Versorger Eins verspricht jedem Neukirchner schnelles Internet

Das Chemnitzer Unternehmen wird das künftige Breitband-Netz im Ort betreiben. Bei der Vergabe des Auftrags dazu hatte der Gemeinderat keine Alternative.

Neukirchen.

Ein Glasfaseranschluss in jeder Wohnung ohne Kosten für den Hauseigentümer. Das verspricht der Chemnitzer Versorger Energie in Sachsen (Eins) allen Einwohnern von Neukirchen und des Ortsteils Adorf. Die erste von Eins dafür gestellte Bedingung hat der Gemeinderat bereits erfüllt. Er erteilte in seiner jüngsten Sitzung Eins einstimmig den Zuschlag für den Betrieb des künftigen Breitbandnetzes, über welches das Gemeindegebiet mit Hochgeschwindigkeits-Internet versorgt werden soll. Die zweite Bedingung ist die Zustimmung der Grundstücks- und Haus- eigentümer zur Verlegung der Glasfaserleitungen, erklärten die beiden Kommunikationstechnik-Experten Jens Kliemt und Thomas Neef von Eins zur Gemeinderatssitzung.

Der Bau des Breitbandnetzes selbst ist aber erst einmal Sache der Gemeinde. Die Ausschreibung der Planungsleistungen dafür läuft bereits, teilte Bürgermeister Sascha Thamm den Gemeinderäten mit. Bis September, so der weitere Zeitplan, soll der Auftrag dafür an ein Planungsbüro vergeben werden, damit Anfang 2019 die Tiefbauleistungen ausgeschrieben und zügig vergeben werden können. "Wir wollen 2019 beginnen, so schnell wie möglich", sagte Thamm. Rund 4,5 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land seien der Gemeinde dafür bereits zugesagt. Die endgültige Höhe dieses Zuschlages hänge aber von den tatsächlichen Kosten ab, die erst nach der Ausschreibung feststehen, erläuterte der Bürgermeister.

Das Angebot von Eins könnte dazu führen, dass die Gemeinde sogar mit weniger Geld auskommt als ursprünglich erwartet. Denn der Chemnitzer Versorger will für den Aufbau des Glasfasernetzes bereits vorhandene, eigene Infrastruktur zur Verfügung stellen. So könnte die Länge der Trasse nach Neukirchen gegenüber den ursprünglichen Planungen der Tele-Kabel-Ingenieurgesellschaft (TKI) um 4,5 Kilometer verkürzt werden, indem der Hauptverteiler auf einem Eins-Grundstück an der Max-Müller-Straße in Markersdorf untergebracht wird, berichtete Kliemt. Das entspräche einer Kosteneinsparung von etwa 450.000 Euro. Darüber hinaus schlägt Eins vor, die Glasfaserleitungen unter anderem durch 1,4 Kilometer bereits verlegter Leer-Rohre - 1000 Meter mehr als von der TKI geplant - und 1,6 Kilometer vorhandener Gasrohre zu ziehen.

Sobald Neukirchen den endgültigen Zuwendungsbescheid über die Fördergelder für den Ausbau des Breitbandnetzes erhalten hat, soll ein Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Chemnitzer Versorger unterzeichnet werden. Darin wird unter anderem vorsehen sein, dass Eins das Breitbandnetz nach dessen Fertigstellung - voraussichtlich ab dem Jahr 2021 - sieben Jahre lang von der Gemeinde pachtet. Als Pachtentgelt sind 50.000 Euro pro Jahr vereinbart. "Im Gegenzug übernimmt Eins die Betreiberverantwortung all inclusive", sagte Kliemt. Das bedeute, dass der Versorger alle Aufwendungen für Instandhaltung, Wartung und Störungsbeseitigung trägt. Nach Ablauf der Pachtzeit wird Eins der Gemeinde ein Kaufangebot für das Glasfasernetz unterbreiten. "Dessen Wert legt ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer fest", so der Kommunikationstechnik-Experte.

Mehr als für diese Vertragsdetails interessierten sich die Gemeinde- räte aber dafür, ab wann, mit welchen Übertragungsgeschwindigkeiten und welchen Kosten die Einwohner das künftige Glasfasernetz nutzen können. Kliemt führte als Beispiel für den zeitlichen Ablauf das benachbarte Amtsberg an. Dort habe Eins im Februar 2017 den Zuschlag als Netzbetreiber erhalten und im April/Mai vergangenen Jahres bei drei Veranstaltungen in Turnhallen die Einwohner informiert. Jetzt, also etwa anderthalb Jahre nach dem Zuschlag, würden die ersten 250 von insgesamt reichlich 2000 Anschlüssen von der Tiefbaufirma an Eins übergeben und mit Kunden Verträge darüber abgeschlossen.

Der Versorger garantiere für seine Produkte gestaffelte Bandbreiten von 16 bis 50 sowie 100 Megabit je Sekunde (Mbit/s) zu Preisen ab knapp 20 Euro monatlich im ersten Jahr. Danach wird es teurer. Eins sei aber verpflichtet, sein Netz auch für andere Anbieter zu öffnen. Die Glasfaserkabel ermöglichten jedoch deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und seien für die Anforderungen der nächsten Jahrzehnte gerüstet, versicherte Thomas Neef. Lediglich die Endgeräte müssten dafür modernisiert werden.

Bei der Auswahl des künftigen Netzbetreibers hatten die Gemeinderäte keine Alternative. Von ursprünglich fünf Interessenten für das Neukirchner Netz hätten nur zwei die geforderten Referenzen vorgelegt, berichtete Bürgermeister Thamm. Und von den beiden verbliebenen Bewerbern habe letztlich nur Eins ein endgültiges Angebot abgegeben.

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