruppe Besucher mit Campingstühlen bequem gemacht, es gibt das erste Bier, Musik läuft. "Kommt herein und sucht euch was aus, ich kann jedes Album im Laden nur empfehlen", sagt der Musiker. Es gibt nur eins, seins.

Am Freitagnachmittag ist der Andrang noch immer groß, die Schlange vorm Eingang will nicht kleiner werden. Viele der Fans sind gespannt auf den Laden, das Album und natürlich auf Felix Kummer, der sich über jeden seiner Fans freut, der sich auf den Weg nach Chemnitz gemacht hat. "Ich finde es super, aber ich glaube auch, dass die meisten sich das Album heute Morgen schon auf Spotify angehört haben."

Der übliche Vertriebsweg für sein Album "Kiox" ist Kummer wohl zu banal gewesen: Ankündigung, Interviews mit Zeitungen und Radiosendern, Veröffentlichung. Daher kündigte er im Juli im sozialen Netzwerk Instagram an, dass er einen Plattenladen eröffnen will und sich damit einen echten Kindheitstraum erfüllen wird. Dass er damals bereits plante, sein Soloalbum ausschließlich in diesem Laden zu verkaufen, der zudem nur an einem Wochenende geöffnet haben wird, ahnten die Fans noch nicht. Diese Infos erzählte Kummer erst nach und nach - immer via Instagram. Dort konnten seine Fans genau verfolgen, wie er in seinem Laden werkelte, putzte und Regale aufstellte - alles nach dem Prinzip Do-it-yourself. Das Geschäft unweit der Chemnitzer Oper stand ewig leer. Entsprechend kahl ist die Ausstattung. Grauer Sichtbeton, einfache Holzregale, Plastikkisten, Pappkartons, dazu ein paar blaue Luftballons - fertig ist der Pop-up-Store. Dafür sei alles selbst gemacht, erzählt der Musiker.

Vor wenigen Tagen kam der Name über die Eingangstür: "Kiox" steht in blauen Großbuchstaben auf einem weißen Schild. Der Name ist Programm. Jan Kummer, Vater des Musikers, der seit Jahrzehnten die Kunstszene der Stadt mitprägt, hatte in den 90er-Jahren einen Plattenladen mit demselben Namen. Von seinen Fans bekommt der 30-Jährige viel Lob für das Album. Selten hat ein Künstler die Möglichkeit, sein Werk direkt an seine Hörer zu überreichen. Kummer strahlt. Noch bis Sonntagabend öffnet er die Türen seines Ladens, dann ist Schluss und die Platten sind nur noch auf seiner Tour zu haben, die Ende November/Anfang Dezember in Deutschland, Österreich und der Schweiz läuft und bereits ausverkauft ist. Am heutigen Samstag gibt es als Trost von 12 bis 14 Uhr eine Autogrammstunde mit Felix Kummer, am Sonntag legen zwischen 12 und 16 Uhr DJs auf.

Auf seiner Platte "Kiox" besingt Kummer ausführlich das, was ihn beschäftigt: Chemnitz und sein Aufwachsen in der Stadt, mit dem Ausblick auf das Leben, das von Spießigkeit bedroht werden könnte. Aber er rechnet auch mit der Männlichkeit im Deutschrap ab, die auf Erfolg, Geld, Uhren und teure Klamotten getrimmt ist. Kummer ist das Gegengewicht und will sich mit solchen Inhalten nicht identifizieren.

Nach Ladenschluss präsentiert Kummer auf dem Dach des Gebäudes sein Debütalbum live mit einem Konzert für seine Fans. Es ist nicht sein erstes Dachkonzert. Schon 2012 stand er auf der Chemnitzer Stadthalle, damals mit Kraftklub und der Berliner Rap-Gruppe K.I.Z. Für das Konzert musste die Polizei kurzzeitig die Straße sperren und es hagelte Kritik seitens der Kirche, da die Aktion trotz Tanzverbot am Karfreitag stattfand. Diesmal wird bis zum Abend einfach nur gefeiert.

Video vom Gratiskonzert zur Kiox-Eröffnung

 
 

 

 

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    994374
    14.10.2019

    Kann mich nur ArndtBremen anschließen.
    Und trotzdem der Jugend ihren Spaß gönnen.
    Sonntag 14 Uhr - 30 m Schlange.
    16.30 auch noch allerhand los!
    Leider ist das nicht nachhaltig. Habe mir vorhin einige aktuelle Urlaubsvideos angesehen. Z.B. Bruneck, 16.000 Einwohner - da gibt es ein vergleichsweise großes und lebendiges Stadtzentrum. Ebenso Wolfsburg (Stil der 60-iger) usw. usf.)
    Irgendwas läuft hier schief!

  • 2
    6
    Einspruch
    12.10.2019

    600 nicht 6000.

  • 8
    7
    quatschkopf
    12.10.2019

    Akzeptiert doch mal das es Menschen mit unterschiedlichem Musikgeschmack gibt
    Das diese Musik nichts für MDR1 Hörer ist ist ja nicht verwunderlich.
    Das Album ist der Hammer!

  • 10
    8
    Blackadder
    12.10.2019

    Der Ärger über den Erfolg von Felix Kummer sitzt ganz schön tief bei einigen.

  • 9
    9
    Einspruch
    12.10.2019

    6000 km für eine Platte ist nicht gerade günstig für das Klima. Hoffentlich wurde nicht erst noch gestreikt. Musikalisch habe ich mir Meinungen von jungen Leuten angehört und ins Album rein gehört. Ich bin beruhigt, nicht nur meine Ohren fühlten sich gemartert. Aber wenn es Fans von sowas gibt, muss man es halt akzeptieren. Bedenklich finde ich, das die Botschaften in seinen Texten noch gepriesen werden. Ziemlich extrem.

  • 9
    10
    ArndtBremen
    12.10.2019

    Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft über alle wirtschaftlich bedeutsamen Geschäftseröffnungen mit ebensolcher Euphorie und natürlich titelseitenfüllend berichtet wird. Am Moritzhof hat übrigens ein neuer Bäcker eröffnet.

  • 16
    14
    cn3boj00
    12.10.2019

    @Hinterfragt, wusste gar nicht dass Sie auch als Musikkritiker unterwegs sind. Der Andrang zeigt die Popularität, die man auch mit kritischen Texten anstelle vom ewigen fuck your mother erreichen kann. Die Musiker um Kraftklub sind wohl das positivste, was Chemnitz in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat, vielleicht neben dem einen der anderen Sportler, der den Namen unserer Stadt positiv besetzt.

  • 15
    15
    Blackadder
    12.10.2019

    Also der Musikexpress ist nicht der Meinung:

    https://www.musikexpress.de/reviews/kummer-kiox/

  • 16
    21
    Hinterfragt
    11.10.2019

    Viel Lärm um Nichts...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...