Verkehrsamt drosselt Tempo vor Kitas

Um Kinder, Senioren und Kranke zu schützen, sollen Autos vor den Einrichtungen langsamer fahren. Experten warnen jedoch vor Aktionismus.

Langenchursdorf.

Langenchursdorf, Waldenburg Hartmannsdorf, Heinrichsort, Gersdorf, Stenn und demnächst auch Weißbach und Oberlungwitz - vor immer mehr Kitas und Schulen im Kreis Zwickau gilt Tempo 30. Die Reduzierung der Geschwindigkeit hat sich laut Verkehrsexperten zwar bewährt, gleichwohl aber lehnen sie einen Aktionismus ab.

Eine Änderung der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung macht seit Dezember 2016 möglich, dass auch vor Pflegeheimen und Krankenhäusern das vorgeschriebene Tempo auf 30 Stundenkilometer reduziert werden kann. Das Landratsamt hat neue Verkehrszeichen bisher vor 22 Einrichtungen angeordnet - 13 vor Kitas, sieben vor Grundschulen und jeweils eine vor einer Oberschule und einem Pflegeheim, so Kreissprecherin Ilona Schilk. Nach der Antragstellung durch die Einrichtung oder Kommune würde die Verkehrskommission den Vorgang prüfen. Neben dem Verkehrsamt des Kreises entscheiden auch die Straßenverkehrsbehörden der Stadt Zwickau und der Großen Kreisstädte Crimmitschau, Glauchau, Hohenstein-Ernstthal, Limbach-Oberfrohna und Werdau über die Tempo-30-Zonen.

So hat allein Glauchau im Stadtgebiet und im Ortsteil Reinholdshain insgesamt sieben Genehmigungen erteilt - unter anderem in der Lindenstraße vor der Wehrdigt- oberschule und Europäischen Grundschule. "Wir haben alle Einrichtungen auf die Voraussetzungen für Tempo 30 mit der Polizei und dem Straßenbaulastträger geprüft", sagt Rathaussprecherin Bettina Seidel. Ob sich die Tempo-30-Abschnitte bewährt haben, könne sie nicht sagen. "Wir kontrollieren aber regelmäßig die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung."

Zufrieden ist indes die Vertreterin der Kita "Märchenland" im Callenberger Ortsteil Langenchursdorf, wo ebenso seit Kurzem Tempo 30 gilt. "Die Fahrer halten sich dran", so die Vize-Chefin der Kita. Einziger Kritikpunkt: Das Schild sei ungünstig aufgestellt, einige würden es zu spät bemerken. Dass neben Kitas auch viele Tempo-30-Strecken vor Schulen für mehr Sicherheit sorgen, freut Anke Vogelsang vom Kreiselternrat Zwickau: "Wir stehen hinter diesen Maßnahmen. Wir sind dankbar, dass immer mehr Kommunen dafür sorgen, dass die Autofahrer vor Schulen vom Gas runtergehen." In dem Zusammenhang entgegnet Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr im ADAC Sachsen, dass "auch die Eltern zum Teil das Problem sind". Sie würden sich beim Bringen der Kinder selbst nicht an die Vorgaben halten. Neben Tempo 30 hält er auch Fußgängerüberwege und Ampeln für sinnvoll. "Dort, wo sich der Verkehr konzentriert."

Dass Tempo 30 noch andere Betroffenheiten erzeugt, wird im Crimmitschauer Ortsteil Gablenz sichtbar. Dort haben die Einwohner jahrelang für ein Tempolimit vor der Kita "Brummkreisel" gekämpft. Und obwohl die Autofahrer nun nur noch langsam durch den Ort rollen dürfen, bleibe das Überqueren der Straße weiter schwierig. Darauf hat Ute Gräfe, Chefin des Heimatvereins, kürzlich während eines Bürgerforums hingewiesen. (mit jan/hof)

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