Vermessungsarbeiten verunsichern Kleingärtner

Zwei Millionen Euro werden in Gablenz in das Abwassersystem investiert. Auf die Pächter von Gartenparzellen kommen Einschränkungen zu.

Gablenz.

Franz Müller* sorgt sich um seinen Kleingarten. Seit vielen Jahren hat er die Parzelle in der Gartensparte "Vereinte Kraft" in Gablenz gepachtet. Nun stehen Bauarbeiten an. "Ein defekter Abwasserkanal soll durch einen neuen ersetzt werden", berichtet er.

Für dafür nötige Vermessungsarbeiten stellte Müller seine Parzelle zur Verfügung. Doch er fürchtet, dass der folgende Tiefbau seinen und weitere Gärten in Mitleidenschaft ziehen wird. Zudem berichtet er von einer Verunsicherung der Pächter zur Zukunft der Sparte, deren Land der Stadt gehört. Die umfangreichen Vermessungsarbeiten hätten zu Gerüchten geführt, so Müller: "Es kommt der Verdacht auf, dass zumindest Teile unserer Gartensparte liquidiert werden sollen und eine Bebauung mit Eigenheimen folgen könnte."

Die Stadtverwaltung dementiert. Es gebe keine Absichten, dort zu bauen, so ein Sprecher. Für das Areal gelte der Flächennutzungsplan der Stadt, der für die Grünfläche den Status "Dauerkleingarten" vorsehe, sagte er. Flächen mit diesem Status sind besonders vor einer Bebauung geschützt, erklärt Jens Peter, Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner. Auch er habe keine Information darüber, dass das Land der Gartensparte "Vereinte Kraft" an Häuslebauer verkauft werden soll, sagte er.

Der Entsorgungsbetrieb der Stadt Chemnitz (ESC) bestätigt derweil Bauarbeiten für einen neuen Abwasserkanal. Der alte, der in Verlängerung der Kreherstraße zwischen Carl-von-Ossietzky- und Charlottenstraße verläuft, sei kaputt. Er verlaufe durch Kleingärten, sodass er teilweise mit Lauben und Schuppen überbaut ist, sagt ESC-Sprecherin Beate Bodnár. Die Leitung bestehe aus verschiedenen Materialien, der Beton habe Oberflächenschäden, im Mauerwerk fehlten Steine, die Fugen seien tief ausgespült. Der Betrieb des Kanals könne so nicht mehr gewährleistet werden, betont sie. Es bestehe dringender Handlungsbedarf. Nachdem eine Variante zur Neuverlegung gefunden wurde, laufe derzeit die Planung. Eines stehe schon fest: "Die Neutrassierung erfolgt ausschließlich in den Gartenwegen." Um Eingriffe in die Parzellen so gering wie möglich zu halten, wurde entschieden, mit der neuen Kanaltrasse bestehenden Wegen zu folgen, so Bodnár. Bei den Arbeiten werde ein Baufeld mit einer Breite von sechs Metern benötigt.

Trotzdem kommen auf Kleingärtner Einschränkungen zu. Während der Arbeiten sei je nach Baufortschritt der Zugang zu Parzellen, die direkt ans Baufeld grenzen, nur bedingt möglich, so die ESC-Sprecherin. Zu Fuß und in Absprache mit der Baufirma werde jeder Garten aber erreichbar sein. Und es gibt noch einen Wermutstropfen: Um am neuen Kanal künftig Wartungsarbeiten erledigen zu können, werden schmale Wege auf eine Mindestbreite von drei Metern vergrößert. Das bedeutet, dass einzelne Parzellen kleiner werden könnten, erklärt Beate Bodnár. Die Arbeiten sollen 2020 beginnen und über mehrere Monate während der üblichen Arbeitszeiten - 7 bis 18 Uhr, im Sommer möglicherweise länger - ausgeführt werden, sagte sie. Der ESC investiert rund zwei Millionen Euro.

* Name von der Redaktion geändert.

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