Verschmutzter Bach sorgt für Streit

Ein Eubaer weigert sich, die Reinigung selbst zu bezahlen. Die Stadt sei verantwortlich. Weil die Behörden das anders sehen, geht er nun auf Konfrontationskurs.

Auf dem Grundstück von Reinhard Rudolph fließt der Eubaer Dorfbach entlang. Das Gewässer müsse dringend gereinigt werden, sagt der Anwohner - sonst drohe eine Überflutung einer Überfahrt.

Von Benjamin Schaller

Für Reinhard Rudolph ist es eine "stinkende Kloake", die sich auf seinem Grundstück am Haus entlang schlängelt. Der Eubaer Dorfbach ist mit Geröll, Sand und Kies verunreinigt. An einer Stelle wird dies besonders deutlich: Direkt hinter einer unterirdischen Verrohrung des Baches haben sich die Ablagerungen so stark festgesetzt, dass sich das Wasser leicht angestaut hat. Über dem Rohr verläuft eine Überfahrt. Rudolph ist froh, dass es im Sommer wenig geregnet hat. "Sonst wäre mir die Überfahrt laufend abgesoffen", sagt er.

Eine gründliche Reinigung mit einem Bagger sei notwendig, vermutet Rudolph. Die Kosten will er nicht tragen - er sieht die Stadt in der Verantwortung. Der Bach laufe zwar über sein Grundstück, sei aber ein öffentliches Gewässer, begründet er. Bei der Stadt sieht man dies anders. Grund für die Verschmutzung sei die ungefähr zehn Meter lange Verrohrung, die teilweise defekt sei, schreibt eine Sprecherin. Die sei privat gebaut, weshalb Rudolph die Kosten tragen müsse und selbst für Reinigung und Instandhaltung zuständig sei - einschließlich der Ein- und Auslaufbereiche. Zuvor müsse er im Umweltamt eine Genehmigung beantragen. Am Ausgang des Rohres habe sich ein naturnahes Gewässerprofil entwickelt, das nicht verändert werden dürfe.

Rudolph will dies so nicht hinnehmen. Er bestreitet, dass das Rohr privat angelegt wurde. Stattdessen sei es Anfang der 1960er-Jahre von der Gemeinde oder der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) geschaffen worden. Einen Nachweis dafür habe er aber nicht. Tatsächlich lasse sich nicht mehr genau klären, wer die Verrohrung angelegt hat, heißt es von Seiten der Stadt. Dies sei aber auch gar nicht entscheidend: Laut dem Sächsischen Wassergesetz seien Ufermauern "von dem, [...] in dessen [...] Interesse sie errichtet wurden, zu unterhalten". Als Ufermauern gelten dabei alle baulichen Anlagen, die das Ufer ganz oder teilweise ersetzen. Da die Überfahrt über der Verrohrung nicht von der Kommune, sondern nur von Rudolph privat genutzt werde, sei er verantwortlich.

Rudolph ist über diese Argumentation der Stadt aufgebracht. Er bezweifelt, dass ein Defekt die Verunreinigung verursacht. "Dann würde sich das Wasser doch schon im Rohr stauen", sagt er. Die Hoffnung, von der Stadt einen Zuschuss zu bekommen, hat er nach dieser Antwort jedoch aufgegeben. "Wenn nichts anderes übrig bleibt, muss ich es eben selbst bezahlen. Dann mache ich das aber auch so, wie ich es für richtig halte, und lasse mir von der Stadt nicht reinreden", kündigt er an. "Das ist schließlich mein Grundstück. Und Mitarbeiter der Stadt haben hier dann nichts mehr zu suchen."

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